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Die wahre, echte, greifbare Liebe – Dieter Thomas Kuhn im Interview

Das Phänomen der singenden Föhnwelle

22.06.2017

Die singende Föhnwelle Dieter Thomas Kuhn ist ein kaum erklärbares Phänomen. Viele halten seine Version von „Über den Wolken“ – eijeijeijei – für das Original. Stets mit einem ironischen Augenzwinkern covert er seit einem Vierteljahrhundert überaus erfolgreich Schlager der 60er bis 80er Jahre. Stets gut verpackt in quietschebuntem Glitzer-Kitsch, verwandelt er jeden Konzertplatz in ein Schlager-Woodstock. 

 Die wahre, echte, greifbare Liebe – Dieter Thomas Kuhn im Interview
Auch nach all den Jahren kann sich Thomas Kuhn den nicht abreißenden Hype seiner Bühnenfigur immer noch nicht erklären.

Wie bist du überhaupt zum Schlager gekommen?

Das hat sich so ergeben. Rückblickend betrachtet war es nicht gerade meine Leidenschaft. Letztendlich sind wir da reingerutscht. Wir hatten eine Band, mit der wir italienische Lieder gesungen haben und kurzum: Unser Frontmann hat zweimal bei uns gesungen, dann hatten wir uns zerstritten und so kam es, dass ich erstmal diese italienischen Lieder übernommen habe. Wir haben dann gemerkt, dass wir ziemlich viele der Songs als deutsche Schlager kennen. So sind wir dann rübergerutscht, haben das probiert und sind da gelandet, wo wir heute noch sind.

 

Was macht man denn, wenn man etwas sehr gut kann und die Leute einen extrem dafür feiern, aber man selbst ist von seinem eigenen Talent zumindest anfangs gar nicht so recht begeistert. Redet man sich das schön?

(lacht) Also in der Anfangszeit haben wir uns natürlich darüber kaputtgelacht, dass wir plötzlich diese Leidenschaft entwickelt haben. Wir haben aber wirklich festgestellt, dass uns das Ganze viel Spaß macht – auch mehr als die Projekte und die Rock-Bands zuvor. Plötzlich hatten wir mega Spaß im Proberaum, haben die ersten Konzerte gespielt und gemerkt, dass wir mit dieser Musik irgendwas bewegen. Und auf die Art und Weise, wie wir das alles machen, ist daraus dann auch eine Leidenschaft geworden.

 

Kannst du dir nach all den Jahren das Phänomen Dieter Thomas Kuhn erklären?

Hm, da gab es schon viele Versuche, auch aus soziologischer Perspektive … Ich persönlich nehme es gern als Geschenk und denk nicht drüber nach, warum es so ist. Aber irgendwas machen wir ja richtig.

 

Ein Konzert von euch ist wie ein zweistündiges Schlager-Woodstock. Ist so eine Gute-Laune-Oase heute besonders wichtig?

Ich weiß nicht so recht. Als wir angefangen haben, war politisch gesehen auch nicht immer alles schön, Stichwort Afghanistan-Krieg … und in der Zwischenzeit haben wir eine politische Situation, die uns alle angeht. Jeder ist betroffen von diesen rassistischen Äußerungen und Angriffen. Also ja, die Lage hat sich schon geändert, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass wir deswegen nötiger sind, als es noch vor 25 Jahren war. Wir waren schon immer nötig, unabhängig von der Politik (lacht).

 

Du bist ja nun auch keine Anfang 20 mehr, generell seid ihr alle in der Band nicht mehr die Jüngsten, wie haltet ihr die Dauerparty auf der Bühne aus?

Das sagst du jetzt (lacht)! Nein, also irgendwie hält Musik einen jung. Also natürlich spüren wir die Strapazen der Reisen und der Konzerte mehr als noch vor zwanzig Jahren, aber wir sind selbst erstaunt, dass wir das noch ganz gut durchziehen, was da passiert.

 

Ihr seid im Auftrag der Liebe unterwegs. Mit welcher Mission?

Tja, um sie zu verbreiten. Wir sind unterwegs, um Liebe zu streuen und ich meine das jetzt im wahrsten Sinne des Wortes und nicht so wie Xavier Naidoo das verpackt in seinen Liedern. Ich meine die wahre, die echte, greifbare Liebe! (lacht)

 

 

Stichwort Liebe verbreiten: Obwohl es vor allem ein Trend der 90er Jahre war, werden euch bis heute BHs, Slips und Plüschtiere auf die Bühne geworfen. Was macht ihr nach dem Konzert damit?

Die schönsten Exemplare nehmen wir mit. Die werden gesammelt. Und neulich hab ich unseren Lagerraum ausgemistet und wirklich festgestellt, dass wir aus ganz frühen Zeiten noch tonnenweise BHs und String-Tangas in diversen Kisten haben. Es gab eine Zeit, da haben wir einen Vorhang daraus gebastelt. Das Museum in Tübingen hat den jetzt, falls es ihn da noch gibt. Aber man könnte sicherlich aus diesen vielen Sachen einen neuen Vorhang basteln (lacht).

