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In den Topf geschaut: Steffenhagen

Die paar Sekunden Kauen

19.04.2017
Autor: Kaddi Cutz

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass das „Steffenhagen“ in den ehemaligen Räumen des „Flax“ und in gänzlich neuem Gewand seine Pforten eröffnet hat. Seither beweist das Team um Betreiber Andreas Henning, der bereits seit Ende 2014 mit dem veganen Fast-Food- Kleinod „Der Dicke Schmidt“ im Hecht die Herzen höher schlagen lässt, dass tierisch gute Küche auch völlig ohne Tier funktionieren kann.

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Henning selbst lebt seit Jahren vegan, noch länger ist er der Gastronomie verfallen. "Ich bin – wie so viele – nach Dresden gekommen, um ein Studentenleben zu führen, was leider den Nebeneffekt hat, dass man dann auch irgendwas studieren muss."

Die richtig große Liebe zwischen ihm und den Geowissenschaften ist aber auch nach drei Semestern nicht entbrannt, stattdessen fand er seine wahre Passion hinterm Tresen der Neustädter Kultkneipe "Hebeda's", deren Geschäfte er inzwischen führt.

Als der umtriebige Koch Hoppe, der damals noch im Bautzner Tor den Löffel schwang, die Idee eines veganen Döners in den Raum warf, war Henning sofort Feuer und Flamme und gemeinsam machte man sich an die Geburt des "Dicken Schmidt", der längst den Kinderschuhen entwachsen ist und eine beeindruckende Fanbase sein Eigen nennt.

 

Der Wunsch nach einem veganen Restaurant als nächster Schritt ließ nicht lange auf sich warten und mit der Geschäftsaufgabe der Flax-Betreiberin hatte die Suche nach einem geeigneten Objekt schnell ein Ende. Der gemütliche Laden präsentiert sich in freshem Schiefergrau, die Karte ist erfreulich klein und lässt dennoch keine Wünsche offen: Schnitzel und Bratkartoffeln finden sich hier genauso wie Rollbraten, Laufauf (!) und Krautnudeln, darüber hinaus lockt die wechselnde Tageskarte mit äußerst schmackofatz anmutenden Kompositionen, die selbst überzeugte Fleischfans in ihren Bann ziehen.

 

Die Philosophie erklärt Henning ebenso überzeugend wie unaufdringlich: "Nirgends steht geschrieben, dass ein Schnitzel aus Fleisch sein muss. Auch ein Rollbraten sagt im Grunde nur aus, dass da etwas gerollt und gebraten wurde. Letztendlich geht es ja darum: Wir wollen auf Fleisch verzichten, auf unser im Ursprung vielleicht fleischhaltiges Lieblingsgericht aber nicht. Genau wie man manchmal ein Bier will, aber trotzdem auf Alkohol verzichten. Es kommt vor allem auf Geschmack und Konsistenz an, das muss passen und das haben wir perfektioniert und uns auf die Fahne geschrieben. Für die paar Sekunden Kauen muss aber kein Tier sterben."

 

 

Ihn mache es vor allem glücklich, sagt Henning, "wenn hier Leute reinkommen und ganz selbstverständlich ein Schnitzel mit Bratkartoffeln und ein Bier bestellen. Man muss ja nicht immer alles mit ewig langen Erklärungen der Begrifflichkeiten versauen."

 

Dass manche auf ihr täglich Fleisch bestehen, findet er okay. "Hier saß auch schon mal ein sehr netter Bauarbeiter, der von der veganen Ausrichtung überrascht wurde und nicht glauben wollte, dass die Portionen groß genug sind, um auch ihn satt zu kriegen – ganz ohne Tier. Er bestand darauf, den morgigen Arbeitstag ohne ein fleischhaltiges Abendbrot nicht bestreiten zu können und räumte das Feld. Das macht aber auch nichts, wir wollen niemanden bekehren."

 

Ist auch unnötig, denn Auswahl gibt es im Steffenhagen wahrlich genug und wer sich dem Angebot mit Offenheit nähert, wird mit so manch geschmacklicher Offenbarung belohnt. Ein echtes Highlight ist übrigens auch das Waldbeersorbet mit karamellisierter Birne, die sich unerwartet mitten im Dessert versteckt und für eine extrem leckere und vor allem chrunchige Überraschung sorgt. Ein bisschen fühlt man sich an die kandierten roten Äpfel vom Jahrmarkt erinnert – nur in geil halt. Allein hierfür lohnt sich der Besuch. Weil die Damen und Herren Steffenhagen aber auch unfassbar nett sind, haben sie uns außerdem verraten, wie Ihr diesen Knaller-Nachtisch ganz easy selbst zuhause nachbauen könnt. Auf die mehr als latente Suchtgefahr sei an dieser Stelle hingewiesen!


Und so geht’s: 250 g TK-Beerenmischung, etwas Rohrzucker und je einen Schluck Sojamilch und Mangosaft pürieren. ¼ Birne in Stücke schneiden und mit Agavendicksaft karamellisieren. Beide Komponten in ein Glas schichten – Birnen in die Mitte- und das Resultat mit veganer Schlagsahne und einem Minzblatt aufhübschen.



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