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Im Interview: Geschäftsführer der Dresden Titans

Eine Hürde, die wir überspringen müssen

19.09.2016

Für die Mission „Aufstieg in die 2. Basketball-Bundesliga ProA“ kam Peter Krautwald zu den Dresden Titans. Bekanntermaßen ist das Vorhaben gelungen, doch damit ist die Arbeit für den Titans Geschäftsführer noch längst nicht erledigt. Vor dem Start der neuen Saison sprach Peter Krautwald mit urbanite über genommene Hürden und aktuelle Herausforderungen. 

 Im Interview: Geschäftsführer der Dresden Titans
Der Kader 2016/2017

Ihr habt den Aufstieg perfekt gemacht und startet jetzt in die neue Saison. Der Druck zur Professionalisierung erhöht sich natürlich.

Man weiß natürlich worauf man sich einlässt. Das ist auch eine Stärke von uns: Wir haben Personal, das wusste wo wir hinwollen und was die Liga auch hinsichtlich der Professionalisierung für Bedingungen stellt. Das war ja auch ein Grund weswegen ich hier hergekommen bin, weil ich das schon an zwei Standorten gemacht habe. Insofern wussten wir ganz genau worauf wir uns da einlassen. Eine ganze Menge der Anforderungen haben wir auch schon im Vorfeld erfüllt. Wir haben eine sehr große Halle, einen VIP- und einen Pressebereich, was bei anderen Vereinen, die in einer Schulturnhalle spielen, nicht vorhanden ist, weil der Standard ein anderer ist.

Aber es ist natürlich so, dass dieser Professionalisierungsgrad weiter voranschreitet. Beispiel: Parkettboden. Den müssen wir uns jetzt anschaffen und dafür eine Finanzierungsmöglichkeit finden, was natürlich den Etat eines Vereins oder einer GmbH extrem belastet. Außerdem hat sich der Profianteil von der ProB natürlich erhöht, der Großteil unserer Spieler ist jetzt Voll-Profi. Aber wie gesagt; wir haben gewusst worauf wir uns einlassen. Es ist auf jeden Fall eine Hürde über die wir springen müssen, aber es ist nicht so,dass wir es nicht gewusst haben. Wir empfinden es eher als Herausforderung.

 

Also seid ihr die letzten zwei, drei Monate nicht ins Schwitzen gekommen?

In bestimmten Bereichen überhaupt nicht. Bei anderen Sachen, wie dem Parkettboden zum Beispiel schon eher, weil das für uns echt eine riesige Baustelle war. Erstens ist es ein sehr großer Geldbetrag – in Summe reden wir da schon von 100.000 Euro, dazu noch der Auf- und Abbau und die Herausforderung das in einer Halle wie der Margon Arena lagern zu müssen. Denn Parkett ist ja bekanntlich Holz und das arbeitet und reagiert auf Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Es ist eine Herausforderung, da die Margon Arena in diesem Sinne keine Eventarena ist. Da haben wir nach wie vor Baustellen, die gelöst werden müssen. Da müssen wir uns mit der Stadt, dem Stadtsportbund als Betreiber der Halle und auch mit der Liga auseinandersetzen und klären was es für Lösungen gibt und was wir in diesem Jahr zum Teil noch nicht lösen können.

Aber im Grunde sind wir so weit, dass wir spielen können.

 

Zur Debatte stand ja auch mal der Umszug in die neu zubauende Saegling Halle…

Das haben wir heute erstmal bei Seite gelegt, da die Halle frühestens im April fertig sein wird. Da wollen wir im besten Fall schon den Klassenerhalt feiern.In der neuen Halle soll zudem ein Glasboden installiert werden. Für die 2. Basketball-Bundesliga ProA ist jedoch ein Parkettboden in den Regularien vorgeschrieben – somit verlegen wir, egal in welcher Halle wir spielen, jedes Mal den Boden neu. Wir fühlen uns letztlich auch in der Margon Arena sehr wohl. Ansonsten ist die Saegling-Halle zwanzig Jahre jünger, aber eben genauso groß, wie die Arena an der Bodenbacher Straße. Momentan geht die Tendenz dahin, dass wir in der Margon Arena bleiben, aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass man irgendwann in der Halle des HC Elbflorenz spielt. Von daher ist das Thema erst mal Beiseite gelegt.

 

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Titans-Geschäftsführer Peter Krautwald (links) im Gespräch mit urbanite-Redaktionsleiter Marko Beger.
Wie klappt es sich die Halle mit dem DSC zu teilen?

