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Ein Tag mit: Stadtimker Rico Heinzig

Beruhigendes Bsssss im Großstadttrubel

24.06.2016

Rund 2.100 Bienenvölker leben in Dresden. Zusammengefasst sind das 50 Millionen Bienen. Insgesamt 415 Stadtimker kümmern sich um das Wohlergehen ihrer Schützlinge und sorgen für stetigen Nachschub an Dresdner Stadthonig. Einer von Ihnen ist Rico Heinzig. Seit Jahren kümmert er sich um zahlreiche Bienenstöcke, die über ganz Dresden verteilt sind. Wir haben ihn einen Tag lang begleitet und erfahren wie alles anfing, wie die Insekten so ticken und warum sein Honig der Beste ist.

 

 Ein Tag mit: Stadtimker Rico Heinzig
Auf dem Dach des Kongresszentrums lässt es sich leben

„Hallo, Mädels!“ Bevor Rico Heinzig den Deckel eines Bienenkastens anhebt, klopft er erst mal und meldet sich an. Das gebietet die Höflichkeit. Auch sonst behandelt der 41-jährige „seine“ Bienen ausgesprochen vorsichtig und respektvoll, und das nicht, weil er Angst vor Bienenstichen hätte. „Bienen sind sensible Tiere. Die riechen Stress und merken sofort, wenn einer genervt ist oder Angst hat. Denen kann man nichts vormachen.“ Deswegen sei die Imkerei eine wunderbare Art zu entspannen, erzählt Heinzig. 

In Dresden betreibt der Unternehmer ein Hotel und ein Restaurant. Auf seinem Hof nahe Meißen widmet er sich seiner zweiten Leidenschaft, der nachhaltigen Landwirtschaft. 2010 zog sein erstes Bienenvolk ein. „Bienen gehören für mich zum Landleben einfach dazu“, erklärt der Autodidakt, der sich sein Fachwissen über Bienenhaltung in unzähligen Büchern angelesen hat. 

 

„Viele dachten, das geht gar nicht“ 

 

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Rico Heinzig schaut nach dem Rechten bei seinen Mädels
In seinem Dresdner Büro vermisste Heinzig die „Mädels“ derart, dass er 2014 kurzerhand einige Bienenkästen in den Innenhof seines Restaurants „Maximus“ aufstellte. „Viele haben mich für verrückt erklärt und dachten, das ginge gar nicht, Bienen in der Stadt“, berichtet der gebürtige Dresdner von seinen Anfängen als Stadtimker. Dabei liegt er mit seinem urbanen Engagement voll im Trend – und leistet einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz und zur Biodiversität. Denn: Je monotoner die klassische Landwirtschaft wird, desto dringender sind die Bienen auf Lebensräume angewiesen, in denen sie abwechslungsreiche und konstante Nahrungsquellen vorfinden. „Dresden ist für die Tiere ideal. Sehr grün, voller Friedhöfe und Kleingärten.“, stellt Heinzig fest. Die Insekten, sagt er, seien das ideale Bindeglied zwischen Stadtmensch und Natur. 

 

Wenn es den Bienen nicht gefällt, ziehen sie einfach wieder aus

 

Viel braucht es nicht, um Imker zu werden: Ein Bienenkasten ist schnell angeschafft, und über Spezialhandel wechseln ganze Bienenschwärme ihre Besitzer. Das Veterinäramt wacht über die Einhaltung des Seuchenschutzes, die notwendige Hygiene und besonders auf einen möglichen Befall mit der gefährlichen Varroamilbe, die für das gefürchtete Bienensterben verantwortlich ist. Den Rest erledigen die Bienen selbst: „Die sind wehrhaft. Wenn es denen irgendwo nicht gefällt, ziehen die wieder aus“, lacht der Stadtimker.

 

Inzwischen hat Rico Heinzig zwanzig Bienenvölker in der Stadt angesiedelt. Der spektakulärste Standort seiner Bienenkästen ist das Dach des Kongresszentrums mit Blick auf die Altstadt. Auch wenn die Bienen vermutlich nichts für die wunderschöne Aussicht übrig haben: wind- und sonnengeschützt finden sie in der grünen Umgebung nahe der Elbe alles, was sie für die erfolgreiche Honigproduktion brauchen. Einmal pro Woche besucht Rico Heinzig seine Bienen, schaut nach dem Rechten und führt Tagebuch.

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Voll ausgestattet
Geht es den Arbeiterinnen und den männlichen Bienen, den Drohnen, gut? Wirkt der Schwarm nervös oder entspannt? Bienen sind sensibel und reagieren sofort auf Wetterkapriolen wie aufziehende Gewitter, Temperaturstürze und Hagelschauer. Aufgabe es Imkers ist es dann, die Bienen, falls nötig, zu schützen. 

 

Mehr Bio geht nicht

 

Den begehrten Honig stellen die Bienen aus gesammeltem Nektar her und bewahren ihn in mit Wachs verschlossenen Waben auf. Ein Bienenstock gibt noch andere Naturprodukte her. Pollen, das Kittharz Propolis und Gelée Royal, die Nahrung der Bienenköniginnen, werden in Naturkostläden angeboten und erfreuen sich großer Beliebtheit. Zwei- bis drei Mal im Jahr ist bei den Stadtimkern die Honigernte angesagt. Rico Heinzigs „Mädels“ produzieren zwischen 300 und 400 Kilogramm Honig im Jahr, der je nach Blütentracht verschieden, aber immer köstlich schmeckt. „Hier in Dresden haben wir viele Obst- und Kastanienbäume, Linde und Ahorn. Alles frei von Pestiziden. Mehr Bio geht nicht“, freut sich der Imker.

 

Billig-Honig lohnt sich nicht

 

Ihm liegt viel an der Qualität seines Produkts. Billiger Honig ist ihm ein Graus. „Im Supermarkthonig aus Nicht-EU-Ländern findet sich von Antibiotika- bis zu Pestizidrückständen so ziemlich alles, was nicht den in Honig gehört“, ärgert sich Heinzig. In Deutschland ist der Einsatz von Antibiotika in der Bienenwirtschaft streng verboten, auch Pestizide und Fungizide haben im Honig nichts zu suchen. Der hohe Standard sowie der enorme Arbeitseinsatz von Mensch und Tier – für ein 500-Gramm-Glas Honig müssen Bienen insgesamt 70.000 Kilometer weit fliegen und 2,5 Kilogramm Nektar sammeln – hat seinen Preis. Der Stadtimkerhonig schlägt mit 7 bis 10 Euro pro Glas zu Buche. Honig aus dem Supermarkt kostet die Hälfte. „Der Preis spiegelt dann nicht mal ansatzweise den Wert wider“, sagt Rico Heinzig. Seine Empfehlung: „Sucht euch einen Imker eures Vertrauens und genießt ein wunderbares Naturprodukt zum Frühstück.“ 



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