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Made in Dresden: Handgemachter Cachaca

Wie der Cachaca nach Dresden kam

18.12.2017

Jan Stübners und Roman Wieles Geschäftsidee begann buchstäblich als – und deswegen sei der wenig überragende Wortwitz an dieser Stelle gestattet – Schnapsidee. Mit ihrem Start-up importieren sie handgemachten Cachaça aus Brasilien und veredeln ihn nahe der sächsischen Landeshauptstadt. Wieso, weshalb, warum, lest ihr hier.

 

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Die Gründer von Passarinho: Roman und Jan
Eines Abends trafen sich der ausstudierte Entwicklungsökonom Jan Stübner und der Betriebswirtschaftler Roman Wiele, um Pläne für die berufliche Zukunft zu schmieden. „Wir kennen uns seit dem Abitur und wollten gern ein eigenes Projekt angehen, uns selbstständig machen. Allerdings fehlte die konkrete Idee“, berichtet Jan Stübner. Ein kreativer Abend am Tresen sollte das Jungunternehmertum vorantreiben. Damit die kleinen grauen Zellen besonders produktiv ans Werk gehen konnten, hatte Jan einen Cachaça aus seiner Zeit in Brasilien dabei. Und obwohl die Spirituose lediglich als Katalysator gedacht war, wurde sie schnell zum Zentrum der Ideenfabrik. „Im Nachhinein betrachtet ist es schon etwas kurios, dass das, was uns auf eine gute Geschäftsidee bringen sollte, letztlich die beste Idee war“, lacht Jan.

 

Das Küken schlüpft

 

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Romantik in der Flasche: Kokos küsst Passarinho
Die Begeisterung für diesen speziellen Hochprozentigen begann 2014, als der damalige VWL-Student Jan während seines Auslandsemesters in Brasilien Daniel kennenlernte. Dieser besaß eine Farm im Norden des Landes, auf der er unter anderem einen hauseigenen Cachaça destillierte. Die landestypische Spirituose wird aus Rohrzuckersaft gewonnen, mit welcher die Maische angesetzt, zur Fermentation gebracht und anschließend schrittweise destilliert wird. „Das traditionelle Verfahren ist aufwendig und benötigt Zeit, dafür bleibt aber ein spürbarer Geschmack erhalten“, erklärt Jan. Hierzulande wird Cachaça vor allem in Form des Caipirinha getrunken, vermischt mit Limetten, Eis und Rohrzucker, ergibt sich so ein beliebtes Sommergetränk. „Ohne das viele Eis und die Unmengen Zucker sind die Cachaça, die von der Industrie angeboten werden, kaum zu genießen. Eigentlich brennen sie nur, einen richtigen Geschmack gibt es nicht.“ Also beschlossen Jan und Roman, mithilfe ihres brasilianischen Freundes etwas Genuss ins Cachaça-arme Deutschland zu bringen. Auch der passende Name war schnell gefunden: Passarinho – Vögelchen.

Doch nicht nur geschmacklich wollen Roman und Jan mit  „Passarinho – Der Dresdner Cachaça“ den Unterschied machen, auch nachhaltige und ökologische Rohstoffgewinnung ist ihnen wichtig: „Im Gegensatz zu Großproduzenten, die die Zuckerrohrfelder hektarweise abbrennen, das Zuckerrohr aufsammeln, weiterziehen und das nächste Stück Land roden, erledigt Daniel die Arbeit von Hand, nur mit einer Machete ausgestattet. Es ist wirklich beeindruckend und wirkt sich auch viel positiver auf die Umwelt aus.“ Auch auf Chemiekeulen oder Pestizide wird beim Anbau verzichtet. „Daniel betreibt auf seiner Farm eine wirklich nachhaltige Landwirtschaft, deren Produkte obendrein noch Bio sind“, so Jan. „Wir mussten den Cachaça einfach nach Dresden holen.“ Aber warum aufwendig und schwierig importieren, wenn man den Cachaça doch auch ganz einfach in Sachsen brennen könnte? So einfach sei das nicht, erklärt Jan. Für Cachaça gelten hierbei ganz ähnliche Grenzen wie beispielsweise bei Champagner. Die Region ist entscheidend. Dementsprechend darf nur jener Rohrzuckerschnaps ein Cachaça-Namensetikett tragen, wenn er auch in Brasilien gebrannt wurde.

 Made in Dresden: Handgemachter Cachaca
Lagerung in Dresden

Der lange Weg über den großen Teich

 

Handgemachter Cachaca
Ein ganz besonderer Herstellungsweg
So wurden im letzten Jahr 2.000 Liter Cachaça von Brasilien aus verschifft, reisten einmal quer über den Atlantik und kamen schließlich nach Sachsen. Ganz so einfach, wie es sich hier liest, war es dann aber nicht. So manches böhmische Dorf baute sich vor den beiden Dresdnern auf: Zertifizierungen, Import- und Zollbestimmungen, internationales Steuerrecht – die Liste der Ausrufe- und Achtungszeichen ist lang. Ihre Zuversicht ließen sie sich dennoch nicht nehmen: „Es war und ist wahnsinnig viel Arbeit, aber wir haben uns da ganz gut durchgefuchst und eine gewaltige Menge dazugelernt“, lacht Jan. Endlich in Pesterwitz, dem Wohnort von Jan und Roman angekommen, durfte der Passarinho für mehrere Monate in kleinen, original Jequitiba-Holzfässern seine finalen Aromen entwickeln, bevor er in die ersten 800 Flaschen abgefüllt wurde. „Die Lagerung im Holzfass macht unse-ren Cachaça milder als gängige Produkte und hebt die besonderen Noten von Birne und Zimt hervor“, so Jan. Damit Veredelung und Abfüllung bestmöglich gelingen, lassen sich die beiden von einem erfahrenen Brennmeister der Meissener Spezialitätenbrennerei unter die Arme greifen.

 

Gesund wachsen und fair entwickeln

 

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Jan und Roman wollen auch die Menschen in Brasilien unterstützen
Um auch die Menschen in Brasilien zu unterstützen, streben Jan und Roman eine langfristige und aktive Entwicklungszusammenarbeit in der Anbauregion an. Dazu soll pro verkaufter Flasche Passarinho ein Festbetrag Projekten vor Ort zu Gute kommen. Die Planungen dazu laufen. „Nach dem "Trinken für Nachhaltigkeit" -Prinzip möchten wir die Menschen vor Ort nicht nur fair entlohnen, sondern auch echte Perspektiven schaffen“, so Jan. Nach dem ersten Geschäftsjahr führen verschiedene Bars in der Dresdner Neustadt und auch schon einige Einzelhändler das brasilianische Vögelchen in ihrem Sortiment. Und auch für den Trophäenschrank konnten schon die ersten Errungenschaften erbeutet werden: Erst vor wenigen Monaten hat Dresdens erster Bio-Cachaça im fernen Osten beim größten Spirituosen-Preis Asiens, dem „China Wine & amp; Spirits Award“ die Goldmedaille nach Hause geholt. „Die ersten Schritte sind gemacht, aber die Leute hatten zu lange Kontakt mit schlechter Massenware“, sagt Jan und ergänzt lachend: „Da müssen wir jetzt ganz viel Missionarsarbeit leisten.“



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