Gar kein Problem. Ich glaube, da ist man viel näher zusammen, als es manchmal in der Außenwirkung erscheint. Ähnlich wie mit dem Betreiber der Margon Arena – dem Stadtsportbund – pflegen wir auch mit dem DSC eine sehr gute Partnerschaft. Wir stimmen die Spieltermine vor der Saison ab. Das ist auch kein großes Thema, wenn man gegenseitig Rücksicht nimmt. Okay, man muss sich damit auseinandersetzen. Bisher war der DSC der alleinige Platzhirsch, der bestimmen konnte, wie die Dinge gelaufen sind. Vor allem bei den Trainingszeiten ist das jetzt ein Thema. Denn inzwischen haben wir ein in Vollprofessionalität strebenden Kader mit Spielern, die auch zweimal am Tag trainieren müssen. Das sind Dinge, über die müssen geredet werden. Aber wir haben für alles einvernehmlich eine Lösung gefunden, ohne dass man Streit hat.  

 

Dresdner Vereine sind zunehmend erfolgreicher oder steigen sogar auf. Seid ihr vor diesem Hintergrund mit der städtischen Sportförderung zufrieden oder muss jeder Verein trotz gestiegenem Bedarf um die gleiche Summe kämpfen?

Sagen wir mal so: Wir sind mit unserer Sportstätte sehr zufrieden. Das heißt aber nicht, dass wir nicht gern Dinge hätten, die da verbessert werden könnten. Was jetzt VIP-Bereich, Logen, Hospitality angeht, das sind Aspekte für die die Margon Arena im Grunde nicht gemacht ist, was im Zuge der Sportprofessionalisierung aber immer weiter voranschreitet. Alle Hallensportarten in Dresden, die eine gewisse Größenordnung haben, haben das Problem, dass man im Bereich Logen und VIP-Betreuung einfach eine Baustelle hat. Wie gesagt: Eine Sporthalle ist eine Sporthalle und eben keine Eventarena, aber am Ende wird in letzterer Geld verdient. Das ist für alle Hallensportarten in Dresden das gleiche Problem, auch wenn die Eishalle durchaus in die Richtung geht. Unser Anspruch wird sein, unsere Halle zu füllen und bestmöglich zu nutzen. Und dass wir am 1. April – das ist unser letztes Saisonspiel ein Eventspiel in der Eishalle machen können, bei dem wir schauen, ob wir ein so ein Event mit knapp 5.000 Leuten hinkriegen. In Chemnitz gab es dieses Event letztes Jahr kurz vor Weihnachten. Die haben in der Messe ein ProA Spiel gegen Gotha gespielt und da waren knapp 5.500 Leute zuschauen… Und das muss das Ziel sein. Man muss es als Event vermarkten. Wir möchten die Sportstadt Dresden dahingehend ein wenig bereichern.

Wir sind zufrieden mit der Unterstützung der Stadt. Es wird sich zeigen, ob es private Investoren gibt, die gemeinsam mit der Stadt diese Baustelle Eventhalle in irgendeiner Art und Weise stemmen können… aber das ist Lesen im Wasserglas. So weit sind wir noch nicht. Da gibt es sicherlich Wünsche und Bedürfnisse, aber wir müssen zunächst unsere Hausaufgaben in der Margon Arena machen und dann können wir zu gegebener Zeit mit jemanden zusammen oder alleine versuchen etwas zu bewegen. Wenn das möglich ist, werden wir ganz sicher nicht die sein, die “Nein” sagen.

 

Wie wichtig war denn das langsame Wachsen des Vereins für den jetzigen Erfolg?

Extrem wichtig. Ich glaube es gibt ein gewisses Fundament, das stabil stehen muss. Alles was drüber ist, ist stark geldabhängig. Aber es ist wichtig, dass wenn dieser Geldbetrag, der über dem Fundament steht, wegfällt, das Fundament nicht einstürzt. Sodass alle die da nachkommen, die Chance haben auf diesem Fundament auch wieder neu etwas aufzubauen. Das ist denk ich eine ganz wichtige Regel, die man beherzigen muss. Und da ist dieses gesunde Wachstum extrem wichtig. Wir wären doof, wenn wir, wenn morgen Red Bull kommen und uns 10 Millionen Euro geben würde, “Nein, danke. Brauchen wir nicht” sagen würden. Aber wir wären genauso doof heute schon zu sagen “wir träumen von der Bundesliga”. Unser Ziel ist es ein gutes, sportliches Event in Dresden zu platzieren, dass Spaß macht anzugucken. Und jetzt müssen wir sehen, sowohl bei den Zuschauern, als auch bei den Sponsoren und den Leuten aus der Wirtschaft, ob es Potential und Bedarf gibt, dass das noch weiter wächst. Also einerseits noch weiter von Sponsoren finanziert wird und andererseits auch von ausreichend Leuten regelmäßig besucht wird. Das muss man beobachten. Das ist ein Prozess, von dem man nie die Auge lassen darf, weil man sonst nicht weiß wo es hingeht und das kann gefährlich sein. Aber wir haben ein tolles Produkt, von dem sich die Leute begeistern lassen. Das hat man insbesondere bei den Spielen zum Ende der Saison gemerkt. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und von den vier ausverkauften Spielen passiert noch nicht viel. Wir müssen schauen, dass wir es in der kommenden Saison konstant hinkriegen zwischen 2.000 und 3.000 Leuten in der Halle zu haben. Das ist unser Ziel.

