Ballon vor dem Start

Einmal Himmel und zurück

Plötzlichen Prinzessin

29.08.2018
Autor: Kaddi Cutz

Nach elf Jahren in Dresden wird es Zeit für einen Perspektivwechsel. Grund genug, mich für euch in luftige Höhen zu begeben und die Welt mal aus dem Korb eines Heißluftballons zu betrachten. Was früher nur Angehörigen des Hochadels vorbehalten war, steht heute jedem offen. Ballon-Sachsen ist mit fünf unterschiedlich großen Ballonen und einem Luftschiff einer der größten Anbieter für Dresden und Umland. 

Ballonaufbau am Elbufer
Der Ballon wird mit Gas gefüllt.

Für Ballonfahrten gibt es hier insgesamt drei genehmigte Startplätze: im Ostrapark, am Käthe-Kollwitz-Ufer und am Königsufer. Unsere sechsköpfige Crew startet unter den neugierigen Blicken der an der Elbe vor sich hinchillenden Sonnenanbeter direkt bei den Filmnächten. 

Nach einer umfassenden Einweisung von Pilot David und Fahrschüler Jens zum richtigen Verhalten an Bord wird der Ballon zunächst befüllt. Der über den Tag mächtig aufgeheizte Boden lässt den Ballon zur Zicke werden und der Start gestaltet sich überraschend holprig. Der Korb wird mächtig herumgeworfen und ich fange gerade an, die ob der Hitze vorher noch schnell eingeworfene Kugel Eis zu bereuen, als wir auch schon über den Dingen schweben.

 

Plötzlich wird es ganz still im Korb und alle Augen ganz groß

 

Dass Dresdens barocke Schönheit immer wieder aufs Neue begeistert, ist ja keine Überraschung, von oben betrachtet sieht die Welt aber tatsächlich nochmal ganz schön anders aus. Ob Zwinger, Yednize oder Hauptbahnhof – wir kommen aus dem Staunen kaum mehr heraus. Langsam lassen wir die Stadt hinter uns; wo genau es hingeht, weiß niemand. David und Jens haben das Navi aber immer im Blick und halten Funkkontakt zu unserem Verfolger im Auto. Apropos Verfolger: Je ländlicher die Gegend, desto mehr Schaulustige lockt unser Ballon an. Es wird ordentlich gewunken an diesem Tag. Noch witziger reagiert die Tierwelt auf das gelbe Gefährt: Hunde verteidigen lautstark Haus und Hof, Ziegen und Schafe meckern und blöken aus Leibeskräften und ein riesiger, schwarzer Ochse reckt die Hörner provokant brummend gen Himmel. Gut, dass wir in 330 Metern Höhe keine Gefahr laufen, aufgespießt zu werden, auch wenn Mitfahrerin Elke schaudernd anmerkt, diesem Gesellen lieber nicht im Dunkeln begegnen zu wollen. Der Ausblick ist weiterhin atemberaubend: Die Häuser werden immer weniger (und mit ihnen die erstaunliche Anzahl ziemlich identischer Pools in den Gärten), dafür gibt es Natur ohne Ende. Übrigens eine perfekte Gelegenheit, endlich mal etwas in den sprichwörtlichen Wald hineinzurufen. Spoiler: Nee, es kommt nicht genau so wieder heraus.

Landschaft
Der Ausblick ist atemberaubend.

Zurück auf den Boden der Tatsachen

 

Weil die Sonne sich nach einer fast einstündigen Fahrt langsam in den Feierabend verabschiedet, wird es Zeit für uns, nach einem Landeplatz Ausschau zu halten. Auch diesen kann man sich nicht immer aussuchen, wie David erklärt: „Landungen gab es durchaus auch schon mal auf einem Friedhof oder im Hof vom Militärhistorischen Museum“. Heute wird es jedoch weniger spektakulär. Wir werden aufgefordert, Handys und Kameras sicher zu verstauen und die zuvor vereinbarte Landeposition einzunehmen. Im Korb hockend landen wir etwas holterdiepolter wieder 

auf dem harten Boden der Tatsachen, genauer: In einem Weizenfeld kurz vor Hetzdorf. Wie aus dem Nichts taucht auch schon unser Verfolger samt Auto auf und nun heißt es Anpacken: Die Luft muss raus aus der riesigen gelben Hülle und dazu wird jede Hand gebraucht. Wer bis dahin dachte, Luft sei vor allem leicht und locker, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Es kostet durchaus Zeit und Kraft, bis alles wieder ordentlich verstaut ist. Aber die Mühe lohnt sich, denn David und Jens haben noch ein weiteres Highlight im Gepäck: Traditionell folgt die feierliche Erhebung aller Mitfahrer in den Adelsstand, natürlich inklusive Sekttaufe und einem äußerst unterhaltsamen Ausflug in die Historie der Ballonfahrerei, bevor es mit dem Auto zurück nach Dresden geht.

 

Landung
Die Landung hat im Feld Spuren hinterlassen.

WEB: www.ballon-sachsen.de



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