 

Anfang der 2000er Jahre habt ihr zwischenzeitlich als Dieter Thomas Kuhn & Band aufgehört und euch in der Popschiene ausprobiert. Das kam weniger gut an. Fühlt ihr euch eigentlich manchmal musikalisch unterfordert und von den Fans unterschätzt, wenn es immer nur das Schlager covern sein soll?

Nein, das ist völlig okay. Zum einen ist es auch gar nicht so einfach, wie alle denken. Wir haben schon so manche Musiker dazu geholt, die gedacht haben, sie können mal kurz mitspielen – das ist ein Trugschluss. Da steckt wirklich mehr dahinter. Und außerdem haben wir natürlich auch unsere eigene Note und spielen die Songs, wie wir wollen. Da kommt keine Langeweile auf. Ganz im Gegenteil: Als wir die eigene Geschichte gemacht haben, haben wir feststellen müssen, dass wir im Live-Betrieb überhaupt keinen Spaß mehr hatten.

Wir hatten vorher so viele schöne Jahre, daran hab ich mich erinnert und gesagt, das ist eigentlich, was wir gern gemacht haben und was wir dann vielleicht auch wieder machen sollten.

 

Anfang der 2000er habt ihr kurzzeitig als Dieter Thomas Kuhn & Band aufgehört und euch mit Eigenkompositionen in der Popschiene ausprobiert. Das kam weniger gut an. Fühlt ihr euch manchmal unterfordert und von den Fans unterschätzt, wenn es immer nur das Schlager-Covern sein soll?

Nein, das ist völlig okay. Zum einen ist es auch gar nicht so einfach, wie alle denken. Wir haben schon so manche Musiker dazugeholt, die gedacht haben, sie können mal kurz mitspielen – das ist ein Trugschluss. Da steckt wirklich mehr dahinter. Und außerdem haben wir natürlich auch unsere eigene Note und spielen die Songs, wie wir wollen. Da kommt keine Langeweile auf. Ganz im Gegenteil: Als wir die eigene Geschichte gemacht haben, haben wir feststellen müssen, dass wir im Live-Betrieb überhaupt keinen Spaß mehr hatten. Wir hatten vorher so viele schöne Jahre, daran hab ich mich erinnert und gesagt, das ist eigentlich, was wir gern gemacht haben und was wir dann vielleicht auch wieder machen sollten.

 

Reizen euch eigentlich auch aktuelle Schlagertitel zu einer Coverversion?

Ich weiß, an was du vermutlich denkst (lacht). Aber ich glaube, „Atemlos“ will keiner mehr hören. Es gibt aus der alten Zeit immer noch ein paar Titel, die uns reizen und die wir immer wieder ausprobieren. Aber an so neuzeitliche Sachen gehen wir eher nicht ran. 

Die jetzige Schlagerszene ist einfach nicht unsere Welt. Das ist Schlager, der für die richtigen, ganz bestimmten Freunde davon produziert ist. Es gibt einen ganz bestimmten Sound und ganz bestimmte Abläufe in diesen Liedern, die mich Nullkommanull interessieren. Diese Schlagerwelt tangiert uns überhaupt nicht und wird eigentlich auch überhaupt nicht von uns wahrgenommen. Ich meine, um Helene Fischer kommt man nicht drumherum. Das wird einem ja quasi aufs Auge gedrückt, aber letztendlich interessiert es mich nicht die Bohne.

 

Und selber mal einen Schlager schreiben?

Oh Gott. Also bevor ich so einen schlechten Schlager schreibe, wie es die Neuzeit hervorbringt, lass ich’s lieber und spiel die Alten (lacht).

 

Wie sehr bist du denn jetzt eigentlich schon mit deiner Bühnenfigur denn schon verschmolzen?

Nach so langer Zeit ist das natürlich schwierig. Am Anfang hab ich das immer etwas trennen wollen. Aber es ist auch schon lustig, denn für die Menschen – egal ob ich auf der Bühne stehe oder mich im Alltag in der Stadt bewege – bin ich der Dieter. Da ist es auch egal, ob ich auch die Föhnwelle hab oder nicht. Das hat sich schon sehr verwoben und so hat sich mein Leben in den letzten Jahren auch gestaltet. Mein Alltag dreht sich auch um die Bühnenfigur.

 

Wärst du manchmal gern etwas mehr nur der Thomas?

Ach nö. Es ist alles gut so, wie es ist. 

 

Ende Juni seid ihr auch bei den Filmnächten. Verbindest du irgendwas mit Dresden?

Unser allererster Besuch ist ja schon ein paar Jahre her, damals lagen auch noch die Steine der Frauenkirche nach Zahlen geordnet herum. Auch die Stadt an sich hat mich damals sehr erstaunt. Aber vor allem weiß ich, dass es uns immer wirklich großen Spaß gemacht hat, in Dresden zu spielen!

 

+++ Nicht verpassen: Am 30. Juni 2017 spielen Dieter Thomas Kuhn & Band ihr Konzert bei den Filmnächten am Elbufer. Karten gibt's für 36€ +++



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