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Ein Tag mit: Sebastian Girbig (Slider)

Der Graffiti-Künstler und Grafikdesigner zeigt uns seinen Kiez

10.02.2016

Den klassischen Arbeitstag mit festgelegten Aufgaben gibt es für Sebastian Girbig nicht. Grafikdesign, Graffiti und Workshops gehören u.a. zu seinen Tätigkeitsfeldern. Überall in der Stadt hat der Freelancer inzwischen seine künstlerischen Spuren hinterlassen. Ein Streifzug durch Dresden...

 

Friedrichstadt

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Die gestalteten Bahnbögen am Bahnhof Mitte

 

„Das ist eines der größten Projekte, die wir bisher realisiert haben“, erzählt Sebastian und deutet auf die Bahnbögen am Bahnhof Mitte. Zusammen mit Christian Weiße, der das Projekt Fassadengestaltung Dresden ins Leben rief, sprayt er individuelle künstlerische Arbeiten. „Es geht darum, Graffiti-Aufträge für Privatpersonen oder öffentliche Kunden zu realisieren“, erklärt er. Die beiden Dresdner verbindet jedoch nicht nur der berufliche Hintergrund, auch privat bringen sie gemeinsam Farbe auf die Wände, wie ich später erfahre.

  

Innere Neustadt

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Auch Musiker wie Kool Savas gehören zum Bekanntenkreis des Dresdners

 

Die Neustadt ist Sebastians Kiez, hier wohnt er seit fast 20 Jahren. Ungefähr genau so lange ist er privat als Sprayer unter dem Namen Slider aktiv und hat sich auf diversen Wänden, beispielsweise an der Louise verewigt. 1994 gründete er die Interactive Crew, kurz IAC. Drei Jahre später wurde der Beiname Bandits ergänzt, der inzwischen auch über Deutschlands Grenzen hinaus ein Begriff in der Szene ist. Seit 2001 ist auch Fassadengestalter Christian Weiße (Wok) Teil der Crew, die sich stetig erweiterte. Jeder einzeln oder gemeinsam sind die Bandits heute auf der ganzen Welt aktiv. „Im letzten Jahr bin ich extrem viel gereist und habe zum Beispiel in Neapel, Malta, Dänemark und Norwegen Aufträge gemalt oder war auf Kunstfestivals eingeladen“, blickt Sebastian zurück. 

 

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Partybusse in Norwegen
Auch im Januar stand wieder ein dreiwöchiger Einsatz in Norwegen auf der Agenda des Künstlers. „Seit ca. drei Jahren gestalte ich zusammen mit Soten aus Kopenhagen ausgediente Linienbusse, die die norwegischen Jugendlichen als Partybusse nutzen“, erklärt er und deutet auf Fotografien, die verschiedene dieser Busse zeigen. 

 

 

Leipziger Vorstadt

 

Wenn der Graffiti Artist nicht am heimischen Schreibtisch über Skizzen und Entwürfen sitzt, führt ihn sein Weg ein bis zwei Mal in der Woche zu den Werbetechnikern von rakelspektakel. „Ich entwerfe verschiedene Designs für die Kunden vom Flyer bis zum Fahrzeug-Design“, beschreibt Sebastian sein Aufgabengebiet. Bis vor ein paar Jahren gehörten auch die Veranstalter in Locations wie dem Blauen Salon oder dem Kiezklub zu den Kunden. „Da hat aber die Nachfrage deutlich nachgelassen“, sagt er.

 

Strehlen

 

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In Sebastians Workshops erfahren die Kinder und Jugendlichen mehr über Graffiti und die HipHop-Kultur
Zu den Herzensprojekten des Dresdners gehört die Arbeit im Jugendzentrum Spike, das seit 1995 einen Anlaufpunkt für Jugendliche bietet. Fast von Anfang an gehört auch Sebastian zum Team. „Das erste Graffiti Projekt entstand durch eine Raumgestaltung, die ich im Spike vorgenommen habe“, erinnert er sich. In den Folgejahren wurde das Spike zum Begegnungsort für die HipHop-Kultur. Auf verschiedenen Jams kommen die Nachwuchskünstler mit den Oldschoolern zusammen, getreu dem in der Kultur verankerten Motto „Each One Teach One“. In verschiedenen Workshops lernen die Jugendlichen beispielsweise das Auflegen oder können sich im Breakdance versuchen. 

 

Der Außenbereich des Jugendzentrums wirkt fast wie eine Galerie. Auf über 600 Quadratmetern Fläche kann hier legal Graffiti gesprayt werden. Auch Slider hat bereits diverse Konzeptwände am Spike mit seinen Crew-Kollegen gesprayt und gibt dort auch selbst Workshops im Bereich Graffiti. „Mehrmals in der Woche zeige ich verschiedenen Gruppen die technischen Grundlagen – von der Skizze bis zum Sprayen an der Wand“, erklärt Sebastian. Doch nicht nur im Spike, auch in anderen Einrichtungen wie dem Jugendhaus Emmers gibt er seine Graffiti-Workshops. 

 

Heimatliebe

 

Die Kunst auf den Wänden der Stadt – das ist nicht überall möglich. „Dresden vertritt eine sehr tolerante Politik im Bezug auf Graffiti. Wir bekommen viel Support. Erst im letzten Jahr wurde eine legale Hall of Fame am Puschkinplatz auf einer Brachfläche erbaut“, sagt der Künstler abschließend – nicht ganz ohne stolz auf seine Stadt. 

  

Urban Lines Jam 2016

Die nächste Graffiti Jam im Spike könnt ihr am 12.02.2016 besuchen. Ab 19 Uhr malen zehn Künstler mit Markern zehn Flächen zu einem bestimmten Thema. Die Aftershow-Party wird im Wettbüro gefeiert.

Infos: www.spikedresden.de

 



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