Malky: "Heimat ist auch eine Art von Gefühl"

Malky im Interview: "Heimat ist auch eine Art von Gefühl"

Malky im Interview

13.01.2017

Malky: "Heimat ist auch eine Art von Gefühl"
Malky sind mit ihrem neuen Album auf Tour.

Daniel Stoyanov und Michael Vajna sind „Malky“. Die beiden nahmen ihr Debütalbum „Soon“ in Leipzig auf (damals interviewten wir sie für Leipziger Bands im Fokus sowie Leipzigs Bands des Jahres 2014).
Mittlerweile hat das Duo das zweite Album „Where is Piemont?“ nachgelegt. 
Das behandelt Italien als Sehnsuchtsort. Am 16. Januar 2017 sind sie mit diesem Album im Täubchenthal in Leipzig zu Gast, am 1. Februar 2017 stehen sie in der Scheune in Dresden auf der Bühne und am 12. Februar 2017 ist das Duo im Großen Haus der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin live zu erleben. Sänger Daniel Stoyanov hat uns verraten, welchen Ort er als seine Heimat bezeichnen würde. 

 

Ihr habt euch an der Popakademie in Mannheim kennengelernt ...

Daniel: Nicht ganz. Michael war an der Popakademie, ich nicht. Ich war damals mehr so im Umfeld der Popakademie.

 

Und ihr habt damals auch schon für andere Künstler gearbeitet, du ja unter anderem als Backgroundsänger für die Fantastischen Vier. Wann habt ihr beschlossen, eine eigene Band zu gründen und eure eigene Musik zu machen?

Etwa 2011, 2012 haben wir das beschlossen und dann auch gemacht. Das war kurz vor dem Umzug nach Leipzig. Michael ist zuerst nach Leipzig gezogen und ich hab ihn immer mal wieder dort besucht und mich dann auch irgendwann entschlossen, nach Leipzig zu ziehen. Das müsste so 2012 gewesen sein, als wir uns dann auch den Namen „Malky“ gegeben haben.

 

Und wie seid ihr auf den Bandnamen „Malky“ gekommen? 

Wir haben in der Vorgehensweise ein bisschen nach dem Zugang gesucht, den wir als Kinder zur Musik hatten, bevor wir bewusst Musik gemacht haben. Also, dass man wieder einen etwas naiven Zugang zur Musik findet. Das war erst mal die Grundlage des Arbeitens. Und dann hat uns einfach auch das Wort phonetisch gefallen. „Malky“ klingt einfach hell und schön und die Musik ist auf eine gewisse Art schwer. Das bildet einen schönen Gegensatz.

 

Ihr habt euer Debütalbum dann auf eurem eigenen Label veröffentlicht. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Wenn man idealistisch über Musik nachdenkt, stellt man sich das so vor: eigene Musik, eigenes Label. Das ergibt irgendwie Sinn. Und wir wollten keine große Verkaufsrunde starten. So wie wir das Album gemacht haben, also erst mal in Ruhe für uns, so wollten wir es dann auch verkaufen. Später haben wir dann natürlich noch Vertriebspartner gefunden, ein Management und eine Booking-Agentur. Ganz allein geht das nicht. Aber das war eine schöne Sache und das Album wird nach wie vor über Eighty Days verkauft und vertrieben. Das macht mich stolz. 

 

In einem Interview habt ihr erwähnt, dass Locations, Straßen und Orte für die Inspiration eine große Rolle spielen, da mit ihnen eine bestimmte Atmosphäre oder Erlebnisse verbunden sind. Welche Locations und Orte waren in der Leipziger Zeit wichtig oder sind es vielleicht sogar immer noch?

Also erst mal gibt es so ein, zwei Parks. Den Clara-Zetkin-Park habe ich sehr oft begangen. Und dann ist da eine gewisse Magie an der Gottschedstraße. Ich weiß nicht genau was das ist. Es gibt da diese eine Kurve, die die Gottschedstraße macht. Auf der Höhe der Skala, nach der Vodkaria. Das empfinde ich als einen magischen Ort.

