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Interview Anna Seidel vom ESC Dresden

Konkurrenz dringend gesucht

23.11.2016

Auf der Aufmerksamkeitsskala findet sich Shorttrack im fußballverrückten Deutschland eher auf den unteren Plätzen wieder. Völlig zu Unrecht - ist die rasante und zweikampfintensive Variante des Eisschnelllaufes doch äußerst ansehnlich. Einer der besten nationalen Läuferinnen meldet sich nach längerer Verletzungspause zurück.     

 Interview Anna Seidel vom ESC Dresden
Die Gegnerinnen schauen meistens nur hinterher.

 

Was macht für dich die Faszination am Shorttrack aus, gerade gegenüber anderen Eislaufarten?
Die Geschwindigkeit und das gegenseitige Messen mit Anderen, also der direkte Zweikampf. Zum Beispiel verglichen mit Eisschnelllauf, wo man nur gegen die Zeit läuft. Im Shorttrack ist wirklich nur der Sieger, der am schnellsten im direkten Vergleich ist und am besten überholen kann. Taktisch muss man auch einiges draufhaben und irgendwas passiert immer - das ist viel Action.

 

Durch deine Erfolge bist du für einige junge und angehende Sportler bereits ein Vorbild. Wie fühlt sich das an?
Auf jeden Fall fühlt man sich geehrt. Aber manchmal fühle ich mich ein bisschen komisch dabei, weil ich selbst noch relativ jung bin. Aber ist schon schön. Wir hatten vor kurzem mit unserem Verein einen Tag auf dem Eis mit den ganz kleinen Kids und das macht schon Spaß. Es freut mich, wenn ich andere Kinder motivieren kann.

 

Hoffst du dadurch, mehr Leute für Shorttrack zu begeistern? Gehört ja eher zu den unbekannteren Sportarten.      
Ja, genau. Das Ziel ist es, dass mehr Leute in Deutschland das kennen und mal ausprobieren. Dadurch ist das eben eine gute Möglichkeit und das freut mich schon.

 

Du bist einer der besten nationalen Shorttrackerin. Fehlt dann häufig ein richtiger Trainingspartner, der einen zu Bestleistungen treiben kann?
Der Konkurrenzkampf ist halt nicht ganz so gegeben. Trainingspartner haben wir auch ganz viele Jungs und ich lauf dann viel mit den Männern. Die Bianca ist auch mein Level und das geht schon (Anm. d. Red. Bianca Walter ist ebenfalls Shorttrackerin für den ESC Dresden). Klar, es wäre schöner, wenn wir viele starke Damen hätten, aber wir kriegen es auch so ganz gut hin. 

 

Während einiger Turniere und Trainingsaufenhalte hast nebenbei für die Schule gelernt. Wie oft hast du darüber nachgedacht, die ganze Hefter und Bücher beiseite zu legen und dich nur auf den Sport zu konzentrieren?
Ich hab schon öfters drangedacht. Meine Eltern haben dann auch immer gesagt, dass wäre jetzt eigentlich ziemlich dumm. Vor allem, weil ich jetzt in der Oberstufe bin und schon angefangen habe. Leider kann man vom Shorttrack auch nicht leben, daher ist das auch vernünftig. Ich fiebere aber schon dem Ende entgegen und freue mich, wenn es vorbei ist. Aber es geht schon, man gewöhnt sich daran.   

 

Hast du dann auch Pläne, wenn das Eislaufen, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr geht?
Ich finde die Marketing-Richtung generell ziemlich cool und Sport-Marketing kann ich mir später mal vorstellen. Ansonsten eher etwas Kreativeres und nicht die ganze Zeit im Büro vorm Computer sitzen. Aber etwas genaues habe ich noch nicht vor Augen. 

 

Als einer der Aushängeschilder des deutschen Eislaufens bist häufiger mal im Rampenlicht. Genießt du das oder würdest du am liebsten nur Eislaufen, ohne das Drumherum?
Mehr so ein Mittelding. Es gibt Momente, da finde ich das cool und dann macht es mir auch richtig Spaß. Ich finde es schön, dass es Leute gibt, die sich dafür interessieren. Aber wenn die Weltcup-Phase ist, dann ist es immer sehr viel Medienaufmerksamkeit. Dann merke ich schon, wenn die Woche rum ist, da es ganz schön anstrengend wird. Manchmal ist es etwas zu viel, aber alles in allem finde ich es trotzdem positiv.   

 

Der Weltrekord über 500 Meter der Frauen wurde 2013 hier in Dresden aufgestellt. Wann planst du ihn zu brechen?
(lacht) Ja, 500 ist nicht ganz meine beste Distanz, bin eher der Ausdauertyp.  Zum Sprinten fehlen mir noch die Muskeln. Wäre schon cool, wenn ich das irgendwann mal schaffen würde, aber ich denke das dauert noch.

 

Wann findet der nächste große Wettkampf statt und welche Platzierung hast du angepeilt?
Die anderen fliegen in zwei Wochen zu den Weltcups nach Amerika. Ich war im Sommer verletzt und trainiere erst seit vier Wochen wieder, deswegen laufe ich da noch nicht mit. Mein Ziel ist es Anfang Dezember die Asien Cups zu laufen. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann geht es spätestens nach Weihnachten mit EM und Weltcups weiter.

 

Hat dich die Verletzung sehr stark zurückgeworfen?
Ja schon, ich konnte drei Monate lang überhaupt nicht auf dem Eis trainieren. Anderthalb Monate davon ein bisschen auf dem Land, aber das ist auch nicht das selbe. Ist schon anstrengend und hart, aber man macht irgendwann auch wieder große Sprünge nach vorne. Es geht jeden Tag besser. Mein Trainer meinte heute auch, die nächsten drei Wochen werden richtig hart, dann wird es wieder relativ gut sein und ich werde wieder Anschluss gefunden haben.

 

Hat man durch die hohe Geschwindigkeit, dann wieder Angst zu stürzen? Können diese Gedanken abgeschaltet werden?
Die ersten Einheiten waren relativ schwierig, da bin ich auch ganz anders gelaufen, als ich sonst laufe – viel unsicherer und zurückhaltender. Ich hab dann ein bisschen mit einer Psychologin gearbeitet und auch mit dem Training konnte ich mehr Sicherheit auf dem Eis finden. Mittlerweile geht es ganz gut. Klar, ist es noch irgendwo im Hinterkopf, wenn es zu brenzligen Situationen kommt, die so nicht geplant waren. Aber größtenteils ist die Angst jetzt wieder weg.

 

Infos: www.anna-seidel.de 

 



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