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Mein Viertel: Hoyerswerdaer Straße

Übern Tellerrand des Szeneviertels

06.11.2016
Autor: Kaddi Cutz

Nirgendwo in Dresden ist es bunter als in der Neustadt. Kleine, nette Lädchen, eine hohe Kneipendichte, angesagte Clubs, lauschige Cafés und eine überbordende kulinarische Vielfalt – all das zieht nicht nur am Wochenende Dresdner wie Touristen geradezu magisch an. Dass aber nicht nur im Kern der „Neuse“ der Bär steppt und sich auch im Saum einige Perlen verstecken, das zeigt kein Eckchen eindrucksvoller als die Hoyerswerdaer Straße.

 

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Urig, zünftig, Kult – Das Bautzner Tor

Wer fußläufig innerhalb weniger Minuten ins Nachtleben abtauchen möchte, sich aber trotzdem eines erholsamen Schlafes ohne wummernde Bässe erfreuen will, die einen des Nachts unverhofft senkrecht im Bett stehen lassen, der hat sich möglicherweise beizeiten hier sein Domizil eingerichtet. Nah an der Elbe, aber dennoch hochwassersicher ist die Straße selbst immer im Fluss – sie beherbergt gleich mehrere Straßenbahnhaltestellen (Linie 6 und 13), die Haltestelle Bautzner Straße und Albertplatz sind nur einen Katzensprung entfernt und sorgen für eine traumhafte Anbindung. 

 

Flanieren auf der früheren Kurfürstenstraße

Das war auch ursprünglich mal genau der Plan, denn die Hoyerswerdaer sollte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts vor allem eine Verkehrsverbesserung mit sich bringen, was sie, 1873 noch unter dem Namen Kurfürstenstraße, dann auch tat. Um den nahegelegenen Rosa-Luxemburg-Platz gab es in den Folgejahren dann ein regelrechtes Gerangel.

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In der Weinzentrale lässt es sich toll genießen.
1877 wurde dieser in Erinnerung an die ehemaligen Kurfürsten von Sachsen als Kurfürstenplatz errichtet, im Mai 1936 wurde er aber dann zum Skagerrakplatz. 1945 erfolgte die Umbenennung zum Köbisplatz, Pate stand diesmal der wegen Meuterei hingerichtete Marinesoldat Albin Köbis. Seinen heutigen Namen verdankt der Platz der kommunistischen Politikerin Rosa Luxemburg – so heißt er seit Oktober 1991. Am Übergang zur Albertbrücke ehrt Luxemburg ein Denkmal, unweit davon ist ihr bekannter Satz „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ auf einem Geländerabschluss zu lesen. Verkehrsanbindung hin oder her: Beeindruckend ist auch, was sich zu Fuß von hier aus alles erreichen lässt: Das Elbufer ist keine fünf Minuten entfernt und auch der Pavillon am Rosengarten ist – vor allem im Sommer – ein wirklich zauberhafter Geheimtipp für lauschiges (und kostengünstiges) Feiern mit Freunden unter freiem Himmel oder laue Nächte mit romantischem Anstrich. 

 

Vielleicht nicht schön, aber trotzdem perfekt

„Natürlich ist die Hoyerswerdaer nicht unbedingt die allerschönste Straße, dafür fehlt es ihr an Grün“, sagt Anwohner Ingo Wobst, „allerdings lebt es sich hier dennoch vortrefflich.

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Mal ganz anders gezockt, wird im TCG-Portal
Das Bautzner Tor als DIE Neustadt-Kneipe schlechthin vereint Nostalgie und mitunter skurilles Publikum aus dem Proletariat und lohnt allein deshalb immer einen Besuch. Weil die Straße für Autos eine Einbahnstraße ist, hält sich der Verkehr in Grenzen. Außerdem beherbergt die Hoyerswerdaer das Buddhistische Zentrum, was kaum jemand wirklich weiß.“ Und das persönliche Highlight? „Die Bäckerei Scholze! Ab sechs Uhr früh bekomme ich hier meinen Kaffee umweltfreundlich in meinen hässlichen, geschenkten To-Go-Becher gefüllt! Oft treffe ich dabei auf verschiedene Rentner und halte einen kleinen Plausch mit denen. Das ist irgendwie noch sehr ursprünglich sozial und lebensnah.“ Auch Daniel Bochum, der seit einigen Jahren auf der Hoyerswerdaer lebt, ist verliebt in sein Viertel: „Die Nachbarn sind entspannt, auch an den Wochenenden ist es relativ ruhig. Die Einkaufsmöglichkeiten sind top. Lieblingsorte sind ganz klar das Bautzner Tor, der Imbiss ‚Zum Libanesen‘ und die Weinzentrale. Und: Im Kräuterladen kann man immer super lecker Mittag essen. Vor allem ist natürlich auch die Nähe zur Elbe und zur Heide ein klarer Pluspunkt!“



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