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Ein Besuch bei der Initiative Cooking Action

„Essen muss jeder“

21.02.2017

Getreu dem Motto „Essen muss jeder“ organisiert die Dresdner Initiative Cooking Action kostenlose Mahlzeiten für alle. Wer will, kann mit anpacken, nur abwaschen muss jeder selbst. urbanite war für euch vor Ort.

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Neue Mitstreiter sind gern gesehen und herzlich eingeladen mal vorbeizukommen.

Es ist laut und voll in den Räumen der Dresdner Tafel e.V. Menschen mit vollen Tüten bahnen sich ihren Weg von der Lebensmittelausgabe nach draußen, viele sitzen noch zusammen und unterhalten sich. Kinder wuseln herum. Draußen vor dem Fenster dampft und brodelt es aus riesigen Töpfen: Die Dresdner Initiative Cooking Action hat wie an jedem Sonntag ihre mobile Küche aufgebaut. Lebensmittel, Messer und Schneidebretter werden gestellt – helfen kann, wer mag.

 

Töpfe Marke Eigenbau

 

Neuankömmlinge erhalten zur Begrüßung erst mal eine heiße Tasse Schwarztee mit Zimt und Kardamon. Der große Samowar mit dem aufgesprühten Logo der Initiative steht bei jeder Koch-Aktion bereit. „Unser Traditionsgetränk“, erklärt Josephine. Die 22-jährige ist seit einigen Monaten bei Cooking Action aktiv. Ihr gefiel die Idee, Menschen zusammenzubringen und gleichzeitig Essen zu „retten“. „Die Tafel stellt uns das Gemüse zur Verfügung, das beispielsweise in Supermärkten übrig geblieben ist. Wir kaufen noch Linsen, Öl und anderes in Bioqualität dazu. Mit den Zutaten wird dann gemeinsam gekocht“, erläutert sie das Konzept von Cooking Action.

Gemeinsam, und vor allem viel! Die riesigen Kochtöpfe Marke Eigenbau verraten, dass sich die Macher von Cooking Action nicht mit halben Portionen zufrieden geben. Hier werden garantiert alle satt.

 

Begrüßung in vier Sprachen

 

Heute gibt es Salat, Gemüsecurry mit Reis und Pfannkuchen, alles vegan und größtenteils bio. „Wir kochen immer vegan, damit alle mitessen können, egal mit welchem religiösen oder kulturellen Hintergrund sie zu uns kommen“, betont Josephine. Gemeinsam mit Freiwilligen aus allen Bevölkerungsschichten hat sie am Vormittag bereits stundenlang kiloweise Gemüse geschnippelt – bei eventuellen Verständigungsschwierigkeiten übersetzt Mauwiyah aus Syrien.

 

Bevor es mit dem Essen losgehen kann, begrüßt Josephine gemeinsam mit drei Mitstreitern die Gäste. Auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Farsi erklären sie die Regeln: Das Essen ist für alle kostenlos. Wer mag und kann, spendet so viel wie er oder sie möchte. Abwaschen muss allerdings jeder selbst in der dafür eigens aufgebauten Waschstraße. Innerhalb kürzester Zeit sind alle Stühle und Bänke besetzt, es schmeckt offensichtlich.

 

Für eine offene und tolerante Gesellschaft

 

Cooking Action ist ein Ableger der Dresdner Koch-Initiative „Black Wok“ und gründete sich 2015. Rund 20 Aktive treffen sich in unterschiedlicher Besetzung einmal pro Woche zum „Plenum“ und  besprechen in großer Runde die anstehenden Aktivitäten. Die Koch-Aktionen finden an unterschiedlichen Orten statt, so sorgte die Initiative beispielsweise bei der Aktion „Weihnachten für alle“ auf dem Schlossplatz Ende Dezember 2016 für das leibliche Wohl der Demonstranten.

 

So viel Engagement für eine offene und tolerante Zivilgesellschaft blieb nicht lange unbemerkt. Heute sind direkt zwei Kamerateams unterwegs, sammeln Statements und filmen die Essensausgabe. Cooking Action gewann jüngst bei einem Wettbewerb der Dresdner Initiative „Stories of Change“ die Produktion eines professionellen Videoportraits nebst Vorführung in Dresdner Kinos. 

 

Essen muss schließlich jeder

 

Die Dresdner Tafel unterstützt die Organisation, so hat Cooking Action einen eigenen Platz im tafeleigenen Lager, bekommt regelmäßig überschüssiges Gemüse und darf in den Räumlichkeiten an der Zwickauer Straße Essen ausgeben – allein heute sind es 150 Mahlzeiten.

 

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„Wir bekommen auch sonst viel Unterstützung und werden oft zu Veranstaltungen eingeladen, beispielsweise haben wir vor einigen Tagen mit der Initiative „Marsch für Aleppo“ im Zentralwerk an der Riesaer Straße gekocht“, erzählt Luise (21). Sie ist für ihr Psychologiestudium nach Dresden gezogen und will „etwas Konstruktives zur offenen Dresdner Gesellschaft beitragen“. Kochen bringe die Menschen zusammen, erklären die Aktiven unisono, da spielten Kulturunterschiede und Sprachbarrieren keine Rolle. Essen müsse schließlich jeder, unterstreicht Aishe, eine weitere angehende Psychologin. 

 

Rechtsanwalt & Asylbewerber an einem Tisch

 

Ziel ist es, Menschen, die sonst nicht an einem Tisch sitzen würden, zusammenzubringen. Das klappt zumindest heute wunderbar. An den langen Tischen in den Räumlichkeiten der Tafel sitzen Bashar und Amin neben Norman und Andreas. Die Namensschilder, die alle tragen, verraten es: Hier treffen sich Dresdner, Zugezogene und Geflüchtete, oder, wie es Josephine zusammenfasst: „Hier sitzt der Rechtsanwalt neben dem Asylbewerber.“

 

Die Action geht weiter

 

 

Wie geht es mit Cooking Action weiter? Der große Erfolg bringe auch viel Arbeit mit sich, berichten die Organisatoren. Anfragen kämen inzwischen beinahe täglich und sie selbst kaum noch zum eigentlichen Kochen, sondern seien hauptsächlich mit der Koordination der freiwilligen Helfer beschäftigt. Mitstreiter sind daher herzlich willkommen. 

 

Geplant sind Workshops, um das Konzept der Initiative weiterzutragen und das Netzwerk zu vergrößern. Außerdem soll zukünftig das Equipment kostenlos verliehen werden „an alle, die miteinander kochen möchten, überall dort, wo Menschen beisammen sind“. Cooking Action versteht sich aber ausdrücklich nicht als Catering-Service, da sind sich alle einig – „außer vielleicht, wenn einer von uns heiratet“.

 

+++ Neugierig? +++

 

Ihr wollt euch beteiligen oder einfach nur mal vorbeischauen? Die Initiative trifft sich jeden Dienstag um 19 Uhr in den Räumen des AZ Conni in der Rudolf-Leonhard-Straße 39.



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