 

Ihr habt mal gesagt, dass ihr damals nach Leipzig gezogen seid, weil euch Berlin „zu voll“ war. Und jetzt seid ihr nach Berlin gezogen, richtig?

Michi ist nicht ganz nach Berlin gezogen, er wohnt zwischen Wittenberg und Torgau. Ich bin auch oft da und habe dort auch Freunde. Also bin ich zwei, drei Tage in der Woche auf dem Land. Aber wohnhaft bin ich jetzt in Berlin. Und die Annahme, dass Berlin zu voll ist und Leipzig eher nicht, dass kann ich auf jeden Fall so bestätigen.

 

Sind in Berlin die Möglichkeiten Musik zu machen noch ein bisschen besser als in Leipzig? Oder ist vielleicht die hohe kreative Konkurrenz in Berlin manchmal auch ein bisschen hinderlich?

In Berlin gibt es einfach mehr Ablenkung, was sich jetzt eher negativ auswirken könnte. Aber wir haben das neue Album auch mehr ländlich bei Michi aufgenommen. Und die Arbeit in Berlin war eher, wenn man sich ans Texten gesetzt hat. Dann macht man die Tür zu und kriegt nichts mit von der Stadt. Von daher ist das erst mal kein Problem.

 

Ihr seid stets auf der Suche nach Heimat. Was würdest du als deine Heimat bezeichnen?

Heimat ist vielleicht auch irgendwie eine Art von Gefühl. Wenn es sich mit einem klaren Ort erklären lässt, dann ist es bei mir eher Bulgarien. Da kommen noch so ein paar Faktoren dazu: Ich habe die ersten vier Jahre meines Lebens dort verbracht und die ersten Worte waren bulgarisch. Wenn ich dahin komme, gibt es immer noch eine magische Verbindung. Wenn jemand in einer Stadt aufgewachsen ist und jede Ecke seit seiner Kindheit kennt, dann ist das in der Tat Heimat. Der kann auch wegziehen, das ist trotzdem immer ein besonders Gefühl, wenn man zurückkommt. In Deutschland habe ich das jetzt nicht so richtig, aber dafür geht es mir manchmal so, wenn ich Bulgarisch spreche. Im Moment habe ich wieder bulgarische Freunde hier in Berlin getroffen und da bekomme ich auf jeden Fall so ein Heimatgefühl. Wenn man dann zusammen kocht oder gemeinsam die Musik hört, dann ist das eine sehr schöne Sache. Und das ist etwas, was ich bisher so nicht hatte, was mir auch gefehlt hat und was ich gesucht habe. Ich denke mal, das ist so ähnlich, wie wenn die Deutschen im Ausland in irgendein Restaurant gehen, wo deutsch gesprochen wird und es deutsches Essen gibt. Dann geht es ihnen, glaub ich, genauso.

 

In einem Interview meintest du, dass Bulgarien das Jamaika Europas werden muss: also seine Möglichkeiten ausschöpfen und die eigene Kultur fördern und pflegen anstatt den Westen zu kopieren. Was würdest du denn sagen: Welche Fortschritte siehst du in Bulgarien? 

Also wenn ich mich dazu erheben dürfte, ein Urteil zu fällen, dann gibt es auf jeden Fall kulturell gesehen einen Haufen Rückstände. Aber es wird schon cooler von Jahr zu Jahr, was da so gemacht wird. Ich finde, die Kultur wird einerseits schon gefördert. Sie haben Zugang zu ihrer Folklore. Es gibt Festivals und die Feste werden relativ gut eingehalten. Von daher ist die Situation gar nicht mal so schlecht in Bulgarien. Es ist also nicht so, dass die alte Kultur auf eine gewisse Art und Weise zerstört wird. Es gibt halt nicht diese Transformation von alter Kultur in etwas Neues, was dann auf dem Erbe des Alten steht. Die 90er-Jahre-Generation entkoppelt sich jetzt total davon und das ist halt einfach nicht so fresh, was da rauskommt. Wenn man jetzt z.B. Electro oder R’n’B nimmt, dann ist es wirklich nur nachgemacht und lange nicht so cool. Aber die Talente stimmen und die Energie und der Vibe sind da. Es sind ja verschiedene Volksgruppen. Die Roma und Sinti zum Beispiel sind da auf jeden Fall so eine Feierkultur. Sogar manchmal eine Soundsystem-Kultur: Wenn die eine Hochzeit feiern, dann ist das schon etwas, was mich ein bisschen an Jamaika erinnert.

