Reportage: Dresdner Nächte

Reportage: Dresdner Nächte

Rausch mit Verstand - (apo)THEKE

20.02.2016

Gras, Speed, Ecstasy, LSD, Crystal, Alkohol ... Drogen sind ein Teil der Feierkultur – egal ob auf Techno-Raves, bei Hip-Hop-Jams oder in der Großraumdisko. Mit genau diesem Thema beschäftigen sich die Jungs und Mädels der (apo)THEKE. Immer öfter sieht man sie mit frischem Obst in den Clubs der Stadt. Ihr Grundsatz: Aufklären statt Anklagen – also kein erhobener Zeigefinger, sondern Infos rund um den Drogenkonsum.

 

 

Reportage: Dresdner Nächte
Das Kernteam: Claudia, Daniel und Anne (v.l.n.r.)
Für viele Clubbesucher gehört der Rausch genau so zur Party wie laute Musik und ausgelassenes Tanzen. Egal ob legale oder illegale Droge – schief gehen kann dabei Nichts bis Alles. Was zählt ist der Umgang. „Die Idee nennt sich Safer Clubbing oder Safer Nightlife“, erklärt Daniel Ellerbrock. „Es geht darum, Risiken zu minimieren. Partygänger sollen wissen, was sie brauchen, um trotz einer schädlichen Substanz so unschädlich wie möglich zu konsumieren“. Der studierte Sozialpädagoge arbeitet seit 2011 im Bereich der Suchthilfe. Vor zwei Jahren riefen er und sein Team das Projekt (apo)Theke ins Leben. Getragen vom Fachteam No Addiction der Diakonie Dresden sind sie seitdem mit Infoständen und viel Know How im Dresdner Nachtleben unterwegs. „Unser Ansatz ist dabei durchweg akzeptierend. Wir klären auf und verurteilen niemanden für seinen Konsum.“ Das Konzept hat vier Säulen: Zum Einen informieren Daniel und sein Team über die Wirkung verschiedener Drogen und welche Folgen sie haben können. Zum Anderen beraten und vermitteln sie. „Wenn jemand seinen Konsum verändern will, können wir ihm verschiedene Anlaufstellen aufzeigen“. Punkt drei ist die Möglichkeit, beim Feiern einfach mal runter zu kommen. „Wir versuchen einen reiz-armen Raum zu schaffen, also ohne Blitzlicht mit weniger Lärm, frischem Obst und kostenlosem Wasser.“ Zu guter Letzt sind die (apo)THEKER auch Ersthelfer im Notfall, können bei Vergiftungen durch Alkohol oder andere Drogen schnell reagieren und wenn nötig einen Krankenwagen rufen.  

Aufklärung über das Thema Drogen ist auch in Dresden sehr wichtig. 

 

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Dank Fördergeldern wurde ein eigenes Zelt gekauft
Um das Projekt umzusetzen, benötigte man natürlich finazielle Mittel. Das erste Geld gab es aus dem Spendentopf des Diakonischen Amts. Mittlerweile wird das Team sogar vom sächsischen Ministerium für Soziales gefördert. Nach gründlicher Vorbereitung hatten sie ihren ersten Einsatz im September 2014 im Sektor Evolution, dann wieder im Mai 2015. Ende letzten Jahres häuften sich dann die Anfragen. Mittlerweile gehören auch der Jugendtanz, die Chemiefabrik, das AZ Conni sowie Sabotage und tba zu den festen Kooperationspartnern.

 

 

 

„Jeder soll machen, was er will, aber sich dabei keinen Schaden zufügen.“

 

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Ein gemütlicher Ruheort im bunten Partytreiben
Die Resonanz der Gäste spricht Bände. „Wir bekommen fast nur positives Feedback und sehen auch, dass etwas hängen bleibt. Ein Gast hat mal erzählt, dass er, seitdem er uns das erste Mal entdeckt hat, immer Äpfel und Bananen für sich und seine Kumpels mit zum Feiern nimmt. Manchmal sind es eben die Kleinigkeiten, die zählen. Und wenn es nur ein großer Schluck Wasser ist. Viele sind überrascht, dass es so etwas überhaupt gibt oder freuen sich, dass das Ganze endlich auch in Dresden angekommen ist.“ Denn die Idee des Safer Clubbing hat eine lange Geschichte und ist in vielen Großstädten ein Teil der Clubkultur. Schon Anfang der 90er Jahre entstanden in ganz Deutschland Projekte wie die (apo)THEKE. Zu den Pionieren gehören u.a. der Eclipse e.V. in Berlin oder die Drugscouts aus Leipzig, die dieses Jahr ihren 20. Geburtstag feiern. Geboren wurde das Konzept aus dem Selbsthilfegedanke der Techno-Szene. Da illegale Drogen in der Subkultur von Anfang an eine Rolle spielten, von der Gesellschaft aber verteufelt wurden, gab es vom System kaum Hilfe, wenn die Sucht zum Problem wurde. Veranstalter und Clubbesitzer wollten ihren Gästen helfen. „Es ging nicht darum, den Konsum zu bewerten. Jeder soll machen, was er will, aber sich dabei keinen Schaden zufügen.“

 

Drogen sind zu einem Teil der Clubkultur geworden.

 

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An den Ständen gibt´s Infos, Obst und Wasser
Die Kritik ist seit jeher, dass Organisationen / Projekte wie (apo)THEKE erst recht zum Drogenkonsum verleiten. Das sieht Daniel anders. „Menschen ab einem gewissen Alter werden gewisse Dinge ausprobieren, egal was ihnen erzählt wird und was nicht. Wir nutzen die Chance, einen Punkt zu setzen, hinterfragen die Motivation und lassen sie reflektieren.“ Damit wollen die (apo)THEKER dieses Jahr fleißig weiter machen. Das Team besteht derzeit aus sieben Personen und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Neue Gesichter sind immer herzlich willkommen. „Wir bieten kostenlose Schulungen an. Bei den freiwilligen Einsätzen kann man sich sogar ein paar Euro dazuverdienen.“ Aber auch die Liste der Partner soll wachsen. „Wir hoffen auf weitere Clubs und Partys, die uns ein Podium bieten. Da können wir uns natürlich an die Wünsche der Veranstalter anpassen. Hauptsache unsere Arbeit kommt bei den Gästen an.“



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