Dresdner Tafel Teaser

Ein Tag mit: Dresdner Tafel e.V.

Wie ein „normaler" Supermarkt

10.01.2016

Die Dresdner Tafel hat dieses Jahr bereits ihren 20. Geburtstag gefeiert. Seit 1995 füllt sie in der Landeshauptstadt die Bäuche derer, die es sich selbst nicht leisten können. Jetzt geht die Organisation neue Wege und hat im August 2015 ihr Ladensystem umgekrempelt. Wir wollten mehr über das Konzept erfahren und begleiteten die Mitarbeiterin Elke Semeniuk einen Tag lang bei ihrer Arbeit am Standort der Tafel an der Zwickauer Straße. 

 

Dresdner Tafel 1
Elke Semeniuk
Der Arbeitstag von Elke Semeniuk (65) beginnt montags, mittwochs und donnerstags um 9:30 Uhr. Denn an diesen drei Tagen arbeitet sie nebenbei ehrenamtlich für die Dresdner Tafel. Als Teamleiterin ist sie für drei von insgesamt zehn Ausgabestellen verantwortlich. Ganze 19 Jahre ist sie schon dabei. Davor war sie selbstständige Gastwirtin. Als sie arbeitslos wurde, erfuhr sie durch eine ehemalige Kollegin von der Dresdner Tafel und war sofort begeistert. Während die ersten Vorbereitungen im Laden laufen, kontrolliert sie mit ihren Kollegen, welche Waren vorhanden sind. Danach werden Molkereiprodukte, Brötchen oder Kuchen ordentlich und hygienisch „vertütet“. Gut sortiert landet das Essen anschließend im Laden. Auf die Frage, was sie an dem Job besonders mag, antwortet sie: „Nach meiner langen Arbeitslosigkeit habe ich hier meinen Platz im Leben gefunden. Ich komme mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt und das gefällt mir sehr gut“. Da sie und ihre Kollegen bei der Dresdner Tafel kein Geld bekommen, hat Semeniuk nebenbei in der medizinischen Fußpflege angefangen.

 

Ein runder Geburtstag von dem alle proftieren

 

Dresdner Tafel 2
Brot und Brötchen sortiert und abgepackt
Letztes Jahr feierte die Dresdner Tafel ihren 20. Geburtstag. Mit Beginn des Jubiläums wurde im August ein neues Ladensystem eingeführt. Davor bekamen die Kunden an vier unterschiedlichen Stationen eine bestimmte Menge vorher festgelegter Waren ausgehändigt. Das neue System hingegen ermöglicht es jedem, wie in einem ganz normalen Supermarkt, von Regal zu Regal zu laufen und die gewünschte Ware selbst zu nehmen. Das findet auch Semeniuk klasse: „Endlich können die Menschen nach ihrem Geldbeutel und vor allem nach ihren Bedürfnissen einkaufen. Die Kunden kommen sich nicht mehr wie Bettler vor und nicht jeder isst das gleiche oder verträgt alles“. Von veganen und vegetarischen Lebensmitteln, Wurst, Käse, Molkereiprodukten, Obst, Gemüse bis hin zu Haushaltsartikeln und Kleidung bietet der Laden auf der Zwickauer Straße alles, was man zum Leben braucht. Die meist über dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehende, aber qualitativ einwandfreie Ware wird dort nach einem Einzelbeträge-System verkauft. So sind zum Beispiel fünf Äpfel, eine Wurstpackung oder vier Joghurt eine Einheit zu 20 Cent, wobei knappe Ware wie Kohl drei Einheiten kostet, also 60 Cent.

 

Viel Andrang bedeutet auch viel Dankbarkeit

 

Dresdner Tafel 3
Frisches Obst und Gemüse
Das Publikum ist gemischt: Von jungen bis alten Dresdnern, Müttern, Ehepaaren und Studenten ist alles dabei. Pro Schicht kommen 70 bis 90 Kunden täglich, wobei bei Ladenöffnung der meiste Andrang herrscht. Damit das Gedrängel nicht Überhand nimmt, werden montags und donnerstags Nummern an die Kundschaft ausgegeben. Bei der Frage nach besonderen Erlebnissen während ihrer Tätigkeit bei der Dresdner Tafel muss Semeniuk lächeln. „Für mich ist es sehr außergewöhnlich, wenn ältere Leute kommen, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben und jetzt nur ihre Mindestrente zur Verfügung haben. Trotz allem freuen sie sich über die ganzen Sachen, die wir hier anbieten und sind wahnsinnig dankbar. Das wir solchen und auch anderen Leuten helfen können, ist doch das Wichtigste an unserer Arbeit“.

 

Soziale Kompetenz als Lebensaufgabe

 

Dresdner Tafel 4
Auch Kleidung gibt es bei der Dresdner Tafel
Vor und im Laden trifft man auf Menschen vieler verschiedener Nationen. Die derzeitige Flüchtlingssituation ist für die Teamleiterin jedoch kein großes Thema – zumindest nicht im negativen Sinne. „Bis jetzt hatten wir noch keinerlei Schwierigkeiten mit Asylbewerbern. Die lernen ja auch deutsch und nachdem wir ihnen alles erklärt haben, funktioniert es prima“. Ca. 17 Uhr schließt der Laden auf der Zwickauer Straße. Sobald der letzte Kunde gegangen ist, macht sich die Belegschaft ans Aufräumen. Das dauert in der Regel bis 18 Uhr, dann ist Feierabend. Bestimmte Pläne für die Zukunft hat Frau Semeniuk nicht, aber: „Ich möchte so lange bei der Dresdner Tafel arbeiten, wie ich es gesundheitlich kann“, sagt sie und strahlt dabei. Wer wie sie auch mal mit anpacken und die Tafel unterstützen will, ist herzlich dazu eingeladen. Der Verein organisiert zudem verschiedene Veranstaltungen und Feste. Alle Infos findet ihr auf ihrer Internetseite.

 

Infos: dresdner-tafel.de

 



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