Interview: Julia Engelmann

Interview: Julia Engelmann

Eines Tages, Baby ...

28.03.2016
Autor: Kaddi Cutz

Eines Tages, Baby ...

... werden wir uns im Schlachthof treffen. Kaum jemand, der ihn nicht kennt, den „One Day-Reckoning“-Text von Julia Engelmann, der über Nacht viral ging und sich direkt in den Köpfen der Menschen festsetzte. Inzwischen füllt die Psychologie-Studentin ganze Hallen mit ihren Lesungen. So auch am 31. März in Dresden.      

Interview: Julia Engelmann
(Kein) One-Day-Wunder: Julia Engelmann
Dieses „Eines Tages“ rückt immer näher. Denn seit dem Tag beim Bielefelder Hörsall-Slam ist so einiges passiert. Julia Engelmann war als Support-Act mit Tim Bendzko auf Tour, veröffentlichte unlängst ihr zweites Buch und hat eine regelmäßige Kolumne auf Stern Online. Die junge Frau hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen – am meisten überrascht das vermutlich sie selbst: „Mein Leben hat sich komplett verändert. Ich bin jetzt hauptberufliche Poetin, dauernd auf Tour, habe plötzlich Instagram und kriege deutlich mehr E-Mails“. Und: Sie hat sich weiterentwickelt. Zwischen ihrem Erstling „Eines Tages, Baby“ und dem kürzlich erschienenen Nachfolger „Wir können alles sein, Baby“ ist die junge Poetin erwachsen geworden. „Im ersten Buch geht es mehr um Identitätssuche und Erwachsenwerden, das ist im Zeitraum von fünf Jahren entstanden. Im zweiten geht es vor allem um Liebeskummer und Aufbruch, es gibt auch kürzere Gedichte darin, sogar Haikus, meine Zeichnungen sind bunt“, sagt sie, und, dass sie gar nicht so genau weiß, wo es eigentlich hingehen soll mit ihrem Psychologie-Studium: „Ich bin noch immatrikuliert, aber im Moment einfach sehr glücklich als Poetin“. Doch keine Sonne ohne Schatten – die Poetry-Slam-Szene, der Engelmann entstammt, war nicht durchgängig so begeistert von dem plötzlichen Erfolg. Julia sieht‘s gelassen: „Seit dem Hype habe ich ein paar sehr nette Nachrichten von anderen Slammern bekommen und alles andere dringt vermutlich gar nicht zu mir durch“. Warum „One Day“ eigentlich so eingeschlagen ist, ist ihr selber gar nicht so klar: „Ich kann am besten über mich und meinen Mikrokosmos schreiben – damit kenne ich mich am besten aus. Aus meiner Sicht gibt es Themen und Fragen, die für jeden Menschen wichtig sind – losgelöst von Alter und Generation. Zeit vergeht für Menschen gleich, damit gut umzugehen, ist eine riesige Herausforderung. Ich habe Träume, die ich nicht umsetze, ich will immer wieder loslassen, ich möchte mein Leben bis in den kleinsten Moment genießen. Ich glaube, das geht vielen so.“ Gibt es denn da einen roten Faden, der sich durch alle Texte zieht? „Ich bin sehr HappyEnd-affin. Ich suche in allem, was ich fühle und erlebe, Tatendrang, Hoffnung und Vertrauen“, sinniert die Slammerin und offenbar ist diese Einstellung für sie zur sich selbsterfüllenden Prophezeiung geworden. Mehr als 20 Veranstaltungen liegen noch vor ihr in den nächsten Monaten, ihr Terminkalender ist voll. Eine Frage, die man einer Stern-Kolumnistin unbedingt stellen sollte, ist die nach der Stern-Reihe: „Was macht eigentlich...?“ – Was würde Julia Engelmann in fünf Jahren dort über sich lesen wollen? Die Antwort ist kurz und einfach: „Julia schreibt und singt und ist glücklich.“ Es ist ihr zu wünschen!

Infos: www.juliaengelmann.de • „Eines Tages, Baby“ am 31.März 2016, 20 Uhr, Alter Schlachthof



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