Interview mit Gloria

Interview mit Gloria

Leise Lyrik statt Halli Galli

19.04.2016
Autor: Kaddi Cutz

Moderator Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol, ehemals Gitarrist bei Wir sind Helden, machen seit vielen Jahren als Gloria zusammen Musik. Mit ihrem aktuellen Album "Geister" gastieren sie am 22. April im Alten Schlachthof

Interview mit Gloria
Das Duo von Gloria!

Wer ist Gloria?

Mark: Wir haben mindestens einen ganz kleinen gemeinsamen Nenner, nämlich dass wir ganz wunderbar zusammenarbeiten. Gloria kann unsere letzte Rettung sein, was unsere Freundschaft angeht, weil wir so viel arbeiten und in unterschiedlichen Städten sind, dass wir uns ohne sie vielleicht aus den Augen verloren hätten. Im Gegenzug wollen wir ihr etwas zurückgeben, indem wir sie pflegen.

 

Was unterscheidet die erste Platte von der zweiten?

Klaas: Aus meiner persönlichen Perspektive ist das natürlich noch mal was ganz anderes als bei Mark, denn das war ja das erste Album, das ich überhaupt jemals mit einer Band gemacht habe. Insofern waren das für mich ganz viele erste Male, ganz viele Premieren. Jetzt ist es natürlich ganz schön, diese Wege schon mal gegangen zu sein und damit ist auch die Vorfreude beim zweiten Album eine ganz andere, extrem große.

 

Kein Live-Auftritt ohne Lampenfieber?

Klaas: Ja na klar, furchtbar. Aber das hat zwei Seiten: Zum einen ist das sehr anstrengend, wenn man morgens aufwacht und, bevor man überhaupt auf die Uhr geguckt hat, denkt, ach, krass, heute abend ist Konzert, hoffentlich klappt das alles. Auf der anderen Seite ist diese große Spannung, die einen durch den Tag und dann auch auf die Bühne trägt, etwas sehr Schönes. Es ist nach so vielen Jahren auch ein gewisser Luxus, noch mal so richtig Lampenfieber zu haben. Ich kenne einen Haufen Leute, die seit sie 30 sind nicht mehr so richtig nervös waren. Das finde ich eigentlich traurig.

 

Eure Texte sind bildhaft und poetisch. Wie persönlich sind sie, macht euch das auch verletzlich?

Klaas: Das erste Album war persönlicher, das zweite ist von der Grundausrichtung eher gesellschaftlicher. Die Themen sind weniger in uns als um uns herum entstanden. Was die Verletzlichkeit angeht, ist es so, dass wenn man Musik macht und das ernst meint, irgendwo zur Verarschung freigegeben ist. Das kenn ich auch aus meinem anderen Job aus der anderen Perspektive, damit muss man dann klarkommen. Es gibt Phasen in meinem Leben, wo das weniger gut geklappt hat, mittlerweile ist mir das egal. Aber alles, was ohne das Schutzschild Sarkasmus oder Ironie passiert, ist natürlich erstmal angreifbar.

 

Habt Ihr Vorbilder beim Texte schreiben?

Mark: Es gibt eine Szene mit guten deutschen Textern, davon schaffen es wenige, ein bisschen bekannter zu werden. Ein Beispiel ist der von uns oft erwähnte Gisbert zu Knyphausen. Man ist aber gut beraten, sich nicht an ein Vorbild zu klammern. Ich kann aber einen Musiker, der für meinen Geschmack einfache oder auch blöde Texte macht, total lieb haben und als guten Freund bezeichnen, ohne dass das ein Problem ist. Das Konsumverhalten der Deutschen in Bezug auf Texte ist ähnlich wie bei der normalen Ernährung, eher so mittelgut aufgestellt. Da herrscht eine große Akzeptanz, Texte sind nicht so wichtig. Wir achten drauf, dass wir trotzdem dieser Versuchung nicht folgen und es uns besonders leicht machen, nur weil das funktionieren könnte.

 

Wieso habt ihr mit Grönland Records ein eher kleines Label gewählt, auch wenn dieses mit Herbert Grönemeyer einen sehr bekannten Kopf hat?

Klaas: Wir mussten den Partner finden, der es als wichtig erachtet, die Musik in den Vordergrund zu stellen und nicht unsere Personen, à la „Und dann singen die auch noch“. Bei großen Labels kriegt man dann schon mal so Vorschläge zugetragen, es wäre doch cool, wenn Mario Barth in der zweiten Strophe auch noch rappt, oder so. Das ist sicherlich auch eine gute Idee, aber erst, wenn die Hölle zugefroren ist. Mit Grönland Records haben wir ein Label, dass vielleicht aus ähnlichen Gründen gegründet wurde wie Gloria. Aus Bock. 

Mark: Aus Bock wird halt schnell auch mal Bock auf Dividende, und man muss sehr aufpassen, dass eben genau dieser Moment nicht eintritt.

 

Lebt Ihr nicht eigentlich in permanenter Angst, dass Joko Euch mal die Show sprengt?

Mark: Nee, der ist ja ein so fantastisch schlechter Sänger, dass er einen großen Bogen macht um eine theoretische Möglichkeit, zum Singen gezwungen zu sein.

 

Was mögt Ihr an Dresden?

Mark: In den neuen Bundesländern kann man sich, das weiß ich auch noch aus meiner Zeit mit den Helden, immer sehr darauf verlassen, dass man auf wunderbare Gastgeber trifft.

Klaas: Ich finde, die Gelegenheit kann man auch mal nutzen, um diesen Städten wie Dresden Danke zu sagen, weil es immer auch die Menschen gibt, die sich in einem ganz besonderen Maße gegen bestimmte Ideologien auflehnen und einer großen Masse eine andere Grundeinstellung gegenüber stellen. Denen möchte ich weiter Mut und Ausdauer und Energie wünschen und mich bedanken, dass wenn jeden Montag da die Trottelparade durch die Stadt zieht, es immer noch eine Szene gibt, die sich dagegen auflehnt und die momentan sicher das Gefühl hat, gegen Windmühlen zu kämpfen. Auf all diese Menschen kann man zu Recht mit Stolz schauen.

 

Infos: www.gloriamusik.de   



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