Büchers Best Dresden

Ein Tag mit Buchhändler Jörg Stübing

Die letzte lebende Quastenflosse

26.11.2015
Autor: urbanite 

Büchers Best Dresden
Buchhändler Jörg Stübing mit Ladenkater Myamoto Musashi
Bevor Jörg Stübing im Buchhandel landete, studierte er Philosophie. Hier erfahrt ihr was die Arbeit bei Büchers Best für ihn so besonders macht.

 


11 Uhr: Das Büchers Best, vor wenigen Wochen ausgezeichnet als eine der 107 besten deutschen Buchhandlungen, macht gerade auf. Chef Jörg Stübing, weithin nur als Stü bekannt, lässt noch auf sich warten. Die Frankfurter Buchmesse ruft und es gibt noch viel zu tun. Ich werde vorerst von Christian Haase, Azubi seit dem 1. August, betüdelt. In ihn hat Stü sein Preisgeld investiert. Ausstaffiert mit einem Kaffee mache ich es mir in einer Ecke gemütlich und bekomme fast augenblicklich Besuch. Myamoto Musashi, seines Zeichens Ladenkater und mit einem erhöhten Kuschelbedürfnis ausgestattet, springt auf meinen Schoß und ist für die nächste Dreiviertelstunde buchstäblich Wachs in meinen Händen. Auch von Stüs Auftauchen zeigt er sich wenig beeindruckt. 

 

Büchers Best: Es gibt immer was zu tun

 

Büchers Best
Lädt zum schmökern ein: der Ausstellungsraum von Büchers Best
Der Buchhändler ist sofort voll da, gerade hat er mehrere Kilo Kinderbücher in einer benachbarten KiTa abgegeben. Viel Zeit zum Reden bleibt nicht. Ein bekannter Dresdner Fotograf schaut herein und verkündet, Stüs letzte Buchempfehlung sei ein Knaller gewesen, leider verspüre er seither den unbändigen Wunsch, sich einen Habicht anzuschaffen. Seine Begeisterung ist ansteckend. Kurz lasse ich mich ins Bild setzen, nach nur wenigen Sätzen bin ich überzeugt und habe „H wie Habicht“ bestellt. „Das wird meine absolute Empfehlung für Weihnachten“, verrät Stü und widmet sich sogleich dem klingelnden Telefon. Das steht nicht still. Beratung, Bestellung, Termine mit Verlagsvertretern. 

 

Was gefällt entscheiden nicht nur die Verkaufszahlen 

 

Aber nicht nur auf diesem Weg entscheidet er, welche Werke den Weg in seine Regale finden: „Einiges läuft über die Verlagsvertreter, manchmal rufen kleine Verlage an und schlagen was vor

– wenn ich denke, das könnte laufen, dann versuche ich das mal. Und viel passiert einfach auch

über Bestellungen von Kunden und deren Feedback“. Tatsächlich gibt es hier eine Auswahl von

Büchers Best
Kundenmagnet: Ladenkater Myamoto Musashi
fast allem, aber immer mit persönlicher Handschrift. Große Namen finden sich ebenso wie

ausnahmsweise mal sehr originelle Geschenkbüchlein, die am Ende einen gefalteten 3-D-Esel

offenbaren, oder ein Regal, das ausschließlich Veröffentlichungen des Dresdner Verlages

Voland&Quist beheimatet. 

 

Kein Bücher-Aussterben in Sicht

 

Im Buchladen geht es unterdessen zu wie im Taubenschlag. Lustig, wenn man gerade von Stü erfahren hat, wie Branchenkundige sämtlicher Bereiche ihm vor drei Jahren ein düsteres Ende für sein Geschäft prophezeiten: „Damals hieß es, das e-Book werde dem gedruckten Buch den Garaus machen und ich werde als die letzte lebende Quastenflosse enden.“, erzählt er mit unverhohlenem Amüsement. „Ich hab das schon da nicht geglaubt. Die Leute haben viel zu viel Angst vor Überwachung und das Haptische ist auch nicht zu vernachlässigen“.

 

E-Book oder doch lieber das gute alte Buch?

 

Büchers Best Dresden
Hier lässt sich`s entspannt lesen
Stü selbst hat bis heute keinen e-Book-Reader, elektronische Bücher hat er erst fünf verkauft. Kein Wunder. Wer hier her kommt, der will stöbern, schwelgen und die Buchseiten rascheln hören. „Wir sind eine Art Wattenmeer“, erzählt der Buchhändler, der eigentlich studierter
Philosoph
und nur zufällig im Buchhandel gelandet ist, „hier schwappt eine Vielfalt von

Menschen hinein, die sich sonst wohl im Alltag nie begegnen würden. Und wundersamerweise

verstehen die sich alle, irgendwie“. Irgendwie seltsam, aber logisch: Die Liebe zu Büchern

überwindet Grenzen. Und Büchers Best ist viel persönlicher, kleiner und so viel herzlicher

als sämtliche Filialen großer Buchhandelsketten. 

 

Das Fazit

 

Tatsächlich erinnert mein Tag in Dresdens wohl schönstem Buchladen fast an eine Bildershow in Slow Motion. Mutter und Kind blättern munter in einem überdimensionalen Bilderbuch. Zwei gebildet wirkende Herren älteren Semesters, der eine in englischem Tweed nebst gut sitzenden Knickerbockern gekleidet, der andere beanzugt und mit purpurnem Einstecktuch im grauen Jackett sitzen bei einem Espresso in der Nische am Fenster und fachsimpeln über Literatur. „Ha!“, ruft der eine und schwenkt amüsierten Blickes ein Buch in meine Richtung. „Gutes Leben im Alter“ heißt es. „Wenn man jetzt wüsste, ob das stimmt, was da drin steht“, sagt er, und feixt in seine Tasse. Ein Stammkunde betet eine lange Liste von Buchempfehlungen herunter, Stü kommentiert diese als für ihn ideal oder eben Zeitverschwendung. Der Kunde folgt dem Urteil des Fachmanns. Ein Lausitzer Autor nutzt die Zeit vor Beginn seiner Lesebühne „Die Silbernen Reiter“, um sich aufzuwärmen und ein bisschen zu stöbern. Bald ist Feierabend im Büchers Best – Zeit für Stü, nach Hause zu sprinten. Pünktlich zur Gutenachtgeschichte für seine beiden Töchter.     

 

 

AKTUELLE TOP TEN „Büchers Best“

 

> Neil MacGregor: Deutschland. Erinnerungen einer Nation

> Jerome Ferrari: Das Prinzip.

> Leif Randt: Planet Magnon

> Richard Flanagan: Der schmale Pfad durchs Hinterland

> Sylvain Tesson: In den Wäldern Sibiriens

> Stefano D‘Arrigo: Horcynus Orca

> Chigozi Obioma: Der dunkle Fluss

> Jaume Cabre: Schweigen des Sammlers

> Carl Tiller: Kennen Sie diesen Mann

> Arturo Perez-Reverte: Das Geheimnis der schwarzen Dame

 

Infos: www.buechersbest.de

 



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