Ein Touri-Tag in deiner Stadt - Ein Erlebnisbericht einer Zugezogenen

Ein Touri-Tag in deiner Stadt

Ein Erlebnisbericht einer Zugezogenen

28.07.2016

Vielleicht betrifft es nicht die Ur-Dresdner unter euch, doch der ein oder andere Zugezogene kennt es sicher: Man wohnt seit ein paar Jahren in der Stadt, hat sich eingelebt und wenn Besuch da ist die ein oder andere Sehenswürdigkeit, wie Semperoper, Zwinger und Blaues Wunder abgehakt. Man glaubt die wichtigsten Dinge gesehen zu haben. Natürlich habt ihr euch die Frauenkirche auch mal von innen angeschaut, doch wart ihr jemals auf der Kuppel? Ich auch nicht. Das Grüne Gewölbe sagt euch was, doch drinnen ward ihr noch nicht…? Dito. Schade, dass diese schöne Stadt und ihr breites Kultur-Angebot in unserem Alltag unter geht. Dabei hat Dresden so viel zu bieten und mal ehrlich, manche Dinge sollte man doch einfach mal gesehen haben, oder?

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Ausblick von der Plattform.

Aus diesem Grund hab ich für einen Tag einen auf Touri gemacht und die Dresdner Highlights besucht, die man auch als Einwohner auf jeden Fall mal gesehen haben sollte. Mein Touri-Tag beginnt zunächst mit einem leckeren Frühstück im rauschenbach deli in der Weißen Gasse. Natürlich hätte ich auch zu Hause frühstücken können, doch heute hab ich Urlaub und man gönnt sich ja sonst nichts.

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Leckerer Start in den Tag.

Eselsweg zur Kuppel

Gestärkt mache ich mich auf den Weg zur Frauenkirche. Montag bis Samstag gelangt man ab 10 Uhr auf die 67 Meter hohe Kuppel des Wahrzeichens, sonntags ab 12:30 Uhr. So starte ich kurz nach 10 Uhr am Eingang G meinen Kuppelaufstieg. Der Kostenpunk liegt bei 8€ für Erwachsene, ermäßigt für 5€ und Familien können für 20€ nach oben. Dazu gibts noch einen Flyer mit der Rundumsicht von der Aussichtsplattform aus.

Ich fahre zunächst ein Stück mit dem Fahrstuhl nach oben, bevor ich den so genannten “Eselsweg” mit 14 Prozent Steigung erklimme. Die “Steinerne Glocke”, wie das Dach der Frauenkirche auf Grund seiner Form auch bezeichnet wird, besteht aus einer äußeren und einer inneren Kuppel, zwischen denen sich der Aufgang befindet. Beinahe wie im Bundestag. Im Gegensatz zum Rest der Kirche wurden für die Kuppel übrigens keine alten Steine verwendet. Bevor ich die kleine Wendeltreppe zur Plattform nehme, umrunde ich die Kuppel insgesamt zweieinhalb Mal. Oben angekommen werde ich mit einem grandiosen Ausblick über die gesamte Stadt belohnt. Der Himmel ist klar und so kann ich sogar bis zu den Tafelbergen in der Sächsischen Schweiz schauen. Solange der Rathausturm gesperrt bleibt, ist die Frauenkirche im Moment der höchste Ausblickspunkt in der Stadt. 

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Bekannte Ansicht.
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Auf dem Eselsweg zur Kuppel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prunk und Brand