 

Wie lief so der Verkauf der Dauerkarten an?

Wir sind nicht unzufrieden. Fakt ist, wir spielen nicht in der Liga mit dem DSC oder Dynamo. Wir haben ein Stammpublikum von knapp 500 Leuten, die würden wahrscheinlich auch kommen, wenn wir Regionalliga spielen. Und alle anderen entscheiden von Wochenende zu Wochenende. Und in einer Stadt wie Dresden gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten sich anders zu entscheiden, als auf dem Dorf. Ich hab zuvor in Gotha gearbeitet und da gibt es nichts anderes, wo du im Winter mit deiner Familie hingehen kannst. In Dresden ist das natürlich anders.

Unser größter Konkurrent ist sozusagen das schöne Wetter. Wir spielen größtenteils Sonntagnachmittag um vier Uhr. Heißt also, wenn die Sonne scheint, in einer Stadt, die sehr familienfreundlich ist, dann gehen die Leute auch raus und nicht in die Halle. Würde ich auch so machen. Das heißt also ganz viele werden ihre Kaufentscheidung Sonntagfrüh oder Sonntagmittag treffen. Wir versuchen das so zu entwickeln, dass wir schon zeitiger einen Bedarf schaffen.

 

Wie ist es denn, wenn Sie ihre bisherigen Stationen rückblickend betrachten im Vergleich zu Dresden?

An jedem Standort gibt es andere Herausforderungen. Es ist insgesamt die Herausforderung, die gleiche Thematik an verschiedenen Standorten stemmen zu können. Die Anforderungspalette ist riesengroß und wie die Bedingungen überall anders.

Es gibt Unterschiede wohin das Geld, was als Etat da ist, investiert wird. Das ist sehr unterschiedlich.

 

Ist es denn der Wunschkader?

Ich glaube es gibt immer Spieler und wünsche, die man vorher hat. Aber das ist ja immer von anderen Variablen beeinflusst. Was haben wir für ein Budget? Was haben wir für eine Zielstellung? Unsere Minimalzielstellung ist definitiv wir wollen nicht absteigen, also wenigstens der 14. Platz. Aber die interne Zielstellung ist natürlich, dass wir gern unter die besten acht, also in die Play-Offs kommen wollen. Aber wir reden auch davon, dass wir Etat-Unterschiede in dieser Liga zwischen 500.000 und einer Million Euro haben. Und das sind im Basketball schon Welten, die da dazwischen liegen.

Sagen wir mal so; wir haben fast unseren Wunschkader zusammen, stehen aber auch erst am Anfang der Saison. Aber für das, was wir auf dem Papier haben, sind wir sehr sehr zufrieden, was wir nach Dresden holen konnten. Wir denken auch, dass wir eine Mannschaft zusammen haben, mit der wir in der Liga sehr gut spielen können. Aber Papier ist sehr geduldig und auf dem Platz, ist es immer was anderes.

 

In der ProB konntet ihr euch sehr auf viele Ehrenämtler verlassen. Wie wichtig sind die denn jetzt für die ProA?

Wir sind auf unseren großen Stamm der Ehrenämtler sehr stolz. Das muss man wirklich sagen, weil es nicht so viele Standorte gibt, wo die Größenordnung an Ehrenamt so gestemmt wird, wie es bei den Titans der Fall ist. Mit fortschreitender Profesionalisierung hält natürlich auch Einzug, dass man als Veranstalter Geld in die Hand nehmen muss, wenigstens für eine Ehrenamtspauschaule – das bewegt sich jetzt in wirklich, wirklich kleinen Dimensionen – wir wissen aber auch, dass wir bestimmte Sachen, wie zum Beispiel den Parkettaufbau oder das Herrichten der Halle zum Teil auch Outsourcen müssen, weil die Belastbarkeit der Ehrenämtler ja auch nur bis zu einem gewissen Punkt reicht. Ich kann von niemanden, der 40 Stunden die Woche arbeiten geht, verlangen, dass er sich am Wochenende früh in die Halle stellt und anfängt Parkett zu verlegen.

Insofern ist man so in diesem Zwischenbereich. Wir sind sehr stolz auf unsere Ehrenämtler, wollen die auch gern behalten und werben auch dafür noch mehr dazu zubekommen. Auf der anderen Seite wissen wir ganz genau, dass sie nur bis zu einem gewissen Punkt belastbar sind. Und den respektieren wir auch, bzw. versuchen wir ihn so zu halten, dass die Leute uns lange erhalten bleiben. Die müssen wir pflegen. Gerade heutzutage ist da ja ein seltenes Gut.

Es ist ähnlich wie mit seinen Geldgebern: Man muss sich zuerst mit allen an einen Tisch setzen und ein Vorhaben besprechen. Erst, wenn Sponsoren und auch Ehrenämtler mitziehen, kann man sowas wie den Aufstieg angehen. Wir können da ja nicht an der Basis vorbeiplanen. Da müssen wir gemeinsam wachsen.

 



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