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Ein Tag mit der Zirkuspädagogin Maya Koch

Der Clown darf eben alles

27.10.2016

Marlen Maya Koch, von allen aber nur Maya genannt, macht beruflich, wovon so mancher sicher heimlich träumt: Während Du und ich um 9 Uhr das Büro betreten, erwachsene Gespräche führen und uns vorwiegend mit Gleichaltrigen umgeben, darf Maya das Kind in ihr hegen, pflegen und natürlich auch ausleben. Sie ist Zirkuspädagogin.

 

 

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Die ehemalige Feuerartistin arbeitet seit 2009 als Zirkuspädagogin. Seither engagiert sich Maya auch im Springkraut e.V. Der Dresdner Verein setzt sich – wie könnte es anders sein – für die Förderung von Zirkuskultur in und um die Landeshauptstadt ein. In Zusammenarbeit mit dem Verein Sport & Jugend Dresden können sich Kinder und Jugendliche ab drei Jahren Woche für Woche in verschiedenen Zirkuskursen austoben und verwirklichen.

“Der Kinderzirkus macht Spaß und ist für alle da”, erklärt Maya, die nicht umhin kommt zu lächeln, sobald sie über ihre Arbeit spricht. Manchmal sei ihr Job auch wirklich anstrengend, meint sie, aber der Spaß, den er mit sich bringt, entschädige für alles.

 

Als wir uns treffen, hat sie schon einen halben Arbeitstag hinter sich: Zweimal die Woche ist sie im Rahmen des vom Springkraut e.V., dem Sport & Jugend Verein Dresden und dem DRK Sachsen initiierten Projekts As-Salam Aleikum in der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Hamburger Straße zu Besuch und bringt mit ihren Kollegen Spiel, Spaß, Tanz und natürlich den Zirkus in den Alltag der dort lebenden Kinder. Am Nachmittag ist dann der Kinderzirkus der Drei- bis Achtjährigen in der Dresdner Neustadt. Die Turnhalle ist funktional, aber bereits in die Jahre gekommen. Modernere Räumlichkeiten seien schwer zu finden, bedauert Maya.

 

Kunst und Können 

 

“Im Zirkus arbeiten die Kinder mit spannenden Requisiten, die ihnen im Alltag nicht begegnen”, erklärt Maya. “Durch den Zirkus entwickeln sie ein ganzheitliches Körpergefühl.” Er vereint Körperkunst, Bühne und Sport miteinander. Darstellendes Spiel gehört ebenso dazu, wie Grundlagentraining in puncto Bodenturnen und Beweglichkeit. Ist die Basis erst einmal geschaffen, können die ästhetischen Geschütze aufgefahren werden: Drahtseil, Jonglieren, Swinglieren, Kugellauf, Vertikaltuchakrobatik, Trapez und so weiter.

 

Aber auch die Förderung sozialer Kompetenzen kommt nicht zu kurz. “Die Kinder entwickeln ein Gespür für die Gemeinschaft, alles passiert in einem Gruppenprozess. Sie lernen einerseits wie wichtig das Miteinander ist, denn gerade die Akrobatik funktioniert nur durch halten und gehalten werden. Aber sie lernen auch sehr viel über sich selbst und das sie gut sind, so wie sie sind. Im Zirkus wird jedes Vermögen ausgebaut und das Unvermögen einfach getragen.” 

 

Die Pädagogik hinter dem Zirkus findet sich schon in den Details. Bereits nach vermeintlich einfachen Übungen wie Rad schlagen oder einen Purzelbaum machen, fordert Maya ihre Schützlinge immer wieder zu einem stolzen Blick und einer bühnenreifen Verbeugung auf. Die Botschaft: Seid selbstbewusst!

 

Kleine Leute ganz groß

 

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Kinderzirkus bedeutet für die kleinen Künstler vor allem halten und gehalten werden.
Regelmäßig gibt es auch eine Zirkusvorführung vor Publikum. So wie zum Turmfest, dem 50. Geburtstag der Technischen Sammlungen

“Jede Aufführung ist ein Wachstumsmoment für die Kinder. Davor sind sie total aufgeregt, manche regelrecht eingeschüchtert. Aber wenn sie von der Bühne kommen, sind alle einen halben Kopf größer. Es ist toll, dass wir dabei zusehen dürfen, wie die Kinder – auch schon während des Trainings – ihre eigenen Grenzen überwinden.”

 

Bei den Aufführungen werden alle möglichen Facetten des Zirkus‘ gezeigt. Durch die Verknüpfung von darstellendem Spiel, Akrobatik und Artistik wird die Vorstellung mehr als eine Präsentation loser Einzelstücke. Das Programm erzählt vielmehr eine Geschichte, die Maya im Vorfeld stets gemeinsam mit den Kindern entwirft und ausgestaltet.

 

Der Clown und die Klischees

 

Eine besondere Rolle im darstellenden Spiel hat dabei die Clownerie. Denn ein Clown macht einfach, was andere vielleicht nicht können. “Es ist okay, wenn ein Clown Klischees bedient und sie dann wiederum einfach bricht und negiert. Er darf alles”, erklärt Maya. So entdecken die kleinen Künstler, dass es immer eine Lösung gibt. Diese kann statt Otto-Normallösung durchaus unorthodox oder sehr fantasievoll sein. Tatsächlich gelang es den Kindern so auch schon zwischenmenschliche Probleme, innerhalb ihrer Gruppe ganz selbstständig und kreativ zu lösen. Schon ziemlich erwachsen.



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