Ein Tag auf dem Sachsenmarkt

Ein Tag auf dem Sachsenmarkt

Lingners Marktwirtschaft

11.05.2016

Jeden Freitag begegnen sie sich auf der Lingnerallee vor dem Hygienemuseum: Gestylte Anzugträger, beigefarben gekleidete Rentner, junge Eltern mit bunten Tragetüchern, Hipster in wadenlangen Ponchos. In der langen Schlange vor dem beliebten Zuckerkuchen-Bäcker kommen sie miteinander ins Gespräch, tauschen Käse-Empfehlungen aus und unterhalten sich über Kindererziehung.

Ein Tag auf dem Sachsenmarkt
Neben Obst und Gemüse werden auf dem Sachsenmarkt auch handgeflochtene Körbe angeboten. So kann man die Einkäufe bequem nach Hause tragen.
Eine faire Chance für regionale Produkte


Der Sachsenmarkt in der Lingnerallee ist eine Institution. Kurz nach der Wende wurde er von der DDR-Bürgerbewegung „Neues Forum“ ins Leben gerufen, um regionalen Produkten eine faire Chance im gesamtdeutschen Markt zu geben. Inzwischen hat sich der Sachsenmarkt, auch Lingnermarkt genannt, mit rund 160 Händlern zum größten Wochenmarkt Sachsens gemausert, erzählt Brigitte Weigel von der Deutschen Marktgilde eG. „Freitagvormittags fällt dort keine Nadel zu Boden, so voll ist es dann.“ Händler kommen aus dem Erzgebirge, der Lausitz und dem Leipziger Umland, um ihre regionalen Spezialitäten – oft in Bio-Qualität – anzubieten. Dabei achtet die federführende Marktgilde besonders auf Abwechslung. Vom Scherenschleifer über den Büffelwurstverkäufer bis hin zum Korbflechter ist alles im Angebot.

 

 

 

 

 

Ein Tag auf dem Sachsenmarkt
Der Osterhase war da: Brigitte Weigel von der Deutschen Marktgilde eG verteilte auch in diesem Jahr die beliebten Mehrweg-Einkaufstaschen.
Im Osterhasenkostüm auf dem Wochenmarkt

 

„Wir organisieren auch Sonderaktionen, beispielsweise zu Ostern und Weihnachten“, berichtet Brigitte Weigel. So stellt sie sich beispielsweise am Gründonnerstag höchstpersönlich im Osterhasenkostüm ans Glücksrad und verteilt die begehrten Einkaufstaschen der Marktgilde. Denn auch auf dem Sachsenmarkt sollen zukünftig Mehrwegtaschen die umweltschädlichen Plastiktüten ersetzen.

Um Taschen geht es auch am großen Stand neben dem Zuckerkuchenbäcker. Der Verkäufer preist lauthals seine Ware an und würzt die Verkaufsgespräche mit kleinen Geschichten über das Liebesleben seiner Oma in Baden-Baden. Mit Erfolg: Die Kundschaft ist begeistert. Akustisch untermalt wird das Markttreiben durch das Akkordeonspiel einer jungen Musikerin, die immer wieder von gut gelaunten Passanten angeflirtet wird.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Tag auf dem Sachsenmarkt
Akkordeonspielerin und Verehrer auf dem Lingnermarkt.

Rollbrot und Dederon-Schürzen

 

Eine ältere Frau genießt im Schatten eines großen Baumes ihr Mittagessen, ein ofenfrisches Rollbrot aus Bio-Sauerteig. Zwischen gestrickten Babysöckchen und Dederon-Schürzen finden sich immer wieder ungewöhnliche kulinarische Angebote wie den beliebten Pferdewurststand, an dem sich stets die Kundschaft drängt. „Ich verbringe auf dem Lingnermarkt oft meine Mittagspausen. Hier finde ich alles, was ich brauche“, erzählt eine gepflegte Businessfrau, die schräg gegenüber arbeitet.

Ein Tag auf dem Sachsenmarkt
Der Name ist Programm: Am Stand der „Himmelsbäckerei“ gibt es himmlisch guten Kuchen.

 

Die besten Kartoffeln weit und breit

 

Ein Tag auf dem Sachsenmarkt
Frau Schiewart vom Obst- und Gemüsehof Domanja verkauft frische Ware. Ein Lächeln gibt es immer gratis dazu.

Ein paar Meter weiter stützen sich zwei ältere Damen auf ihre Rollatoren und fachsimpeln im breitesten Sächsisch über die Qualität der angebotenen Kartoffeln. „Das sind die besten Kartoffeln weit und breit, bessere finden Sie nirgends“, stellt die eine zufrieden fest und lässt sich vom freundlichen Händler die Ware in ihren Korb legen. „Und noch welche von den Tomaten, bitte!“

 

Frau Schiewart vom Obst- und Gemüsehof Domanja verkauft auf dem Sachsenmarkt seit sieben Jahren saure Gurken, Wurst und Käse. „Wir haben mit einem Gartentisch und einem Sonnenschirm angefangen“, lacht sie. Obwohl sie um 3:30 Uhr aufstehen muss, um gemeinsam mit ihrer Kollegin pünktlich zum Marktaufbau in Dresden zu sein, hat sie ausgesprochen gute Laune. „Wir kennen unsere Stammkunden mit Namen und sind eine richtige kleine Familie“, erzählt die Verkäuferin. Ein bisschen Seelsorge gehöre ebenfalls zum Geschäft – und die Kunden revanchieren sich mit Blumen und originellen Mitbringseln wie bestem sizilianischem Olivenöl. 

 

Mit dem Gurkenglas zum Sachsenmarkt

Ein Kunde reicht Frau Schiewart ein leeres Gurkenglas über den Tresen: „Salzgurken bitte, wie immer.“ Frau Schiewart nimmt sich Zeit für jeden Kunden, erläutert die Besonderheiten der Ware, macht Scherze. Die wartende Kundschaft in der Schlange stört das nicht. Wer zum Sachsenmarkt geht, bringt Zeit mit. Dass die Kunden ihre Verpackung selbst mitbringen, sei hier teils gute Tradition, teils Ergebnis ihrer „Erziehungsarbeit“, erzählt Frau Schiewart. Und im Sinne von Frau Weigel und der Marktgilde ist es auch: Wer sein eigenes Gurkenglas mitbringt, braucht keine Plastiktüte.

  

 

Infos: 

Der Sachsenmarkt an der Lingnerallee hat jeden Freitag von 8 – 16:30 Uhr geöffnet. Am 3. Juni 2016 findet von 9:30 – 12:30 Uhr die Aktion „Spargel einmal anders“ in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Restaurant „Daniel“ statt. Auf die Marktbesucher warten viele Highlights rund um den Spargel wie Show-Kochen mit Verkostung, ein Spargel-Wissenstest und ein Gewinnspiel.

 

 Viola Martin-Mönnich

 



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