DJ Gunjah Teaser

Reportage: Showboxx

Das Ende einer Ära: Neustart.

04.01.2016

Stolze 17 Jahre lang war die Showboxx eine Institution für das Dresdner Partyvolk. In dem Laden an der Elbe gaben sich lokale DJ-Größen und Szene-Stars die Klinke in die Hand, Events wie das ClickClack lockten tausende tanzwütige Gäste und durch den Schreber 31 wurde so mancher Sonntag zum Highlight des Wochenendes. Hinter all dem stand Markus Rätz aka DJ Gunjah. Jetzt macht die Boxx dicht. Gunjah erzählt von aufregenden DJ WGs, illegalen Partys am Assieck, und natürlich wie es weiter geht.

 

DJ Gunjah Dresden
Markus Rätz alias Gunjah ist die treibende Kraft hinter der Boxx
Bereits 1992, mit gerade mal 16 Jahren, stand Gunjah zum ersten mal hinter den Plattentellern. „Am Anfang war das noch so klassische Schuldisco. Mein erster offizieller Auftritt war dann im Base am Bischofsplatz.“ Zu seinen engen Freunden zählte schon damals Lexy. Ja genau, der Lexy von Lexy & K-Paul. Zusammen eröffneten sie 1997 den Plattenladen Cocoon Records. Aufgrund mangelnder betriebswirtschaftlicher Kenntnisse und wilder Nächte mussten die beiden aber schon nach einem Jahr wieder dicht machen. „Vor allem nach langen Wochenenden war der Laden regelmäßig zu. Lexy hat mal ein Schild ins Schaufenster gestellt – wegen Stromausfall geschlossen. Aber drinnen leuchteten noch überall die roten Lampen von den Plattenspielern.“

 

Die Geburt einer Partyreihe

 

Click Clack
Das Click Clack brachte regelmäßig tausende Besucher zum tanzen
Als das Projekt Cocoon Records offiziell gescheitert war, wechselte Gunjah in die Veranstalter-Schiene und begann eigene Partys zu schmeißen. „Meine erste Reihe hieß Funkwelt. Ich war mit dem, was in Dresden so lief nicht zufrieden und wollte es besser machen.“ An diesem Punkt kam noch ein großer Dresdner Name ins Spiel: Ralf Koppetzki. Der Party-Profi lässt heute zehntausende Menschen bei Großveranstaltungen wie der Unity antanzen. Damals waren er und der DJ Mitbewohner. Koppetzki holte Gunjah für seine ersten Sausen in die Straße E, kurz darauf wurde er zum Resident der beliebten Pentax-Partys. „Ich hab immer mehr Sachen gesucht, die ich machen kann.“ So lernte Gunjah seinen heutigen Partner Frank Weißbach kennen. „Der war immer schon so ein bisschen anders, ich war schon immer so ein bisschen anders und da dachten wir, lass doch mal zusammen was starten.“ Zu dieser Zeit entdeckte Koppetzki die Leipziger Straße 31 als Event-Location und stellte sie den beiden zur Verfügung – die Showboxx war geboren. Besser gesagt das Tweakers. Unter diesem
Schreber 31 Dresden
Sonnige Sonntage beim Schreber 31 wird es auch nächstes Jahr wieder geben
Name ließen Gunjah und Weißbach im November 98 zum ersten Mal die Puppen tanzen. Parallel dazu sprangen sie auf die aufkommende Disco-House-Welle auf. Direkt am Assi-Eck, dort, wo heute das Tranquillo alternative Mode über die Theke schiebt, starteten die beiden eine illegale Partyreihe – das Studio 43. „Das war die reinste Abrissbude, es gab nicht mal Toiletten. Aber der Besitzer hatte gefragt, ob wir nicht mal da feiern wollen.“ 

 

Ein Name der alles veränderte

 