Noch immer fasziniert von dem tollen Rundumblick mache ich mich im Anschluss auf den Weg zum Residenzschloss. Alle Welt redet von diesem Historischen Grünen Gewölbe, der Schatzkammer von August dem Starken (1670-1733). Das muss ich mir nun auch endlich mal anschauen. Für 12€ gibt es nur das Gewölbe, für 21€ das Kombitiket mit dem gesamten Residenzschloss (Neues und Historisches Grünes Gewölbe, Türckische Cammer, Rüstkammer im Riesensaal, Münzkabinett, Fürstengalerie, Hausmannsturm, Kupferstichkabinett) zu sehen. Bevor ich das Gewölbe betreten darf, gibt es ein strenges Prozedere: Nichts, aber wirklich nichts darf mit reingenommen werden. Ehe der Herr am Einlass zufrieden ist, laufe ich zwei Mal zum Schließfach und zurück. Wenn ihr keine Hosentaschen habt, seid ihr wie ich aufgeschmissen. Nicht mal mein kleines Täschchen mit Handy und Schließfachschlüssel darf ich mit reinnehmen. Im Vorgewölbe bekomme ich meinen Audioguide, der im Ticketpreis bereits enthalten ist. In das eigentliche Gewölbe wird man schließlich durch zwei Türen regelrecht geschleust. Erst schließt sich die eine Tür hinter mir, bevor sich kurz darauf die vor mir wieder öffnet. Ganz nach dem Motto: Sicher ist sicher, man weiß ja nie. Fotografieren ist hier übrigens nicht gestattet.

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Links geht's zum Historischen Grünen Gewölbe.

Ich durchlaufe alle orginalgetreuen Räum (die im übrigen schon zu Zeiten August des Starken 1724 öffentlich waren), angefangen beim Bernsteinzimmer mit dem “Gold der Ostsee”. Weiter geht es über das Elfenbein- und Weißsilberzimmer, zum Silbervergoldeten Zimmer voller Spiegel, die den glitzernden Reichtum noch einmal hundertfach zurückwerfen, hin zum ersten Höhepunkt: Dem Pretiosensaal. Ich bewundere die Schätze aus Gold, Silber, Perlmutt und Glas. Straußeneier, Kokosnüsse, ja selbst Nashornhörner stehen hier in goldenen Fassungen als Trinkgefäße. Im Wappenzimmer können sich meine Augen von dem ganzen Gefunkel und Geglänze kurz entspannen, bevor es ins Juwelenzimmer dem Highlight des Rundgangs geht. Der Juwelenschatz galt damals als der Größte des Kontinents und ist in seinem Bestand bis heute einzigartig. Dass Juwelen- wie auch Wappenzimmer nach 1945 komplett zerstört und ausgebrannt waren, ist für den Laien nicht mehr erkennbar. In den beiden letzten Räumen werde ich wieder langsam in die Gegenwart zurückgeholt. Der Raum der Renaissance Bronzen ist gewollt modern gehalten. Am Ende des Rundgangs angekommen, werde ich wie zu Beginn wieder nach draußen geschleust. Ich frage mich, wie man das am Wochenende ohne Stau regelt. 

 

Schön, schöner, Semperoper

Nach anderthalb Stunden Historischem Grünen Gewölbe geht es weiter zur Semperoper-Führung. Selbst wenn Opernmusik nichts für euch ist, solltet ihr in jedem Fall mal einen Blick ins Innere des weltweit bekannten Theaters werfen. Auch wenn ich bereits zweimal in der Oper war, bekomme ich wieder große Augen, als ich das Gebäude erneut betrete. Ich muss schon sagen, dass ich selten etwas so Schönes gesehen habe.

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Die Deckenbemahlung erinnert an ein italienische Palazzo.
Die Führungen finden meist ab 10 Uhr, manchmal auch schon eher, im Viertelstunden-Takt statt. Die knappe Stunde Kulturgeschichte und Freude für die Netzhaut lohnt sich und kostet euch, solltet ihr keine Vorstellung besuchen, 10€ bzw. 6€ ermäßigt. Familien zahlen 25€.  So erfährt man immer noch mal etwas mehr, als beim normalen Opernbesuch, z.B. warum der 70-jährige Maler, der das Rundfoyer im Eingang mit einer Holzstruktur bemalte, immer drei Flaschen Bier zur Arbeit mitbrachte oder welche Plätze die Teuersten sind. Auf der Empore im Zuschauerraum endet die Führung und ich bin schlauer als zuvor. Sofern ihr die Schönheit der Semperoper bei der Führung einfangen wollt, müsst ihr eine Fotolizenz für 3€ erwerben.
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"WOW" raunt es durch den Zuschauerraum.

