Der Scheunevorplatz

Die Wiederbelebung des Scheunevorplatzes

Schluss mit dem Schmuddelimage

13.07.2017
Autor: Kaddi Cutz

Was lange währt, soll nun endlich gut werden. Eine halbe Ewigkeit hat es gedauert, bis die Stadt und der Scheune e.V. sich einigen konnten, was die Bespielung des Scheunevorplatzes angeht, der seit dem Umbau ein bisschen zum ungeliebten Kind der Neustädter avanciert ist. Nun soll die Betonwüste wieder zur Oase werden. 

 Die Wiederbelebung des Scheunevorplatzes
Der neue, schick herausgeputzte Scheunevorplatz

Gerade im Sommer präsentiert sich der sanierte Scheunevorplatz ein Stück weit ungastlich. Die Sonne ballert unerbittlich und ein schattiges Plätzchen sucht man hier vergeblich. Vorbei die Zeiten, als man eigentlich schnell nach Hause wollte, zufällig mehrere Bekannte auf dem Mäuerchen vor der Scheune sitzend vorfand und dann doch noch schnell außerplanmäßig das eine oder andere Open-Air-Feierabendbierchen inhaliert hat.

 

Das soll nun wieder anders werden. Verantwortlich für die Neubelebung des Platzes ist Olaf Hornuf, der als DJ und Initiator der Fat Kat Disko zur Neustadt gehört wie die Eiorschegge zum Bliemchengaffee. Und der hat schon einige Ideen, was sich auf dem Platz in naher Zukunft so abspielen könnte: „Im Grunde geht ja alles, was ein bisschen Leben in die Sache bringt: Anwohnerfrühstück, Flohmarkt, Klamottentauschbörse, Kochaktionen, vielleicht auch mal ein kleines akustisches Konzert.

Gerade tagsüber ist da vieles möglich, in den Abendstunden müssen wir natürlich auch ein bisschen drauf schauen, dass das auch für die Anwohner noch super ist. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, hier einfach drei Tischtennisplatten hinzustellen, bisschen Musik dazu – wobei ich damit immer Musik meine, die Energie rausnimmt – und dann mal einen schönen Tischtennisrundlauf aufzuziehen. Wichtig ist, den Platz, der ja ein öffentlicher ist, wieder positiv zu beleben. Was wir gerade hier haben, ist im Prinzip ja auch ein ganz normales, urbanes Nachtleben, nur leider momentan hochkonzentriert im negativen Sinne.“ Für jegliche Ideen und Vorschläge zur nichtkommerziellen Nutzung ist die Scheune ausdrücklich offen, Hornuf fungiert als Koordinator und hilft bei der Umsetzung. 

 

„Natürlich werden wir eine Ruhestörung früh um drei genauso wenig verhindern können wie einen Drogenhandel, das sind dann einfach auch polizeiliche Aufgaben. Was wir leisten können, ist ein Auge auf den Vorplatz zu haben und nicht weiter aufzufallen, solang es friedlich ist. In dem Moment, wo wir aber merken, dass sich was zusammenbraut, gehen wir hin und sprechen die Leute gezielt an. Wir vertrauen da auch einfach auf die Vernunft.“

In erster Linie gehe es darum, Präsenz zu zeigen und der oft negativen Berichterstattung positive Bilder entgegen zu setzen, die vor allem mit dem Schlagwort „Kriminalität“ in diesem Zusammenhang nicht gerade geizig hantiert. „Unlängst titelte ein lokales Blatt mit ‚Er bekämpft die Kriminalität‘ – das ist natürlich völlig utopisch, ich bin ja schon froh, dass ich kein Superman-Kostüm anziehen musste. Darum geht es ja gar nicht, sondern um viele kleine Aktionen und Ideen, die hier wieder buntes Leben einziehen lassen. Es ist auch überhaupt nicht unser Anliegen, hier Leute im Schwitzkasten vom Platz zu zerren, im Gegenteil: Hier ist jeder willkommen, der nicht aggressiv anderen auf den Zeiger geht. Wir wollen den Platz vor allem aus dem Fokus derer nehmen, die hoffen, in ihm ihren Gegner zu finden.“ 

 

Artikelbild für Die Wiederbelebung des Scheunevorplatzes
Olaf Hornuf nimmt sich der Neubelebung des Scheunevorplatzes an.

Den Scheunevorplatz wieder zu einem Zentrum der Nachbarschaft zu machen, ist vor allem auch ein Experiment, die Interessen von Anwohnern, Nutzern und ein urban-kulturelles und facettenreiches Angebot unter den sprichwörtlichen Hut zu bekommen – nicht immer eine leichte Aufgabe. „Wir werden vieles ausprobieren und sicher auch mal feststellen müssen, dass dieses oder jenes vielleicht nicht so gut funktioniert hat. Am Ende wird sich dann aber ein Grundbesteck von Aktionen und Möglichkeiten etabliert haben“, gibt sich Hornuf zuversichtlich. 

 

Die neuen Zuständigkeiten regeln auch das Müllproblem, was in der Vergangenheit auf allen Seiten für Unmut sorgte. Jeden Morgen übergibt die Scheune den Vorplatz nun besenrein an die Anwohner zurück. Gegenfinanziert wird das mit den Einnahmen aus den Standgebühren, denn seit der BRN stehen nun endlich auch wieder der Falafel-Wagen und der Gemüsestand mit regionalem frischen Knabberzeug auf dem Platz. Beide haben sich inzwischen zu einer Institution gemausert und tragen schon durch ihre reine Anwesenheit sehr zur Auflockerung des Platzes bei. 

 

In Lenins Kulturpalast wird in Bälde der Neustadtkümmerer einziehen und dort regelmäßig Sprechstunden anbieten. Auch Olaf Hornuf wird gelegentlich dazustoßen und diese zusätzliche Möglichkeit zum Austausch mit den Anwohnern aktiv wahrnehmen. Den nichtrestriktiven Ansatz, spannende Angebote zu installieren und die Leute aktiv mit einzubinden, anstatt einfach ein noch größeres Polizeiaufgebot aufzufahren oder (mal wieder) ein Alkoholverbot nach 22 Uhr auszurufen, findet er viel aussichtsreicher und freut sich über die gute Zusammenarbeit mit der Stadt: „Der Ortsamtschef Herr Barth ist da wirklich sehr engagiert und auch unorthodoxeren Problemlösungsversuchen gegenüber sehr aufgeschlossen.“ 



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