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Cynetart 2016 – International Festival For Computer Based Art

Wenn ausziehen nicht mehr reicht.

11.11.2016

0101000110100111001110010 - Computeralgorithmen sind schon faszinierend. Sie sehen so unscheinbar aus, doch sind sie der Lebenssaft unserer Laptops, Smartphones oder Fernseher und in der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Die Cynetart zeigt uns aber, dass noch wesentlich mehr im bionominalen Code versteckt sein kann - Kunst zum Beispiel. Vor kurzem starteten die Kunsttage und Urbanite verrät, für wen sich ein Besuch lohnt.    

 

 Cynetart 2016 – International Festival For Computer Based Art
Performance Künstlerin Laura Luna

Das Festspielhaus Hellerau, das nach seiner Sanierung im Jahre 2006 zum Europäischen Zentrum der Künste auserkoren wurde, beheimatete schon eine Vielzahl an verschiedenen Ausstellungen und Kunstprojekten. Die Cynetart gehört schon lange dazu und feiert in diesen Tagen ihren 20. Geburtstag. Zur Geburtstagparty wurden mehr als 60 Künstler aus dutzenden Ländern, unter dem Motto „The enigmatic moment“ eingeladen. Vom 10. November bis 16. November können Besucher die Kunsttage besuchen und neben der Ausstellung ausgewählter Arbeiten, auch bei Workshops, Vorträgen und Preisverleihungen vorbeischauen.

 

Definierte Zielgruppe

 

Künstlerischer Leiter Ulf Langheinrich ordnet der Cynetart eine große Aufgabe zu: „Als Festival für neue Medien und digitale Kunst muss sie für eine Haltung des Aufbruches und des Wagnisses stehen, dies in einer Stadt, die sich gebrochen ungebrochen an den nicht verschmerzten Verletzungen der Vergangenheit abarbeitet und die in Heilung und Wahrung des Verlorenen, nach wie vor eine zentrale sinnstiftende Agenda findet“ Ein Blick auf den Programmkalender offenbart viele einzigartige Projekte, die von scheinbar prätentiösen Technikspielereien bis zu sympathischen Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Problemen reicht. Klar, das anvisierte Publikum ist weniger der Mittags-Privatfernsehen Zuschauer, sondern eher der anspruchsvolle Feuilleton Typ.

 

Man muss Spaß haben an freier Interpretation und ein Bedürfnis und Verständnis für Projekte jenseits etablierter Strukturen – sonst droht akute Kunstverdrossenheit. Beispielsweise baute Wonbaek Shin mithilfe lackierter Kupferdrähte, ein Geflecht aus Widerständen, die elektrische Spannung erzeugt und am Ende eine kleine Glühbirne zum Leuchten bringt. Ohne elektrische Komponenten und nur mit einer komplexen Verarbeitungsweise wurde so ein Stromkreis geschaffen. Beindruckend, keine Frage – Kunstliebhaber können hier den Kampf zwischen Einfachheit und Komplexität hineindeuten, alle anderen könnten von Ratlosigkeit betroffen sein.

 

Einige der Projekte folgen diesem Muster. Sein es Kameras, die sich gegenseitig filmen und diese Bildinformationen an eine Software weitergeben und anschließend ein Konstrukt entsteht, dass an ein Nervensystem erinnert. Oder aber ein vollständig am Computer simuliertes Meer, welches in vierfacher Ausführung von ruhiger See bis stürmischen Wellenbrecher, die verschiedenen Gesichter des Lebensraumes Wasser zeigt. 

Highlight: Feminismus?

 

Eine ganz besondere Installation ist der Neuling „dgtl femnsm“. Dieses Eigenprojekt von Hellerau und einem Künstlerkollektiv aus Dresden möchte ein diskursives Programm schaffen, das mit live Performances und vorab produzierten Videos, der Frage nach technologiebasierten Formen der Emanzipation nachgeht. Dazu wurde auch die US-Künstlerin Shawné Michaelain Holloway eingeladen, eine Internetfreidenkerin und selbst bezeichnende „dirty mind media artist“. Der digitale Feminismus bei der Cynetart markiert gleichzeitig den Startschuss für weitere ähnliche Projekte und soll der Anfang eines Netzwerkes sein, bei dem die Webseite den Dreh-und Angelpunkt darstellt.

 

Ob die Cynetart es schafft, ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen - alte Wunden verarzten und eine Aufbruchsstimmung zu kreieren, bleibt abzuwarten. Sie möchten Haltung zeigen, das alleine ist lobenswert. Jeder Besucher muss dazu bereit sein, sich auf einen solchen Diskurs einzulassen. Dann könnte bei jedem irgendwann ein Licht aufgehen.

Info: www.cynetart.org

 



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