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Löbtau hat jetzt einen Kulturverein!

Das Soziotop im Westen

05.10.2017

Löbtau gehört definitiv zu den interessanteren Vierteln der Stadt. Gestern, Heute und Morgen treffen hier aufeinander und erzeugen einen spannungsgeladenen Lebensraum. Ein eigener Mikrokosmos im sächsischen Großstadtgetümmel. Der hier ansässige Löbtop e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, diesen noch sichtbarer werden zu lassen und damit das bürgerliche Engagement mächtig anzukurbeln.

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Der Vorstand des Löbtop e.V.: Felix Liebig, Lina Addick, Viola Martin-Mönnich (v.l.n.r.)

Wohnst du noch oder lebst du schon, mag ein abgewetzter Werbeslogan sein, dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass die beiden Zustandsbeschreibungen in ihrer Bedeutsamkeit durchaus nicht gleichzusetzen sind. Und so gibt es auch in Dresden Gegenden, in denen wohnt man halt, weil man ja irgendwo wohnen muss und es gibt Stadtteile, die man nur zu gerne bewohnen möchte, einfach weil es sich in ihnen vorzüglich leben lässt.

 

Eine Region, die in einem solchen Ruf steht, ist Löbtau. Das dichte Nebeneinander von Studenten, jungen Familien und Alteingesessenen trifft hier auf Strukturen vergangener Tage, in denen insbesondere Industrie und Fabrikarbeiter die Wohngegend prägten. Löbtau ist interessant, spannend und ständig neuen Einflüssen unterworfen. Eine Tatsache, die vielen Löbtauern schon lange bewusst ist und die der erst frisch gegründete Löbtop e.V. noch weiter fördern will: „Wir möchten das bürgerliche Engagement hier vor Ort stärken, Kultur fördern und eine Möglichkeit der Beteiligung geben. Im Grunde soll der Verein dabei lediglich als Katalysator fungieren, um Menschen dabei zu helfen, Ideen umzusetzen“, erklärt die Rechtsanwältin Lina Addicks die Vereinsziele. Gemeinsam mit dem Kulturingenieur Felix Liebig und der freien Autorin Viola Martin-Mönnich ist sie im Vorstand des erst im Januar dieses Jahres gegründeten Vereins tätig. 

 

"Hier gibt es eine im positiven Sinne 

 heimatverbundene Community"

 

Die Idee dazu kam in der lockeren Atmosphäre der Löbtauer Runde. Auslöser war das im nächsten Jahr anstehende 950. Jubiläum der Gemeinde Löbtau, welche 1068 das erst Mal urkundliche Erwähnung fand. „Die Löbtauer Runde ist ein loser Interessenverband eben von Menschen aus Löbtau mit unterschiedlichstem Hintergrund“, berichtet Viola Martin-Mönnich. „Alle zwei Monate – immer in den ungeraden – kommt man zusammen, redet, entwickelt Ideen, tauscht sich aus. Eines Tages kam der Wunsch auf, das Jubiläum zu feiern.“ Da allerdings für die Umsetzung einer derart großen Idee feste Strukturen besser geeignet sind, war die Vereinsgründung schnell beschlossene Sache.

 

Doch nur ein übliches Stadtteilfest mit Bierwagen, Bratwurststand und Hüpfburg soll es nicht werden. Der Löbtop e.V. strebt nach weitaus mehr: Statt einer einzigen Festivität möchte man ein gesamtes Jubiläumsjahr gestalten, welches durch mehrere und thematisch offene Veranstaltungshöhepunkte durchsetzt ist. „Wir möchten eigentlich keine Vorgaben machen, was wir uns vorstellen, sondern lediglich bei der Umsetzung unterstützen“, so Addicks. „Thematisch sind wir da völlig offen. Das kann von einer Veranstaltung für Kinder, bis hin zu einem künstlerischen Happening alles sein.“ Und beinhalte eine Idee dann eben doch Bratwurststand und Hüpfburg, sei auch das vollkommen okay, lacht sie. Am 14. Oktober lädt der Verein daher zu einer Ideenwerkstatt in die Hoffnungskirche ein. Kommen darf, wer neugierig ist und sich einbringen möchte. Das gilt auch für all jene, deren Möbel nicht innerhalb der Löbtauer Stadtteilgrenzen aufgebaut sind. 

