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Mein Viertel: Kesselsdorfer Straße

Gelebte Tradition im Dresdner Westen

06.09.2016

Wer die gesamte Kesselsdorfer Straße von der Gompitzer Höhe bis zur Thraranter Straße an der Weißeritz herunterspaziert, hat danach gute viereinhalb Kilometer in den Beinen. Belohnt wird man dafür mit einmaligen Ausblicken über die ganze Stadt, historischen Sehenswürdigkeiten, einer Auswahl an Traditionsbetrieben- und Dienstleistern sowie vielen lohnenswerten Einkehrmöglichkeiten von „schick“ bis „gemütlich“. urbanite hat sich für euch auf die Socken gemacht und stellt die Highlights vor.

 

 Mein Viertel: Kesselsdorfer Straße
Die von Einheimischen liebevoll „Kellei“ genannte Straße verbindet fünf Dresdner Stadtteile miteinander und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ende des 12. Jahrhunderts ursprünglich als Poststraße ausgebaut, verband sie die Städte Freiberg und Dresden miteinander. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie ständig erweitert und mauserte sich zum wichtigsten Geschäftszentrum im Dresdner Westen. Nach wie vor säumen schöne Gründerzeitvillen die Straße und wechseln sich mit teils historischen Ladenzeilen ab. Grünes Herzstück der Kesselsdorfer Straße ist der unter Denkmalschutz stehende Neue Annenfriedhof, der mit seinen wunderschönen, repräsentativen Grabanlagen, dem alten Baumbestand und weitläufigen Grünflächen zum Spazieren einlädt. Er wurde 1878 eingeweiht und ist dank seiner monumentalen Eingangsgestaltung nicht zu übersehen.

 

Rückgrat des Dresdner Westens

Heute treffen sich auf der Kesselsdorfer junge Familien, alteingesessene Löbtauer und Studenten beim Bummeln und Einkaufen. „Die Kellei ist das Rückgrat des Stadtteils zwischen Löbtau-Nord und -Süd. Sie ist Transitraum für Fremde und Treffpunkt für Freunde: Einerseits Ort der Globalisierung mit kettenweise Bäckereien und Supermärkten, andererseits lokaler Hotspot mit diversen mehr oder minder sichtbaren Milieutreffs“, fasst der Löbtauer Kulturschaffende Felix Liebig zusammen. Er muss es wissen, organisiert er doch seit Jahren bürgerschaftliche Projekte rund um die Kesselsdorfer Straße und bringt so Menschen aus verschiedenen Lebenswelten zusammen.  

 

Brötchen wie in alten Zeiten

Auf der Kellei lebt die Tradition, so findet man vom Schuster über Schneider bis hin zu verschiedenen Traditionsbäckereien viele alteingesessene Handwerker. „Wir backen die Brötchen noch wie zu DDR-Zeiten“, plaudert die freundliche Verkäuferin der Bäckerei Eckert aus dem Nähkästchen.

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Brötchen nach alter Tradition
Ein paar Geschäfte weiter führt Kerstin Deckwer-Schwabe seit 2009 das Traditionsgeschäft für Braut- und Festmode ihrer Vorgängerin fort, die mit 71 Jahren in Rente ging. Früher war das Geschäft ein Hutatelier, jetzt schmücken sich die Damen mit feinsten Kreationen aus Seide und Tüll. Was momentan besonders gut ankommt? „Tattoo-Spitze ist gerade der Renner“, verrät Deckwer-Schwabe. Schräg gegenüber im Fotostudio Hahn fällt die riesige Sammlung alter Fotoapparate auf. Richtige Schätzchen sind dabei. „Mit denen knipsen wir die Kunden aber nicht“, lacht Eigentümerin Katrin Hahn, die das 1989 gegründete Studio führt. Dafür bietet sie ungewöhnliche Shootings an und setzt sogar Haustiere gekonnt in Szene. 

 

Hurra, die „Eisfee“ kommt!

 

Erfrischend wird es dann im Eiscafé „Eisfee“. Eigentümerin Annett Ehrhardt stellt ihr Eis aus frischen, regionalen Zutaten her. „Die Beeren für das Heidelbeereis habe ich am vergangenen Freitag gemeinsam mit meinen Kindern geerntet“, freut sich die gelernte Hotelfachfrau, die sich mit ihrem eigenen Café einen Herzenswunsch erfüllt hat.

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Auch Outdoorfans kommen im fernwegs auf ihre Kosten.
Den Namen hat ein Kind erfunden, als es mit den Worten „Guck mal Mama, die Eisfee kommt!“ an ihrem Laden vorbeilief. Unten an der Tharandter Straße überqueren die Straßenbahnen die Weißeritz und verbinden die „Kellei“ mit dem Dresdner Stadtzentrum. Bald soll die Kesselsdorfer Straße dort zum autofreien Boulevard umgebaut werden, die Vorbereitungen laufen schon. Einige Händler sehen dies zwar mit Sorge, eines ist jedoch sicher: die „Kellei“ bleibt immer im Wandel und eine pulsierende Lebensader mitten im Dresdner Westen.



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