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Ein Tag im Kulturbüro Dresden

Kulturelle Vereinshilfe für jedermann

16.04.2016

„Im Kulturbüro geht es zu wie auf einem Flughafen“, sagen die Mitarbeiter über ihren Arbeitsplatz. urbanite hat sich im „Terminal“ an der Bautzner Straße 22 umgesehen. Und um beim Bild des Flughafens zu bleiben: Der Service an Bord stimmt schon mal. Geschäftsführerin Franziska Grimm serviert in ihrem Büro Kaffee, die Sitzgarnitur ist auch bequem. Rückenlehnen hochgeklappt und auf geht’s. 


Gegründet wurde das Büro für freie Kultur- und Jugendarbeit e.V., kurz Kulturbüro Dresden, 1993 von den Kulturschaffenden in Dresden als ihr gemeinsamer Dachverband. Die Idee war, unbürokratische und unkomplizierte Unterstützung bei Fragen der Finanzierung, des Projektmanagements oder Fragen rund um die Vereinsarbeit zu geben, erzählt Franziska Grimm. Die 32-jährige gebürtige Dresdnerin hat in
Görlitz Kulturmanagement studiert. In ihre Heimatstadt kehrte sie nach Abschluss des Studiums sehr gern zurück. „Dresden hat kulturell unheimlich viel zu bieten.“ Damit das so bleibt, unterstützen die „Fluglotsen“ des Kulturbüros die rund 40 Mitgliedsvereine, aber auch Gruppen und Einzelpersonen bei der Realisierung ihrer Projekte. 

 

Eine Stadt für Kinder

 

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Der Drehmomente e.V. erhielt 2015 eine DOMINO-Förderung zum Kauf einer mobilen Tanzfläche. Sie soll das Tanzen auf der Straße und somit den offenen Kontakt zu allen Menschen ermöglichen.
Bis ein Tanz-, Musik- oder Kunstprojekt richtig durchstarten kann, ist viel Organisation im Hintergrund angesagt. Das fängt bei elementaren Dingen an: Wie beantragt man eine Genehmigung? Wie und wo stellt man einen Förderantrag? Und wie war das  mit der GEMA? Das Kulturbüro sieht sich in erster Linie als Dienstleister. „Wir sind ein Dachverband und leisten Gremien- und Beratungsarbeit“, umschreibt Grimm den Arbeitsalltag und ergänzt: „Wir wollen Netzwerke knüpfen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten“. Um auch eigene Ideen umsetzen zu können, wurde die Tochterfirma „Projektschmiede“ gegründet. In den Sommerferien entsteht beispielsweise die sich selbstverwaltende Kinderstadt „KITRAZZA“ und im Rahmen des SIEDLER-Projekts können Kinder und Jugendliche Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen. Besonders stolz ist Franziska Grimm auf ein vom Kulturbüro gefördertes Projekt der Alevitischen Jugend Dresden: Die Jugendlichen haben sich den Abbau von Vorurteilen auf die Fahnen geschrieben und ein eigenes Filmprojekt initiiert. Inzwischen betreiben sie in Eigenregie einen Kulturtreff in der Neustadt. 

 

Maximale Eigenverantwortung 

 

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Bei der Vergabeveranstaltung in der Johannstadthalle stellt die Jugendjury vor, welche Projekte gefördert werden und begründet ihre Entscheidung vor dem jungen Publikum.
Das Kulturbüro funktioniert als Schnittstelle zur Lokalpolitik, ist im Jugendhilfeausschuss und dem Kulturbeirat der Stadt vertreten. Es erhält eine Fördersumme aus dem Jugendinitiativ-Fonds des Jugendamtes und vergibt dieses jährlich an Jugendinitiativen und -projekte. Welche Vorhaben endgültig unterstützt werden, entscheiden aber nicht die Mitarbeiter, sondern die Jugendlichen selbst. Hierfür wurde 2001 das Projekt „DOMINO - Jugend gestaltet“ ins Leben gerufen. Alle Dresdner zwischen 14 und 26 Jahren sind einmal im Jahr aufgefordert, ihre Projektideen beim Kulturbüro einzureichen und auf einer eigenen Projektmesse zu präsentieren. Eine Jugendjury entscheidet, welches Vorhaben in welcher Höhe gefördert wird. Die diesjährige Vergabeveranstaltung findet am 11. Juni in der Johannstadthalle statt. Unterstützung kommt auch ganz unbürokratisch direkt aus der Dresdner Politik: der ehemalige Sozialbürgermeister Martin Seidel unterstützt DOMINO und stiftet traditionell einen der drei Publikumspreise, die an ausgewählte Projekte gehen.

 

Feministisches Wohnzimmer und Schmetterlinge

 

„Die Jugendlichen nehmen die Sache sehr ernst“, berichtet Danilo Ziemen. Er arbeitet seit Juni 2015 als Koordinator und Jugendberater im Kulturbüro. Als langjähriger Trainer der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung kennt er die Vereins- und Kulturszene gut. Das Engagement der Jugendlichen beeindruckt ihn dennoch: „Die entwickelte Kreativität ist wirklich faszinierend: Vom feministischen Café mit kompletter Wohnzimmereinrichtung bis hin zur Schmetterlingswiese sieht man bei den Projektmessen alles!“ Zu den 2015 von DOMINO geförderten Projekten gehören beispielsweise die „Mobile Tanzfläche“ des gemeinnützigen Vereins Drehmomente e.V. und das Flüchtlingschorprojekt „Singasylum“.

 

Frag den Profi

 

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Beim alljährlich stattfindenden Schwatzmarkt stehen die Mitarbeiter des Kulturbüros Rede und Antwort
Ein Ende ist nicht in Sicht. Ohne sich auf Erfolgen wie DOMINO auszuruhen, bleibt das Kulturbüro weiter aktiv. Um das kulturelle Netzwerk beständig weiter auszubauen und zu stärken, werden seit März 2016 in regelmäßigen Abständen Beratungssalons angeboten, in denen Profis zu den unterschiedlichsten Themen befragt werden können. Dabei ist es egal, ob Vereinsrecht, Buchhaltung oder Haftungsfragen – zu jedem Themenfeld kann man miteinander ins Gespräch kommen. Im September, zur Woche des Bürgerschaftlichen Engagements, öffnet der „Flughafen“ in der Bautzner Straße dann seine Terminals für den „Schwatzmarkt“. Spezielle Expertenrunden finden in jedem Raum der Bürogemeinschaft statt – damit die Dresdner Kreativen und Ehrenamtlichen auch weiterhin mit ihren erträumten und geplanten Projekten sicher abheben und landen können.

Viola Martin-Mönnich



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