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Der Scheune in den Topf geschaut

Kein Grund zum Morgenmuffeln

04.02.2017
Autor: Kaddi Cutz

Fast ein Jahr ist es her, dass das Scheune Café seinem Brunch Lebewohl gesagt – und bei der Gelegenheit auch gleich mal das Gesamtkonzept auf vegetarisch umgestellt hat. Für Begeisterungsstürme sorgte diese Neuerung zunächst bei den wenigsten, schließlich galt der Scheune-Brunch als einer der besten der Stadt und auch auf der indischen Menükarte hatte so mancher wohl sein fleischhaltiges Lieblingsgericht, auf das zu verzichten eine kaum zu meisternde Herausforderung darstellen würde. Grund genug für uns, dem Scheune-Café mal in den Topf zu schauen und herauszufinden, ob früher wirklich alles besser war.

 

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Rayko Nguyen hat urbanite in die Töpfe der aktuellen„Scheune-Küche“ blicken lassen
Tatsächlich war der Zeitpunkt für den Wechsel nicht ganz zufällig gewählt: „Mit dem neuen Scheune-Vorplatz hat sich ja auch das äußere Erscheinungsbild schon verändert.“, sagt Rayko Nguyen, der als einer der drei Geschäftsführer vor etwa anderthalb Jahren die Restaurantleitung übernommen hat. „Drinnen hatten wir ja schon ein Weilchen vorher umgestaltet und irgendwie standen die Zeichen auf Neuanfang“. Und warum musste ausgerechnet der Brunch weichen? Immerhin hatte der ja schon fast sowas wie Kult-Charakter. „Das hatte in erster Linie pragmatische Gründe“, so Rayko, „der Brunch war vor allem deshalb so beliebt, weil die Auswahl sehr groß und vielfältig war. Die Kehrseite ist aber, dass wir deshalb auch immer gut ein Drittel der Speisen wegschmeißen mussten. Das ist nicht nur wirtschaftlich problematisch, sondern einfach auch wenig nachhaltig.“ 

 

Kater Hektor, der letzte seiner Art

Hinzu kommt, dass sich das Scheune-Café über die Jahre zunehmend mehr zum Restaurant entwickelt hat, als Folge des Nichtraucherschutzgesetzes hat sich der Barbetrieb gewandelt und als weitere Neuerung sollte ein regelmäßiger Mittagstisch unter der Woche installiert werden – mit einem zusätzlichen Brunch am Wochenende ist das aber kaum zu stemmen. Lecker frühstücken kann man aber weiterhin im Scheune-Café: Neben verschiedenen klassischen Frühstücksvariationen stehen auch eine orientalische und eine indische Variante auf der Karte, außerdem gibt es einige warme Eierspeisen in originellem Gewand. Genug Abwechslung bei der ersten Mahlzeit des Tages sollte also auch weiterhin gegeben sein, und Preise von unter 10€ sind auch nicht wirklich ein Grund zum kollektiven Morgenmuffeln. Allein: Auch das Frühstück kommt ganz im Sinne des neuen Konzepts ohne Wurst und Schinken aus. Das einzige Tier weit und breit ist Kater Hektor, der schon seit Jahren zum Inventar gehört (und auch weiterhin sein gewohntes Futter fressen darf). 

 

Eine deutliche Handschrift

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Käspätzle: Das kultig-traditionelle Gericht gibt‘s in der Neustadt da, wo das Herz der Szene schlägt
Hat man sich mit der vegetarischen Ausrichtung einem neuen Trend gebeugt? „Da ich selbst schon seit 22 Jahren Vegetarier bin, kann man das nun wirklich nicht sagen“, lacht Rayko. „Neelu, unser zweiter Geschäftsführer lebt schon immer vegetarisch, und Adam, der Dritte im Bunde, liebäugelt immerhin gelegentlich mit dieser Ernährungsform. Insofern ist das eigentlich nur konsequent, denn es ist schwierig einer Karte eine eigene Handschrift zu verleihen, wenn man einen Großteil der angebotenen Speisen ob ihres Fleischgehaltes selber gar nicht essen kann.“ Und diese Handschrift ist nunmehr deutlich zu erkennen. Ob in der Hauptkarte, im Monatsangebot oder beim wöchentlich wechselnden Mittagstisch: Durchweg finden sich originell komponierte Gerichte mit frischen, regionalen Zutaten, die schon beim Lesen den Gaumen vorfreudig hüpfen lassen. 

 

 

Noch ist jeder satt geworden

Positiv: Fleischersatzprodukte oder auf veggi getrimmte Gerichte sucht man hier vergebens. „Alles, was auf unserer Karte steht, war schon immer vegetarisch, ein Schnitzel aus etwas anderem zu machen als aus Schnitzel ist ja auch irgendwie Quatsch“, konstatiert Rayko und schiebt gleich noch den Hinweis hinterher, dass natürlich auch weiterhin indische Gerichte im Angebot sind: „Das hat ja schließlich Tradition.“ Dass sich trotzdem mal ein fleischeslustiger Gast über die pflanzenbasierte Kost empört, bleibt natürlich trotzdem nicht aus, wie er grinsend verrät: „Ab und zu stolpern hier mal Reisegruppen hinein und vor allem den Männern fällt dann schon mal die Kinnlade runter, wenn ihnen allmählich klar wird, dass es sie in ein vegetarisches Restaurant verschlagen hat. Die Frauen finden das meistens wahnsinnig witzig und amüsieren sich prächtig. Am Ende steht dann aber doch die Erkenntnis, dass das tatsächlich auch gut schmecken kann und man nicht anschließend noch beim Dönermann gegenüber einkehren muss, um satt zu werden.“ Das kann ich, nach einem großen Teller hausgemachter Käsespätzle, nur bestätigen. Und weil diese wirklich ausgesprochen munden, habe ich dann auch sogleich noch dem Küchenchef für euch das Rezept aus dem Kreuz geleiert. Viel Spaß beim Nachkochen!

 

Käsespätzle mit Maronen (für 2 Personen)

 

Ihr braucht:

4 Eier

50 ml Mineralwasser

300 g doppelgriffiges Mehl

2 Zwiebeln

1 handvoll Maronen

100g geriebenen Bergkäse

100g geriebener Emmentaler 

 

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Ihr macht:

Eier, Mineralwasser und Mehl mit etwas Salz, Pfeffer und Muskat zu einem glatten Teig schlagen, bis er Blasen wirft. Ja, wirklich: schlagen! Am besten von Hand mit dem Holzlöffel. Rühren führt hier in eine Sackgasse! Den Teig in kochendes Wasser schaben (oder eine Spätzlepresse bemühen), wenn die Spätzle an der Oberfläche schwimmen (dauert nur wenige Minuten) mit dem Schaumlöffel herausnehmen und etwas abkühlen lassen. In der Zwischenzeit die Zwiebeln schälen und in Würfel schneiden, kurz mehlieren und in Butter ausbacken. Spätzle und eine Handvoll vorgegarte, in grobe Stücke geschnittene Maronen dazu und kurz durchschwenken. Geriebenen Bergkäse und Emmentaler unterheben, mit frisch gehackter Petersilie bestreuen und schmecken lassen!

 

 



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Kommentare
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    • malaeby geschrieben am

      Super lecker! Als wir vor kurzem dort waren, war mir überhaupt nicht aufgefallen, dass es nur Vegetarisches gibt. Ich wurde erst durch euren Artikel darauf aufmerksam. Wenn ich auf der Speisekarte "Indisch" sehe, dann muss ich das auch gleich haben! Da vermisse ich kein Fleisch! Mjamm.

      Vanakkam!

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