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Roland Kaiser im Interview: über Affären, Monarchen und Joana

In Dresden steht sein Thron

26.06.2017

Eines kommt in der Stadt einem ungeschriebenen Gesetz gleich: Ruft der Kaiser, scharrt sich das Volk in Massen alsbald um ihn. Und irgendwie kommen auch wir nicht umhin, dem Mann, der die Elbwiesen regelmäßig zum Beben bringt, unseren Respekt zu zollen – und so haben wir seine Hochwürden um eine Audienz gebeten.  

 

Kaisermania bei den Filmnächten
Alle Jahre wieder: innerhalb kürzester Zeit waren die Tickets für die Kaisermania vergriffen.

Vier Open Air Konzerte scheinen nicht zu reichen. In diesem Jahr eröffneten Sie gemeinsam mit der Philharmonie den Kulturpalast und eine Ehrenmedaille der Stadt gab's auch noch. Ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, Dresden kann nicht ohne Monarchen …

Doch, es geht schon ohne Monarchen. Ich habe einfach eine besondere Beziehung zu der Stadt und die Stadt zu mir, die sich sicherlich darin begründet, dass ich häufig da bin (lacht). In diesem Fall handelt es sich eher um ein zufälliges Zusammentreffen der Umstände. Ich spiele ja die vier Konzerte am Elbufer und kurz zuvor wird der Kulturpalast und damit die Spielstätte der Philharmonie fertiggestellt. So haben wir gegenseitig den Wunsch geäußert, einmal zu dieser Gelegenheit zusammenzuarbeiten.

 

Allerdings war das Konzert für den 5. August innerhalb einer Stunde ausverkauft und nur acht Stunden später die komplette Kaisermania 2017. Schwarz gibt es die Tickets für rund 100€ im Internet … Also es ist schon ein enormer Hype um Sie und Ihre Beziehung zu Dresden.

Da geht es sicherlich nicht nur um meine Person, da kommt auch die Schönheit des Veranstaltungsortes dazu. Das ist ein Zusammentreffen von verschiedenen Begebenheiten. Es kommen ja auch viele Menschen, die nicht aus Dresden sind, gern dorthin und besuchen eines der Konzerte. Vorn spielt die Musik und dahinter sieht man die Kulisse der Altstadt. Das ist schon ein sehr schönes Bild.

 

Ich denke Sie sind zu bescheiden.

Ich bin Realist, denke ich. Glauben Sie mir: Das gehört alles zusammen. Ich sehe das zumindest so.

 

Roland Kaiser 2016
Seine Affäre mit Dresden hat er nie bereut.
Der Aufwand zur Kaisermania wird von Jahr zu Jahr ein kleines Stückchen größer. Lässt sich das irgendwann überhaupt noch übertreffen?

Man muss versuchen, mit immer neuen Dingen die Gäste zu überraschen. Das bedeutet eben inhaltliche Überraschungen oder auch in der Präsentation. Da lässt sich immer wieder etwas Neues finden. Es geht nicht darum immer größer zu werden, sondern eher die Intensität des Erlebnisses zu verstärken. Dieses Mal verändern wir uns eher musikalisch, so wie wir jetzt auch schon auf der Tournee deutlich zeitgemäßer geklungen haben. Die Gäste können sich in jedem Fall auf eine inhaltlich andere Präsentation des Ganzen freuen.

 

Können Sie ein bisschen was verraten?

Wir haben musikalisch angezogen. Die Arrangements haben sich verändert, sie sind poppiger, rauer und klarer in der Struktur. Es wird jünger und moderner klingen. Aber die Hits werden natürlich auch dabei sein, nur in neuem Gewand.

 

Vor dem Hintergrund welchen Imageschaden PEGIDA der Stadt Dresden zugefügt hat, bereuen Sie es da manchmal mit „Affäre“ eine Art Ode an die Stadt geschrieben zu haben?

Überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich werde den Titel dieses Jahr wieder singen und in noch etwas gesteigerter, verlängerter Form. Die Stadt hat das auch verdient, denn sie ist großartig, mit wunderbaren und toleranten Menschen und einer weltoffenen Kultur – das hat mit PEGIDA gar nichts zu tun. Das sind einige wenige Menschen, die das Bild dieser Stadt inhaltlich nicht für mich verändern können.

 

Viele Ihrer Kollegen engagieren sich gern bereitwillig in sozial-gesellschaftlichen Bereichen, auch politische Statements kommen vor. Politisches Engagement ist da schon seltener. Sie tun ganz überzeugt beides. Wie sehen Sie denn die Zurückhaltung anderer?

Es gibt schon viele Kollegen, die sich ebenfalls engagieren. Nehmen Sie Wolfgang Niedecken, ‚Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer. Die sagen alle laut und deutlich, was sie denken. Da bin ich nicht der Ausnahmefall.

Und generell ist es jedermanns Privatangelegenheit. Ich finde, wenn jemand öffentliche Bedeutung besitzt und daher auch gehört wird, dann sollte man auch laut sagen, was einen stört und das nehme ich für mich in Anspruch.

Aber natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Ich möchte mich da nicht als Lehrmeister aufspielen.

 

Songs wie „Warum hast du nicht Nein gesagt“ beweisen, dass nicht nur die alten Roland Kaiser Titel zum Hit taugen. Generell haben Schlager in diesem Jahrzehnt wieder deutlich an Popularität hinzugewonnen. Woran liegt das?

Wir haben wieder eine gesündere Einstellung zur deutschen Sprache. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ein erhebliches Kulturloch und eine Distanz zur eigenen Sprache. Von Generation zu Generation wurde die Einstellung etwas entspannter. Mittlerweile ist es völlig normal, dass junge Leute sagen können „ich höre deutsche Musik“, egal welchen Genres. Zumal wir eine neue, junge deutsche Musik haben, die im Gegensatz zur Neuen Deutschen Welle weniger eine Spaßmusik, sondern eine mit klug reflektierenden Texten ist.

 

 

Nicht viele Musiker können das von sich behaupten, aber auf Ihren Konzerten sind auch ganz viele Menschen dabei, die begeistert ihre Songs mitsingen, wobei sie zu deren Veröffentlichung noch nicht mal auf der Welt waren. Wie fühlt sich das an?

Gut! Ich sage immer, wenn viele junge Menschen dabei sind, ist das ein Vertrag mit der Zukunft. Diese jungen Leute hätten ja auch andere Möglichkeiten, aber sie scheinen die Musik zu mögen und das ist doch toll. Wenn nicht nur diejenigen dabei sind, die mich über viele Jahre oder Jahrzehnte schon begleitet haben, sondern sich diese jungen Menschen auch noch dazuzählen. Und ich sehe das immer wieder bei den Konzerten, wie begeisterungsfähig sie sind und wie sehr sie sich auch textlich auskennen.

 

In Ihren Texten sind sie niemals plump, stört es Sie da eigentlich, wenn „Joana“ auf Ihren Konzerten regelmäßig durch die recht plumpe Ergänzung von Peter Wackels Coverversion „verschönert“ wird?

Nein, das ist mir egal. Das heißt ja auch nur, dass Joana ein sehr bekannter Song ist, ähnlich „Living next door to Alice“. Das passiert ja keinem Lied, dass keiner kennt. Aber das hat übrigens auch nachgelassen, manchmal höre ich die Verballhornung noch, aber wirklich nur manchmal. Auf meiner vergangenen Tournee durch zwanzig Städte habe ich das nur selten gehört. Aber wenn das Publikum das will, dann tut es das eben. Im Kulturpalast mit der Philharmonie hörte ich das nicht.

 



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