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Ein Tag mit: Marmeladen-Mädchen

„Erdbeere geht immer!“

13.07.2016

In einem kleinen Ladenlokal an der Löbtauer Wernerstraße sitzt ein ganz besonderes Familienunternehmen – die Dresdner „Marmeladenmädchen“. In Handarbeit stellen sie dutzende Brotaufstriche, Liköre oder Gebäck her. Und natürlich Marmelade. Rund 250 verschiedene Sorten stehen zur Auswahl. urbanite hat sich für euch umgeschaut und natürlich probiert.    

         

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Rund 250 Sorten gibts zu entdecken

Wie das duftet! In dem gemütlichen Mini-Laden in Dresden-Löbtau stapeln sich die Gläser bis unter die Decke. Marmeladen, Chutneys, Präsentkörbe – dicht an dicht gepackte Leckereien, wohin man schaut. Der unwiderstehliche Duft nach frischer, warmer Marmelade strömt direkt aus der Küche, in die man vom Verkaufsraum aus durch eine Glasscheibe schauen kann. Das ist das Reich der Marmeladenmädchen. Die Eheleute Uta und Andy Weiß, beide 31, und Schwiegermutter Gerlinde Weschefelder haben sich 2014 selbstständig gemacht und führen den kleinen Familienbetrieb mit Herz und Verstand.

 

Pflaumenmus aus dem Ofen

 

Die Arbeitsteilung ist dabei klar: Uta Weiß ist fürs Marmeladenkochen zuständig – nach Omas Rezepten und dem ein oder anderen Geheimnis aus alten DDR-Kochbüchern. „Das Pflaumenmus kommt bei uns traditionell aus dem Backofen und die Kunden freuen sich, wenn sie die Rezepte aus ihrer Kindheit wiedererkennen“, verrät die Marmeladenköchin.  Ihre Schwiegermutter steht im Laden und Ehemann Andy verkauft die Leckereien auf den Wochenmärkten der Region. Immer freitags findet man ihn mit seinem Stand auf dem Sachsenmarkt. „Wir haben mit einem Campingtisch angefangen und sofort viel Erfolg mit unseren Produkten gehabt“, erzählt Andy Weiß.

 

Löbtauer Likör beim Schneeberger Lichtelfest

 

Die Stammkunden kommen entweder zu den Märkten oder direkt in den Laden, bringen die leeren Marmeladengläser gegen Pfand zurück oder suchen sich eine neue Sorte aus. Inzwischen haben die Marmeladenmädchen auch Großabnehmer: Dresdner Geschenke-  und Spezialitätenläden haben die Produkte im Angebot, aber auch in Berliner Hotels und im Souvenirshop des Bad Muskauer Pückler-Parks findet man die Aufstriche und Chutneys. „Unser Bergpfirsich-Likör wird regelmäßig beim Schneeberger Lichtelfest im Erzgebirge verkostet“, erzählt der gebürtige Erzgebirgler Andy Weiß, der der Liebe wegen nach Dresden zog. „Seitdem ich meinem Vater eine Flasche mitgegeben habe, wollen sie dort nichts anderes mehr.“

 

Zutaten aus Dresdner Gärten

 

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Die „Marmeladenmädchen“ in ihrem Laden. V.l.n.r: Uta Weiß, Andy Weiß und Gerlinde Weschefelder
Von Mai bis September verlassen rund 6.000 Gläser die kleine Marmeladenküche in Löbtau – gefüllt mit allem, was die Fruchtsaison hergibt. Während des Weihnachtsgeschäfts ist es noch einmal so viel; zusätzlich erweitert Familie Weiß das Angebot noch um Weihnachtsgebäck und spezielle Gewürzmarmeladen. Bei der Auswahl der Zutaten achten die Marmeladenköche streng auf Qualität. Billigprodukte kommen ihnen nichts ins Glas, die heimischen Früchte stammen entweder aus den umliegenden Kleingärten und Wochenmärkten oder von den eigenen Obstbäumen und Beerensträuchern. „Die Kunden bringen uns auch regelmäßig Gemüse und Obst vorbei“, lacht Uta Weiß. „Die wissen, dass wir etwas damit anfangen können und geben uns auch Tipps und Rezepte.“ Als Dankeschön erhalten sie dann ein Glas Marmelade aus ihren eigenen Früchten. 

 

„Erdbeere geht immer“

 

Neue Rezepte werden in kleinen Chargen ausprobiert und dann auf den Wochenmärkten an den Kunden „getestet“. So viel Unternehmergeist kommt an: Ungewöhnliche Marmeladensorten wie Himbeere-Apfel mit weißer Schokolade und Whisky-Pflaume sind beliebt, auch die Sorte Kirsch-Espresso hat ihre Liebhaber. „Erdbeere geht immer“, stellt Uta Weiß fest. „Aber wir überzeugen auch Nicht-Marmeladenesser. Die probieren unsere Produkte auf dem Markt, testen sich durchs ganze Sortiment und kommen dann immer wieder!“ 

 

„Die Kunden sollen es sich leisten können“

 

Die Kunden der Marmeladenmädchen kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, vom Studenten über Familien bis zum Rentner sind alle dabei. Familie Weiß achtet darauf, dass die Produkte für alle bezahlbar bleiben. „Die Kunden sollen es sich leisten können“, betont Uta Weiß. „Wir produzieren viel und frisch und haben noch nie etwas weggeschmissen.“ Ein 200-Gramm-Glas Marmelade kostet im Durchschnitt 2,50 Euro, Spezialsorten wie Mango oder Kaktusfeige sind etwas teuer. Die frischen Früchte enthalten von Natur aus viel Fruchtzucker. Ein Glas handgemachte Marmelade enthält daher maximal 24g Zucker pro 100 Gramm Marmelade – Supermarktprodukte sind deutlich zuckerhaltiger. Gut für die Zähne, ideal für Diabetiker.

 

Das Lob der Kunden ist das Schönste

 

„Das Lob der Kunden ist das schönste an der Arbeit“, da sind sich alle Familienmitglieder einig. „Ein Kunde meinte sogar, er hätte fast geweint, als das Glas leer war“, erinnert sich Andy Weiß. „Er hat dann direkt eine neue Sorte gekauft, das hat ihn getröstet.“ Bei den Marmeladenmädchen geht es aber auch herzhaft zu: Allein in diesem Jahr wurden 57 Kilo Bärlauch zu Pesto verarbeitet. Lecker! „Aber nur für die, die es nicht zubereiten müssen“, lacht Gerlinde Weschefelder. Bärlauch hat einen intensiven knoblauchähnlichen Eigengeruch. „Das hat bis auf die Straße gerochen!“

 

Ein Herzensprojekt in der Wernerstraße

 

Der Familienbetrieb der Marmeladenmädchen soll genau das bleiben: klein, überschaubar und ein Herzensprojekt. Im Haus an der Wernerstraße ist Uta Weiß aufgewachsen. Dass sie jetzt das Ladenlokal darin führt, macht sie glücklich. „Wir haben das mit unseren eigenen Händen aufgebaut und uns dafür nicht verschuldet. Uns macht die Arbeit viel Spaß – so wollen wir weitermachen.“ Und schon muss sie wieder in die kleine Küche: die Erdbeermarmelade kocht sich schließlich nicht von selbst. 

            

                     



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