Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang

Gold für Dresden

Zwei Dresdnerinnen bei Olympia

07.02.2018
Autor: Gerrit Menk

Hard Facts

 

Anna Seidel
Anna Seidel
ANNA SEIDEL * 31. März 1998

• Mit 15 Jahren erster Einsatz im Shorttrack-Weltcup 

 (September 2013) und bei den Olympischen Winter-

 spielen in Sotschi 2014

• Bronzemedaille über 1.000 Meter bei den Europa-

 meisterschaften 2016 und 2018 sowie bei den 

 Olympischen Jugendwinterspielen 2016, Silber 

 beim Weltcup 2015 über 500 Meter

 

 

 

 

 

 

 

Bianca Walter
Bianca Walter
BIANCA WALTER * 31. März 1990

•  Seit 2006 Mitglied des Shorttrack-Nationalteams

•  Goldmedaille mit der Staffel bei den Europameister-

 schaften 2010, Staffel-Silber bei den Europameister-

 schaften 2009 und 2013

 

 

 

 

 

 

Die Olympia Frauen aus Dresden im Interview

 

Welche Erwartungen habt ihr an die Olympischen Spiele in Pyeongchang?

BW: Sportlich möchte ich auf meinem persönlichen Leistungshöhepunkt sein und diese Leistung auch abrufen können, wenn es drauf ankommt. Wenn ich meine Läufe dort bestmöglich absolviere, bin ich schon zufrieden. 

AS: Ich bin sehr gespannt auf die ausverkauften Eishallen und die Atmosphäre der shorttrack-begeisterten Korea-

ner. Ich hoffe, dass ich alle positiven Eindrücke aufsaugen kann und mich von meiner besten Seite präsentiere. 

BW: Auch hoffe ich auf sichere und faire Spiele. Sotschi hat leider ein dunkles Licht in Sachen Doping auf den Sport im Allgemeinen geworfen und so etwas darf sich auf gar keinen Fall wiederholen. Auch die politische Lage in Bezug auf Nordkorea sollte bis zu den Spielen verbessert werden, damit sich jeder ohne Hintergedanken auf seine Wettkämpfe konzentrieren kann.

 

Wie schätzt ihr eure Chancen dort realistisch ein?

BW: Deutschland ist eine Leistungsgesellschaft, immer auf der Jagd nach Medaillen und beste Platzierungen. Aber realistisch gesehen geht es bei mir darum, mit vie-len starken Läufen zu überzeugen und in die Top 16 zu gelangen. Im Shorttrack ist vieles möglich und ich wäre mehr als zufrieden.

AS: Ich habe mir als Ziel gesetzt, eine Platzierung unter den besten Zehn auf mindestens einer Strecke zu errei-

chen. 

 

Wer sind eure größten Konkurrenten, wer die Favoriten?

BW: Favoriten kommen bei uns so ziemlich von überall. Früher waren die Südkoreaner absolut dominierend, aber mittlerweile können und werden die Gewinner auch aus Nordamerika oder Europa kommen. Das Feld ist sehr eng zusammengerückt, weshalb alles möglich ist. 

AS: Selbstverständlich wollen die erfolgsverwöhnten Koreaner vor ihrem Heimpublikum besonders erfolgreich sein, aber es stimmt schon, dass die Weltspitze mittlerweile näher zusammengerückt sind. Kanadier, Niederländer, Ungarn – sie alle haben Chancen auf den Titel.

 

Wie habt ihr die Europameisterschaft vor dem „eigenen“ Publikum erlebt?

BW: Zu Hause zu laufen ist immer etwas ganz Besonderes. Es gibt einem nochmal extra Energie und Motivation, wenn Familie, Freunde und so viele deutsche Fans in der Halle sind, die jubeln und mitfiebern. Diese Unterstützung erlebt man hautnah auf dem Eis.

AS: Das Publikum jubelt bei uns am lautesten und das ist unbeschreiblich! Außerdem war die ganze Familie mit allen Verwandten und Freunden zum Anfeuern da.

 

Wie bewertet ihr euer Abschneiden bei der EM? 

BW: Meine Ziele waren so kurz vor Olympia vor allem, nochmal richtig gute internationale Läufe zu absolvie-

ren. Ich hatte während und nach den letzten Weltcups im November eine kurze Verletzungspause und hatte bis zur EM keinen weiteren Wettkampf mehr. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich mich am ersten Tag über alle Einzelstrecken für die Finalrunden qualifizieren konnte und auch die Staffel weiterkam. In den Finalrunden hat mir dann einfach an mancher Stelle die Kraft gefehlt, um noch weiter vorn mit anzugreifen. Aber es hat mir dadurch auch gezeigt, woran ich in den Wochen bis Olympia noch arbeiten muss.

