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Der Verlag Voland & Quist

Literaturleben zwischen Himmel und Hölle

27.11.2016
Autor: Kaddi Cutz

Seit nunmehr zwölf Jahren mischt der Verlag Voland & Quist in der Dresdner Literaturszene kräftig mit und ist aus ihr auch nicht mehr wegzudenken. urbanite hat daher mal etwas näher hingeschaut.

 Der Verlag Voland & Quist

Voland & Quist wurde im Oktober 2004 von Sebastian Wolter und Leif Greinus gegründet – und direkt mit ihrer ersten Veröffentlichung im gleichen Monat landeten sie einen Knaller: Die Kurzgeschichten-Anthologie „Die Surfpoeten“ ging postwendend durch die Decke des literarischen Undergrounds. Die Idee für den ungewöhnlichen Namen „Voland & Quist“ kam den beiden schon während des Studiums des Buchhandels und der Verlagswirtschaft in Leipzig. Voland, der mephistophelische Teufel aus Michail Bulgakows „Meister und Margarita“ steht hier dem friedensstiftenden Quinten Quist aus Harry Mulischs „Die Entdeckung des Himmels“ gegenüber. Vielernorts wird gemunkelt, dass sich die Wesenszüge der Verleger in Voland & Quist widerspiegeln – mehr als Indizien liegen für diese These aber nicht vor. 
 

Fast immer live, fast immer hörbar

Der Verlag hat sich auf die Fahne geschrieben, vor allem zeitgenössische, urbane Literatur zu veröffentlichen – besonderes Augenmerk liegt hier auf der Liveliteratur, die für die (Lese-)Bühne und den Vortrag verfasst wurde. Den meisten Büchern liegt eine CD bei. Voland & Quist setzt als erster Verlag in Deutschland auf die Kombination dieser beiden Medien und macht so die Vorlese-Skills der Autoren für alle erlebbar. Unter den Autoren finden sich vor allem prominente Vertreter der Lesebühnenliteratur und Spoken-Word-Lyrik wie Julius Fischer, Micha Ebeling, Volker Strübing und Kirsten Fuchs, aber auch Romane und Erzählungen junger osteuropäischer Autoren. Seit 2010 werden auch Kinderbücher verlegt, wie auch das ganz und gar fabelhafte Werk „Die Dörte und der Unkönig“ des Dresdner Autors, DJs und Comiczeichners Max Rademann. Die Bücher sind authentisch, stecken voller Witz und sind nicht selten auch für eine Überraschung gut.
 
Schon als legendär gilt der Prozess gegen den Verlagsriesen Droemer Knaur, der 2014 bundesweit für Aufsehen sorgte: Im Mittelpunkt stand der Kurzgeschichten-Band „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ von Julius Fischer. Droemer fand den satirischen Titel gar nicht witzig, sah seine Rechte verletzt und klagte – und Voland & Quist bekam nicht nur die volle Unterstützung der befreundeten Literaturszene zu spüren, die über Crowdfunding die nicht unerheblichen Prozesskosten in Rekordzeiten aufbrachte, sondern im August 2014 auch in zweiter Instanz Recht vom Düsseldorfer Oberlandesgericht: Der Titel ist durch die Kunstfreiheit abgedeckt. Und weil der Verlag offenbar auch sonst Vieles richtig macht, gab es auch schon den einen oder anderen Preis abzustauben, wie etwa den der „Hanna Johannes Arras Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur in Dresden“ 2007 oder 2010 den Kurt-Wolff-Förderpreis. 
 


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