 

 

Euer neues Album „Where is Piemont?“ behandelt den Sehnsuchtsort Italien. Warum habt ihr euch gerade für Italien entschieden? 

Diese Idee hat sich im Laufe der Zeit so langsam herauskristallisiert, als wir daran gearbeitet haben. Wir wollten jetzt mal diese Seite, den Wunsch und die Sehnsucht nach Italien ausleben. Dadurch ist das Album auch ein bisschen lebendiger und expressiver. 

 

Die Musik des neuen Albums wird oft als Filmmusik oder Soundtrack bezeichnet. Würdest du zustimmen und war das so beabsichtigt? 

So etwas beabsichtigt man eigentlich nie, sondern man macht eher das, was dem Geschmack entspricht. Natürlich gibt es Elemente in der Band, die dafür ein Faible und ein gutes Händchen haben. Und zum Sound: Das kann ich auf jeden Fall so stehen lassen, das passt auch zu uns. Und das ist, denke ich, auch das Besondere an der Band. 

 

Könntest du dir auch vorstellen, mal tatsächlich den Soundtrack zu einem Film beizusteuern?

Ja natürlich. Da würden wir uns riesig darüber freuen.

 

Eure Musik wird häufig als „Weltumarmungssoul“ oder „Music for Sensitive People“ bezeichnet: Wie würdest du die Musik kategorisieren?

„Weltumarmungssoul“ hat irgendeine Zeitung mal geschrieben. „Music for Sensitive People“ ist ein Spruch, angelehnt an eine Liedzeile aus einem Marvin Gaye Text, die ich echt schön finde. Die haben wir selber mal rausgekramt. Und man versucht halt auf eine gewisse Art, die Musik zu beschreiben, ohne direkt mit irgendwelchen Schubladen zu kommen. Deswegen finde ich die beiden Sachen eigentlich ganz nett, ganz süß und sehr zutreffend. Es ist auf eine gewisse Art Popmusik. Und wenn man die Welt umarmt, dann ist das eine Geste, die auf jeden Fall dazu passt. Das ist ein bisschen pathetisch. Und das ist auf jeden Fall ein Element unserer Musik. Und „Music for Sensitive People“ bedeutet, dass man sich auch mal einlassen und seine empfindliche Seite ein bisschen walten lassen muss. Diejenigen, die total auf andere Electro-Mucke stehen, die stehen sehr wahrscheinlich nicht so sehr darauf. Wobei sie natürlich auch eine empfindsame Seite haben, aber keine Lust, sie auszuleben. Das ist ja auch berechtigt. 

 

Mit „Lampedusa“ habt ihr einen Song geschrieben, der die Flüchtlingssituation thematisiert. Würdest du dich persönlich als politisch interessiert oder sogar engagiert bezeichnen?

Politisch engagiert bin ich nicht, politisch interessiert so medium. So würde ich es mal stehen lassen. Die ganze Situation hat natürlich ganz schön was aufgewirbelt, das im Bewusstsein der Menschen auf beiden Seiten war. Das ist jetzt alles an die Oberfläche gekommen und wird auf eine gewisse Art auch ausgelebt. Aber es hat im Großen und Ganzen auch einen positiven Effekt, dass es nicht mehr irgendwie im Unterbewusstsein schlummert. Auf eine gewisse Art ist es auch gut, dass der Rechtsruck nun sichtbar wird. Und wenn es auf politischer Ebene ist, dann kann man damit umgehen. Bei allem anderen vertraue ich auf die Justiz in Deutschland und dass sie dafür sorgt, dass die Unversehrtheit der Menschen, die hier sind und die nach Deutschland kommen, auch gewährleistet wird.



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