AS: Auf den 1.500 Metern habe ich noch ein paar taktische Fehler gemacht und die Sprintstrecke über 500 Meter ist nicht meine Paradedisziplin. Doch auf den 1000 Metern konnte ich endlich zeigen, was in mir steckt und bin couragiert gelaufen. Die Bronzemedaille hat mich sehr glücklich gemacht und auch mit der Staffel waren wir mit der Qualifikation für das A-Finale zufrieden. 

 

Wie ist eurer Meinung nach die Außenwirkung von Shorttrack? Was kann getan werden, um diesen Sport populärer zu machen?

BW: Es ist eine unvorhersehbare, unberechenbare und spannende Sportart, eben immer für Überraschungen gut. Kurze und knackige Rennen hintereinanderweg halten die Zuschauer auf Trab und machen Stimmung. Für mehr Popularität müssen wir in erster Linie stetig Erfolge abliefern, damit uns die Medien in Deutschland weiter solche Beachtung schenken, wie in der Olympiavorbereitung. Wir merken, wie unsere Sportart bekannter wird – wer einmal Shorttrack live gesehen hat, kommt jedes Jahr wieder. 

AS: Der Sport bietet viel Action und birgt nicht nur dadurch viel Potenzial. Da Shorttrack aber vergleichsweise eine noch relativ junge Sportart ist, muss man mit deutschen Erfolgen noch mehr in den Medien vordringen, damit viele Menschen überhaupt erst einmal wissen, wovon die Rede ist. 

 

Exkurs: Was ist Shorttrack?

 

Shorttrack (oder auch Short Track) ist eine spezielle Form des Eisschnelllaufs, die auf einer 111,111 Meter langen Bahn ausgetragen wird. Es treten immer vier bis acht Läufer (je nach Gesamtstrecke) gegeneinander an. Ausschlaggebend für das Weiterkommen ist die Platzierung, nicht – wie etwa beim klassischen Eisschnelllauf – die Zeit. Bei den Olympischen Spielen werden die Wettkämpfe über Distanzen von 500, 1.000 und 1.500 Meter ausgetragen, zudem gibt es einen Staffelwettbewerb über 3.000 Meter bei den Damen und 5.000 Meter bei den Herren.

 

Shorttrack wurde 1992 bei den Winterspielen in Albertville erstmals ins olympische Programm aufgenommen. Die mit Abstand erfolgreichste Nation in dieser Sportart bei Olympia ist seitdem Südkorea mit 21 Gold-, 12 Silber- und 9 Bronzemedaillen. Shorttrack gilt dort als absolute Volkssportart, weshalb bei den Spielen in Pyeongchang alle entsprechenden Wettbewerbe bereits nach kurzer Zeit ausverkauft waren und man sich dort viele Medaillen erhofft.

 

Der Sport gilt als nahezu unberechenbar, was die Spannung und den Reiz ganz besonders macht. Durch das rasante Tempo und die engen Kurven kann selbst der kleinste Fehler fatal für die eigenen Ziele werden – und für die der Konkurrenz. Und da selbst die begabtesten Sportler auch nur Menschen sind und Fehler machen, brachte schon so mancher Wettkampf Überraschungen hervor. Als eine der größten Kuriositäten gilt der Olympiasieg des Australiers Steven Bradbury über 1.000 Meter bei den Winterspielen in Salt Lake City 2002. Im Halbfinale (welches er nur erreicht hatte, weil er durch die Disqualifizierung eines Konkurrenten im vorherigen Lauf nachgerückt war) war er bereits abgeschlagen Letzter, als drei seiner Mitläufer stürzten und er als Zweitplatzierter ins Finale kam. Auch hier war er bereits hoffnungslos im Hintertreffen, als in der letzten Kurve ein Fahrer alle anderen abräumte und Bradbury ungehindert als Sieger die Ziellinie überquerte. Es war gleichbedeutend mit der ersten Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen für Australien. Und vielleicht das beste Beispiel dafür, dass man ein Rennen nie aufgeben darf.

Olympische Winterspiele 2018
Die olympischen Ringe stehen für die fünf Erdtteile und die Farben als jene, die auch in den internationalen Flaggen vorkommen.



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