 

Ein Raum und viele Nischen

 

Unterdessen lässt es sich der Löbtop e.V. nicht nehmen, auch an anderen Stellen aktiv zu werden. So zum Beispiel zum anstehenden bundesweiten Vorlesetag im November oder zuletzt beim Park(ing) Day Mitte September. Jährlich sind an diesem Tag Künstler, Designer und die Zivilgesellschaft gleichermaßen aufgerufen, Parkplätze und -flächen kurzzeitig anders, grüner zu nutzen. Auch in Löbtau wurde in diesem Jahr munter begrünt und der Löbtop e.V. war an vorderster Front dabei. „Ein toller Tag“, so Martin-Mönnich rückblickend. „Fast schon ein Straßenfest und alles wirklich schön und liebevoll inszeniert. Auch die Resonanz war großartig.“ 

 

Geht es nach den Vereinsmitgliedern, soll mit Hilfe des Löbtop e.V. nicht nur ihr Stadtteil noch lebenswerter gestaltet, sondern auch ein dauerhafter Beitrag zur Stadtkultur Dresdens geleistet werden – und zwar über das kommende Festjahr hinaus. Das Potenzial dafür findet sich in Löbtau allemal. „Hier gibt es eine im positiven Sinne heimatverbundene Community, die bereit ist, sich zu engagieren, beispielsweise mit Hofflohmärkten oder historischen Stadtteilführungen. Viele Menschen hier haben eine Nische für sich gefunden und diesem Potenzial geben wir nun einen Raum“, so Martin-Mönnich. „Im Grunde fassen wir mit Löbtop das, was vielerorts schon da ist, nur zusammen, indem wir eine konkrete Anlaufstelle bieten, ohne die Kreativität durch Vorgaben unsererseits zu sehr einzuschränken“, ergänzt Addicks. Lediglich überpolitisch und vor allem humanistisch möchte man bleiben. 

 

 Wünsche bleiben trotz allem offen

 

Es drängt sich der Eindruck auf, als habe der Stadtteil nur auf den Verein – dessen Name mit dem Neologismus aus Löbtau und Soziotop nicht treffender hätte sein können – gewartet. „Die Leute rennen uns gerade die Bude ein“, lacht Martin-Mönnich. „Es gibt so viele Menschen mit ganz abgefahrenen Hobbies und spannenden Sammelleidenschaften, die uns ihre Exponate zur Verfügung stellen wollen oder tolle Umsetzungsideen präsentieren.“ Und auch der heimlich gehegte Traum von eigenen Räumlichkeiten erfüllte sich weitaus schneller als gedacht. Nur wenige Monate nach der Gründung bot die EWG dem jungen Verein kurzerhand eine 90qm große Ladenfläche auf der Deubener Straße an. 

Die ersten Erfolge haben also nicht lange auf sich warten lassen und fielen zum Teil durchschlagender aus, als es sich Vorstand und Mitglieder des Löbtop e.V. vorgestellt hatten, dennoch bleiben ein paar Wünsche offen: „Es wäre fantastisch, wenn wir irgendwann an den Punkt kommen, an dem wir den Laden mit regelmäßigen Öffnungszeiten betreiben könnten“, so Addicks und Martin-Mönnich ergänzt: „Wenn wir eine Löbtauer Institution für die Umsetzung von Ideen werden würden und ein ganzes Jahresprogramm an Veranstaltungen im Stadtteilladen anbieten könnten, wäre das schon toll. Und ein paar mehr Leute wären auch noch gut“, lacht sie. „Derzeit sind wir zwölf aktive Vereinsmitglieder. Da ist hoffentlich noch Luft nach oben.“ 

 

Löbtop e.V.: Ihr wollt euch beteiligen? Dann schaut doch zur Ideenwerkstatt am 14. Oktober, 10:45 Uhr in der Löbtauer Hoffnungskirche vorbei. Oder besucht den Verein im Netz: www.löbtop.de  |  www.facebook.com/loebtop



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