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Dresdner Schmalfilmtage

Schmal aber Oho!

17.01.2017
Die Dresdner Schmalfilmtage frönen einem Filmformat, das vor wenigen Jahrzehnten noch eine standardisierte Aufnahmetechnik darstellte und heute fast vergessen ist. Das Festival bietet aber nicht nur ausgewählte Filme, sondern auch Workshops und einen Wettbewerb, bei dem die besten Schmalfilmer ausgezeichnet werden.  
 Dresdner Schmalfilmtage
Trotz des beschränkten Filmformats können talentierte Regisseure einzigartige Werke schaffen.
  
Doppel-8, Super 8 vielleicht auch 9,5-mm oder 16-mm? Nein, wir sind gerade nicht im Baumarkt unterwegs und suchen nach passenden Schrauben. Die Rede ist von Filmformaten, und das gängigste Format vor der Digitalisierung waren 35-mm breite analoge Filmstreifen.
 
Für Hobbyfilmer und semiprofessionelle Regisseure waren die dazugehörigen Kameras und Aufnahmematerialien äußerst kostspielig. Als Alternative entwickelten sich die genannten Formate mit kleineren Abmessungen, die zwar ein qualitativ schlechteres Bild aufwiesen, jedoch wesentlich erschwinglicher waren. Gerade Dokumentationen nutzten die, im Vergleich mit den bulligen Kinogeräten, kleineren Kameras. Die Bedeutung dieser besonderen Filmtechnik ist heute vielen unbekannt und so gerieten Super-8 Kameras in Vergessenheit. Viele berühmte Regisseure drehten ihre ersten Gehversuche im Bewegtbildbereich auf Schmalfilm, wie beispielsweise Steven Spielberg (E.T.) oder Christoper Nolan (The Dark Knight). Die Schmalfilmszene ist aber nicht tot, sondern hat durch ihren spezifischen Look eine ganz eigene Anziehungskraft. „Obwohl die Produktionsbedingungen schwierig sind, experimentieren nach wie vor viele Filmstudenten und Filmstudentinnen mit diesem Material. Filmemacher, die heute noch auf Super-8 drehen, werden als Paradiesvögel oder Dilettanten belächelt. Vernachlässigt wird dabei oft die ureigene Ästhetik des Schmalfilms, die auf Grund der markt- und mainstreamfernen Produktionsbedingungen abseits der allgemeinen Entwicklung zur filmästhetischen Normierung liegt“, fasst Mitorganisator Valentin Steinhäuser die Faszination von Schmalfilmen zusammen.
 
Die Dresdner Schmalfilmtage hatten ihre Premiere 1997 und sind seitdem kontinuierlich gewachsen. In diesem Jahr finden sie vom 19. Januar bis zum 21. Januar 2017 statt. Anfangs noch mit dem Ziel die ost- und westdeutsche Amateur- und Avantgardefilmszene zu vereinen, haben sie sich zu einer universellen Veranstaltung rund um Schmalfilme entwickelt.
 
Das Programm umfasst mittlerweile Filmvorführungen, Retroperspektiven, Workshops, ein Trashfilmprogramm und viele weitere Veranstaltungen, die den kleinen Film feiern. Jeder Besucher ist auch stimmberichtigt für den Wettbewerb und darf für seinen Lieblingsstreifen abstimmen, den Filmschaffende im voraus einsenden durften – natürlich im richtigen Format. Die Schmalfilmtage befinden sich im 18. Jahr und wollen zeigen, was erwachsen macht, wie man sich emanzipiert und Verantwortung übernimmt. Diese Thematik um Volljährigkeit bildet den groben Rahmen der diesjährigen Ausgabe. So hat sich das Festival zu einem Anlaufpunkt für alle Filmbegeisterten entwickelt, die auch an Bewegtbildern abseits der Norm Spaß haben: „Jedesmal kommen wieder mehr und neue Besucher, die die Atmosphäre des Festivals großartig finden. Und natürlich zeigen wir den Menschen, das die analoge Filmproduktion und –projektion ihren eigenen Reiz hat. Es geht am Ende um die künstlerischen Aspekte des Filmemachens.“      


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