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Ins Glas geschaut: Teegadrom

Eine Tasse Tee für den Kaffeesachsen

26.01.2017

Eigentlich ist es nicht schwer zu finden und trotzdem leicht zu übersehen: das Teegadrom im Herzen der Neustadt. Direkt gegenüber dem Kiezclub, betreibt Frank Kutschera seit über einem Jahrzehnt die behagliche Teestube.

 

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Jedes Keramik-Teegefäß wurde von Frank selbst gefertigt.
Erwartungsgemäß gibt es vor allem Tee, in Summe habt ihr die Wahl zwischen ca. 40 verschiedenen Sorten. „Aber nicht das Gerücht verbreiten, dass es hier nur Tee gibt“, gibt Frank schmunzelnd zu bedenken, denn selbstverständlich findet sich auf der Karte auch das übliche Repertoire vom Bier bis zum Wein.

 

Die Teestube gibt es schon seit 1992, anfänglich noch unter anderem Namen und zunächst am Schloss Nickern. „Teegadrom“ war als parodierter Kontrast zum damaligen Diskozelt Megadrom gedacht. Von einer Art Gartenlaube, Marke Fertigteilblockhaus, über eine selbst gebaute Lehmhütte mit naturbelassenen Wänden und der Residenz im Schloss Nickern selbst, verschlug es Frank und das Teegadrom im Jahr 2000 schließlich in die Louisenstraße 44.

 

Kaffee vs. Tee

Auch wenn man es von der hier-funktioniert-doch-fast-jedes-Konzept-Neustadt nicht unbedingt erwartet hätte, hat die Teestube doch schon einen schwereren Stand. Ursache ist nicht, dass Tee nur bei Kälte Saison hat, denn sobald das Quecksilber im Thermometer in die Höhe klettert, reicht Frank stets frisch zubereiteten Eistee zur inneren Abkühlung. Stattdessen liegt der Grund tiefer: „Die wenigstens Deutschen“, so Frank, „sind wahrscheinlich Teeliebhaber.“ Damit liegt er nicht sehr falsch: Der durchschnittliche pro Kopf Jahresvebrauch liegt bei 26 Litern schwarzem oder grünem Tee. Zum Vergleich: Kaffee wird sechsmal so viel getrunken.

 

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Gemütliche Atmosphäre im Teegadrom
Zwar kommen die Dresdner eher zum Tee- als Biertrinken ins Teegadrom, doch schätzungsweise nur jeder Zehnte ließe sich tatsächlich in die Kategorie Teeliebhaber einordnen. „Die meisten Leute kommen wahrscheinlich wegen der Atmosphäre her“, erklärt Frank. „Sie mögen es, wenn man sich mal ganz in Ruhe unterhalten kann und die Musik nicht die Gespräche übertönt.“ Wer möchte, kann seinen Tee auch in Kombination mit einem der angebotenen Spiele genießen, darunter sind auch echte Besonderheiten, wie das in Indien sehr beliebte Geschicklichkeitsspiel Carrom. 

 

Tradition & Unsitte

Wer den Weg ins Teegadrom einmal gefunden hat, merkt schnell: Hier wird die Leidenschaft zum Tee gelebt. Nicht nur das Angebot, sondern auch die Kompetenz des Inhabers überzeugt. Mit Franks Wissen über Tee ließe sich vermutlich eine ganze Vorlesungsreihe füllen. „Am Ende will das aber auch keiner hören, wenn ich was über Kohlenstoffverbindungen und Aminosäuren erzähle“, lacht er. Da kommt die ein oder andere Anekdote über Trinktraditionen und -unsitten schon besser an. Und sofern ihr euch bei eurem nächsten Besuch im Teegadrom nicht sofort als Tee-Frischling outen wollt, beachtet: Kräftige Schwarztees, wie Ceylon und Assam mit Milch und Zucker zu trinken, gehe voll in Ordnung, allerdings solltet ihr das bei grünem Tee eher unterlassen. Frank erklärt: „Das Äquivalent dazu wäre, wenn ein Chinese in ein Meißner Weinrestaurant geht, den besten Wein der Karte ordert und dann nach Zucker fragt, weil ihm der Wein zu sauer ist.“

 

Öffnungszeiten: Mo - So 16 bis max. 2 Uhr



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