Reportage: Urban Gardening

Reportage: Urban Gardening

Urban Gardening - Gärten für alle

08.03.2016

Der Verein UFER-Projekte Dresden e.V. baut Gemeinschaftsgärten im urbanen Raum auf. Am 5. Februar wurde im alten Schulgarten der Gorbitzer Laborschule eine neue Grünfläche eröffnet. urbanite war dabei.                   

 

Reportage: Urban Gardening
Klein und Groß kommen beim Urban Gardening zusammen
Trotz Nieselregen und Februarkälte ist der verwilderte Garten der Gorbitzer Laborschule voller Menschen. Kinder wuseln herum, es gibt selbstgebackenen Kuchen und heißen Punsch. Heute wird der erste Gorbitzer Gemeinschaftsgarten eröffnet, ein Projekt des Vereins UFER-Projekte Dresden e.V. und ein neuer Garten für alle im GartenNetzwerkDresden. Kevin Keller ist Garten-Aktivist der ersten Stunde und seit Planungsbeginn im Januar 2015 dabei. Insgesamt seien rund 30 Leute beteiligt, erzählt er. Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement Gorbitz und dem Omse e.V. wurde die Idee verwirklicht, dem ehemaligen Schulgarten der Gorbitzer Laborschule wieder Leben einzuhauchen. Lokal, nachhaltig und selbstverwaltet – das sind die Grundsätze des sogenannten „Urban Gardening“, einer anderen Form des Gärtnerns als in traditionellen Kleingärten üblich.

 

„Abschließen können wir später immer noch“

 

UFER-Projekte Dresden e.V. betreut insgesamt vier Gärten in Dresden. Dabei handeln die Gemeinschaftsgärtner eigenverantwortlich, erzählt Keller. „Bei den Planungstreffen teilen wir die Beete in Gemeinschafts- und Einzelflächen auf und stimmen über die Bepflanzungen ab.“ Geräte und Zubehör organisieren die Gärtner über Spenden oder aus Fördertöpfen, so werden in Dresden insgesamt 20 Gärten bewirtschaftet. Die meisten Gärten haben eine offene Gartenzeit, bei der gemeinsam draußen Hand angelegt wird. Angst vor Vandalismus hat Keller keine, erfahrungsgemäß würde weniger kaputtgemacht, wenn die Leute im Viertel sich mit dem Projekt identifizierten, sagt er und ergänzt: „Das Tor abschließen können wir später immer noch“.

 

Reportage: Urban Gardening
Die Bewohner des Viertels beweisen ihren grünen Daumen
Gärten verbinden

 

Die Kälte lässt die Besucher im Garten zusammenrücken und am Punschtopf kommt man schnell ins Gespräch. Es geht um die nächste Saatgut-Tauschbörse, den besten Platz für den neu gepflanzten Apfelbaum und die Tücken der Bienenwirtschaft. Julia Leuterer kommt aus Omsewitz, hat nach ihrem Studium der Landschaftspflege die Welt bereist und absolviert zurzeit eine Weiterbildung über die nachhaltige Bewirtschaftung von Ökosystemen, Permakultur genannt. Als stellvertretende Vorsitzende von UFER-Projekte e.V. setzt sie sich, wie sie sagt, für „Räume der halböffentlichen Begegnung“ ein. Unterstützung kommt von allen Seiten. So half das Amt für Stadtgrün aktiv bei der Suche nach einem geeigneten Standort für den Gorbitzer Garten, erzählt Julia. „Gärten verbinden halt“, wirft Sybille (55) ein. Sie bewundert die Philosophie der Permakultur, die „hohe Schule des Gärtnerns“, wie sie sagt. 

 

Permakultur für das ökologische Gleichgewicht

 

Josie geht auf die nahe gelegene Waldorfschule. Die 18-Jährige hat ihre Jahresarbeit über das Thema Permakultur geschrieben und kennt sich ebenfalls mit dem Thema aus. „Hier im Garten treffen sich die unterschiedlichsten Leute“, erzählt sie. Die Freiwilligen kämen aus allen Bereichen und allen Altersgruppen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit, wenn die Leute so verschieden sind? „Bei den Planungstreffen haben wir sogenannte Spinn-Runden gemacht, bei denen jeder Wünsche und Vorstellungen äußern konnte“, erinnert sich Josie. Daraus entsteht dann ein Pflanzplan mit unterschiedlichsten Projekten wie beispielsweise einer Sommerküche oder einer Wildblumenwiese für die Bienen. Entscheidungen werden demokratisch gefällt, Aufgaben werden geteilt – am Ende graben, pflanzen und ernten dann aber alle gemeinsam.

 

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Garten-Chef Kevin Keller

Knüppelkuchen am Lagerfeuer

 

Bei so viel Arbeit darf der Spaß natürlich nicht zu kurz kommen. Inzwischen hat sich der Garten weiter gefüllt, Kinder aus dem Kindertreff Puzzle des Omse e.V. toben auf der Rasenfläche und erkunden neugierig den Bienenstock. Eine Frau erklärt ihnen, dass die Bienen jetzt Winterruhe halten, sich aber bei den ersten Sonnenstrahlen schon herauswagen. Anwohner, die sich über den Trubel auf dem einst verwahrlosten Grundstück wundern, lassen sich bei selbstgebackenem Kuchen die Grundlagen der nachhaltigen Bewirtschaftung eines sich selbst tragenden Gartens erklären. Kevin Keller hält währenddessen das Lagerfeuer in Gang und verteilt schon mal die Stöcke für den Knüppelkuchen. Das kleine Fest klingt gemütlich aus. 

 

Ein grüner Fleck im Dresdner Westen

 

Das Prinzip des Urban Gardening hat sich bewährt; weltweit pflegen Menschen kleine Parzellen in ihrer Nachbarschaft, tauschen sich aus und lernen einander kennen. Nun gibt es auch im Dresdner Westen einen kleinen grünen Flecken, der sicherlich im wahrsten Sinne des Wortes Früchte tragen wird. Wir werden uns wieder dort umschauen, wenn die Sonne scheint.

Viola Martin-Mönnich



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