Showboxx Dresden Logo
Das Studio 43 wurde auf Showboxx getauft: „Von da an lief die Bude wie geschmiert.“
In kürzester Zeit wurde die provisorische Location zum Favoriten der Dresdner Party-Szene. Entlang der Rothenburger Straße bildeten sich jedes Wochenende riesige Schlangen feierwütiger Menschen – dabei fasste der Laden kaum 100 Leute. Irgendwann wurde aber auch die Stadt auf das Projekt aufmerksam. Erst kam das Ordnungsamt, dann die Polizei. Nach vier Monaten musste das Studio schließen. „Das war am Ende gar nicht so schlimm. Im Studio konnte ich nie auflegen, weil ich das Disco-Zeug nicht gespielt hab. Im Tweakers war das anders.“ Doch bisher war der Laden mit seinem Elektro- und Techno-Sound beim Publikum nicht besonders gut angekommen. Deshalb gab es von Gunjah und Weißbach erstmal einen neuen Namen: Showboxx. „Von da an lief die Bude wie geschmiert.“ Rund 350 Leute passten anfangs in den Club. Einmal
Showboxx Dresden
In der sonst so wilden Showboxx herrscht jetzt erstmal Ruhe
im Monat ging es rund und unzählige Raver warteten an der Leipziger Straße begierig auf Einlass. In den kommenden Jahren wurde die Boxx unzählige Male umgebaut, dutzende Formate, Partyreihen  und Konzerte über die Bühne gebracht –insgesamt um die 500 Veranstaltungen, schätzt Gunjah. „Wir waren immer für alles offen, nur die Elektro-Veranstaltungen waren mein Baby, da hab ich keinen rangelassen.“ 

 

Der Auftakt für einen Neuanfang?

 

Kleinvieh Dresden
Kleinvieh: Mehrzweck-Veranstaltungslocation mit allem drum und dran
Doch mit der Showboxx ist nun Schluss. Schuld ist die geplante Hafen-City. Das umstrittene Luxus-Bauprojekt in direkter Nachbarschaft des Clubs  sollte schon Anfang 2015 an den Start gehen. Durch zahlreiche Klagen wurde es jedoch immer wieder verschoben. „Eigentlich könnten wir noch bleiben. Wir wussten schon ewig, was kommen würde und haben deshalb eine neue Location gesucht.“ Bereits vor drei Jahren wurden Gunjah und Weißbach fündig – auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs, direkt gegenüber der Boxx. „Jetzt ist das Ding fertig und wir ziehen um. So machen wir einen sauberen Abschluss und nach 17 Jahren ist eine neue Bude auch ganz schön.“

 

Zukunftspläne: Kleinvieh und Klub Neu

 

Klub Neu Dresden Logo
Der Name ist Programm: Klub Neu
Auf dem alten Gelände ist aber noch nicht aller Tage Abend. So lange die Nobel-Lofts nicht gebaut sind, wird mit Sicherheit die eine oder andere Party in der Boxx steigen. Auch die Outdoor Afterhour im Schreber 31 und das Click Clack Open Air bleiben erhalten. Für Gunjah steht aber erst mal das neue Projekt im Vordergrund: Kleinvieh und  Klub Neu. „Das Kleinvieh ist vom Konzept her eine Mehrzweck-Veranstaltungslocation mit großem Backstage, Küchen und allem, was dazu gehört.“ So bietet ein großer Saal Platz für 800 bis 1.000 Menschen. Einmieten kann sich jeder, ob für Tagungen, Messen oder Konzerte. Im gleichen Gebäude befindet sich ein weiterer, kleinerer Raum – der Klub Neu. „Ich vergleiche das gern mit dem Berghain. Das Kleinvieh ist das Berghain, Klub Neu die Panorama-Bar. Den Club werde ich ausschließlich mit elektronischen Sachen bespielen. Quasi als indirekte Fortführung der Showboxx.“ Neue Konzepte sind auch schon in Planung. „Ich will auf jeden Fall versuchen, noch einen neuen Partytag in Dresden zu etablieren, außerhalb vom Samstag.“ Dafür hat
sich Gunjah schon mit verschiedenen Kollektiven wie zum Beispiel Kurz & Schmal zusammengesetzt. Was genau dabei rausgekommen ist, werden die kommenden Monate zeigen. Spätestens aber in weiteren 17 Jahren.

 

Infos: Klub Neu & Kleinvieh, Gothaer Straße 12, 01097 Dresden
www.klubneu.de
kleinvieh-dresden.de
www.facebook.com/klubneu/

 



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