 

Noch eine Kirche

Nun mache ich einen kurzen Abstecher in die ehemalige katholische Hofkirche, welche imposant direkt gegenüber der Oper in den Himmel ragt. Ich muss zugeben, dass ich das Gebäude natürlich immer wahrgenommen habe, jedoch nie genau wusste, dass es sich hierbei um die bekannte Trinitas Kirche handelt. Überraschend hell und relativ schlicht, fast modern schaut sie von Innen aus. Der Eintritt ist frei.

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Imposant direkt gegenüber der Oper und trotzdem geht das Innere schnell unter
Ich setze mich kurz und lausche der Orgelmusik, die im Hintergrund ertönt. Jeden Mittwoch und Samstag bekommen die Gäste ein paar Lieder zu hören. Im hinteren Teil der Kirche befindet sich eine Kapelle, die ursprünglich dem böhmischen Heiligen Johann Nepumuk geweiht war, seit 1976 jedoch dem Gedächtnis der Opfer des 13. Februar 1945 dient. Darin befindet sich das beeindruckende Mahnmal der Schmerzensmutter Maria des Dresdner Bildhauers Friedrich Press

 

Geschichte erleben

Hatte ich erwähnt, dass ich mir einen besonders heißen Tag für meinen Touri-Tag ausgesucht habe? In der Hoffnung auf Abkühlung geht es zur Festung. Nach kurzem Suchen finde ich den Eingang neben dem Albertinum, welches sich jeder Dresdner und Besucher auch auf jeden Fall mal anschauen sollte. Am Festungseingang geht es ein paar Stufen nach unten und schon fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Es ist kühl, nicht überlaufen und es riecht ein bisschen moderig. Ein Audioguide leitet mich nun eine knappe Stunde durch die 14 Stationen der Festung.

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Rundgang auf historischem Boden in der Festung Dresden
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Die Wachen waren selbst auf dem Abort wachsam

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebevoll eingesprochen, mit passenden Hintergrundgeräuschen und kleinen Dialogen zwischen den Infos, erzählt mir der Guide die Geschichte der alten Festung und der Menschen, die damals hier lebten. So laufe ich durch die uralten Gänge und stelle mir vor, wie es wohl vor über 500 Jahren hier ausgesehen haben muss. Ein Stück Kultur und Geschichte der Stadt, dass besonders Kindern sehr gefallen dürfte und für nur 5€ (ermäßigt nur 2,50€) durchaus erschwinglich ist. Leider sind, auch drei Jahren nach dem letzten Hochwasser, noch immer Teile der Anlage nicht zugänglich - schade. Auf Nachfrage erfahre ich, dass man generell an einem neuen Konzept für das Museum arbeitet und daher mit der Schadensbehebung abwartet. Samstags finden übrigens ausschließlich Führungen von Mitgliedern des Verein Bruehlsche Terrasse e.V. statt.

 

Milch für Dresden und die Welt

Bis jetzt ließ sich alles gut in der Innenstadt erlaufen, meine letzte Etappe liegt jedoch in der Neustadt. Mit dem Fahrrad bin ich flexibel unterwegs, doch natürlich bringen euch auch die Öffentlichen schnell von A nach B. Es ist bereits 16:45 Uhr und mache ich mich auf den Weg zu Pfunds Molkerei, dem schönsten Milchladen der Welt. Auf der anderen Elbseite gelegen, möchte man meinen hier ist Ruhe vor Touristentrubel. Als ich ankomme herrscht jedoch reges Treiben:  Gerade wurde ein Bus voller Holländer direkt vor dem Laden abgesetzt. Ich drängle mich mit hinein und traue meinen Augen kaum. Als ich das Innere des Ladens erblicke, kann ich sofort nachvollziehen, warum jeder Reiseführer empfiehlt diesen über 100 Jahre alten Laden mal zu betreten. Wände, Decken, ja selbst der Fußboden sind mit farbigen Fließen ausgelegt. Doch nicht irgendwelche Fließen: Ich entdecke bunte Bänder, Blüten, Ranken, spielende Kinder, Tiere, Wappen und noch viel mehr. Alles wurde in leuchtenden Farben von Studenten der Kunstakademie per Hand auf die Fließen gemalt. Bis auf den alten Milchbrunnen ist bis heute alles im Original erhalten, was eigentlich ein kleines Wunder ist. So hat der Laden zwei Weltkriege überlebt und sollte ursprünglich nach der Verstaatlichung in der DDR abgerissen werden. Dies konnte man glücklicherweise verhindern.

 

Nach der Wende kam Pfunds Molkerei in neue Hände und ist seit 1995 wieder für Besucher geöffnet. Paul Pfunds, Erfinder der Kondensmilch, der 1880 mit seiner Familie und lediglich sechs Kühen und Schweinen nach Dresden kam, baute innerhalb kürzester Zeit ein kleines Imperium auf. Verkauft wurde alles von Käse über normale Frischmilch bis hin zu Milchseife und Babynahrung. Ein Glas Frischmilch bekommt man auch heute noch, doch während man sich die Kuh damals sogar aussuchen und beim Melken zusehen konnte, stehen heute keine Kühe mehr hinter einer Glaswand im Innenhof. Die Milch und auch die Buttermilch, die bei den Besuchern noch beliebter ist, wird vom Bauern angeliefert und der Rohmilchkäse kommt von regionalen Höfen. Natürlich probiere ich sowohl die frische Milch als auch die Buttermilch für ein paar Euro. Oberhalb des Ladens gibt es noch ein Café, leider ohne bunte Fließen. Heute kann man neben Käse, Milchgrappa oder der berühmten Milchseife diverse Souvenirs wie Stoffbeutel, Tassen, nachgemachte Fließen und mehr erwerben.

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Verdient der "Schönste Milchladen der Welt" oder?


Gegen 18 Uhr beende ich meinen persönlichen Touri-Tag. Ich bin reichlich erschöpft, da es doch ganz schön viel auf einmal war. Aber im Großen und Ganzen war das Pensum machbar. Wer noch mehr schaffen möchte, sollte in den Museen auf die Audioguides verzichten. Doch dann nehmt ihr vermutlich nur halb so viel mit. Natürlich schlägt die Tour doch etwas auf den Geldbeutel, doch es lohnt sich. Wer sich den Zehner bei der Semperoper-Führung lieber sparen möchte, gönnt sich bei Gelegenheit eine günstige Restkarte. So seht ihr alles, was ihr auch bei der Führung bestaunen könnt und statt Hintergrundinfos gibt’s eine Aufführung.

Generell solltet ihr als Dresdner die Angebote eher unter der Woche nutzen, um Wochenendbesuchern aus dem Weg zu gehen und unnötig volle Ausstellungsräume zu vermeiden. Da es tagsüber nur für ein Brötchen oder ähnliches auf die Hand reicht, empfiehlt es sich den Tag mit eine Essen in einem der zahlreichen kleinen Szenekneipen und Restaurants in der Neustadt ausklingen zu lassen. Natürlich habe ich nach diesem Tag noch immer nicht alles gesehen. Da wäre zunächst das Panometer Dresden mit der aktuellen Ausstellung “Dresden im Barock”, eine Fahrt mit dem Dampfschiffahrt und der Zwinger mit weiteren Ausstellungen der Kunstsammlungen Dresden. Darüber hinaus solltet ihr mit mindestens einer Bergbahn fahren und bei der Gelegenheit einen Spaziergang zwischen den bekannten Elbschlössern machen. Sammelt also schon mal eure Kräfte für einen weiteren Touri-Tag in eurer Stadt.  

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In gemütliche Szene-Kneipen den Abend ausklingen lassen



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