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Titans Geschäftsführer Peter Krautwald über die vermurkste Saison

"Wer nächstes Jahr in Dresden spielen will, muss uns nun überzeugen."

15.02.2017

Die erste Saison in der 2. Basketball-Bundesliga ProA haben sich die Dresden Titans sicher anders vorgestellt. Der Aufsteiger kann nach 21 Saisonspielen lediglich zwei Siege vorweisen und findet sich dementsprechend im Tabellenkeller wieder. Im Interview spricht Geschäftsführer Peter Krautwald über den Saisonverlauf.

 

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Peter, das erste Jahr in Deutschlands zweithöchster Basketballliga ist zur absoluten Seuchen-Saison geworden. An welchen Faktoren ist das ganz nüchtern betrachtet festzumachen?

Es sind viele Dinge zusammengekommen. Man kann viel spekulieren, was passiert wäre, wenn wir von den ersten vier Spielen die drei knappen Partien gegen Kirchheim, Paderborn und in Ehingen gewonnen hätten. Fakt ist, die Mannschaft hat da und auch mit den Siegen gegen Trier und Hamburg gezeigt, dass sie vom Talent her in der Liga mitspielen kann. Allerdings ist aus der Mannschaft mit nie eine richtige Einheit gewachsen, die Rückschläge kompensieren konnte. Mit dem Druck der Niederlagenserie hat ein psychologischer Prozess bei jedem einzelnen eingesetzt, der uns im November in den Spielen gegen die direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt entscheidende Punkte gekostet hat. Dem kam hinzu, dass uns die Verletzungen von Pressley und der Zehbruch von Joseph Bertrand direkt im ersten Training uns immer wieder zurückgeworfen haben. All das hat in Summe dazu beigetragen, dass die Mannschaft nie zur Ruhe gekommen ist.

 

Auch nach dem Trainerwechsel ist der Motor nicht so richtig ins Laufen gekommen. Coach Flynn pflegt einen Defensivstil. Der Großteil der Mannschaft wurde von Steven Clauss eher mit offensiv ausgerichteten Spielern zusammengestellt. Ist das der Grund für die schlechte Defense? 

Es ist schwer ein System mitten in der Saison umzustellen, allerdings war es notwendig, da wir nach dem ersten Saisondrittel feststellen mussten, dass wir mit dem offensiven Stil von Coach Clauss nicht genügend Spiele gewonnen haben. Deshalb wollten wir in der Folge bewusst einen Trainer mit defensiver Ausrichtung verpflichten. Allerdings haben es die Probleme mit der fehlenden Arbeitserlaubnis von Coach Flynn ihm zusätzlich schwergemacht, seine Philosophie zu implementieren. Nichtsdestotrotz müssen sich auch alle Spieler vorwerfen lassen, dass sie vor allem in der Defensive nicht alles gebracht haben, was sie können.

 

Nach dem Nürnberg-Spiel hast Du auch personelle Konsequenzen angekündigt. Die Trennung von Jervon Pressley und Randal Holt hat viele Fans überrascht. Wie kam es zu diesem drastischen Schritt? Heißt es gar, dass die Vereinsführung sich mit dem Abstieg abgefunden hat?

Das bedeutet es keinesfalls. Auch wenn wir realistisch sind und wissen, dass die Chancen für den Klassenerhalt mittlerweile sehr gering sind. Nach dem Sieg vor Weihnachten gegen Hamburg war klar, dass wir nur der da gezeigten mannschaftlichen Geschlossenheit die für den Klassenerhalt nötigen zehn Siege holen konnten. Die Spiele im Januar gegen Trier, die wir schon geschlagen haben, und vor allem gegen Essen und Nürnberg waren dabei Schlüsselspiele.

Da wir in der 2. Saisonhälfte keinen Spielraum für Schwächephasen oder Verletzungen mehr hatten, haben wir über Weihnachten entschieden, mit Coleman und Dunbar den Kader noch einmal breiter aufzustellen. Leider sind Jervon und Randal mit diesen Umstellungen nicht zurechtgekommen, was letztlich in der indiskutablen Leistung gegen Nürnberg gegipfelt ist. Danach haben wir mit allen Spielern ernsthafte Gespräche geführt, ob sie tatsächlich unsere Ziele als Mannschaft oder ihre individuellen Ziele verfolgen. Bei Jervon und Randal war leider letzteres der Fall.

 

Was erwarteten Sie sich demnach von der Mannschaft für die restliche Spielzeit?

In erster Linie, dass sie kämpfen und allen Fans zeigen, dass sie diesen Sport mit derselben Leidenschaft betreiben wie die Zuschauer ihn verfolgen. Man kann vielleicht nicht immer gewinnen, aber man kann auf jeden Fall immer kämpfen und vollen Einsatz zeigen. Das sind die Spieler nicht nur den Fans schuldig, sondern vor allem auch sich selbst. Schließlich geht es auch um ihre sportliche und persönliche Zukunft. Wer nächstes Jahr in Dresden spielen will, muss uns nun überzeugen.

 

Apropos nächstes Jahr. Die Tabelle lügt bekanntlich nicht. Wo sehen wir den Dresdner Basketball in der Saison 2017/2018?

Solang der Klassenerhalt rechnerisch noch möglich ist, werden wir natürlich alles dafür geben, dass Wunder vielleicht doch noch möglich zu machen. Allerdings werden wir dafür keine Veränderungen mehr im Kader mehr vornehmen.

Gleichwohl sind wir realistisch. Daher werden wir hinter den Kulissen zweigleisig planen. Wir müssen im April die Lizenzunterlagen bei der Liga einreichen. Dafür werden wir, wie auch in den letzten Jahren, sowohl ein Szenario für die ProA als auch für die ProB planen.

 

Durch die personellen Entscheidungen der letzten Wochen kommt die Frage auf, ob es finanzielle Einschnitte geben wird. Sind die Titans nach wie vor wirtschaftlich abgesichert?

Ganz klares Ja. Alle Verpflichtungen waren wirtschaftlich durch die Zusagen von Sponsoren untermauert. Das ist auch etwas sehr Positives, dass wir trotz des Misserfolges ein sehr breites Netzwerk an treuen Partnern haben, die teilweise bis an die Schmerzgrenze gegangen sind, weil sie, wie wir, auch an die Perspektive des ProA-Basketballs in Dresden glauben.

  

Abschließende Frage: Siehst Du trotz des sportlichen Misserfolges auch einige positive Dinge am „Abenteuer ProA“, die man die für die Zukunft vielleicht mitnimmt?

Wir haben als Standort von vielen Vertretern der Liga und Vereine sehr viel Lob erhalten. Es ist uns bisher sehr gut gelungen, ein ProA-taugliches Umfeld auf die Beine zu stellen. Und das nur 11 Jahre nach der Gründung des Vereins.

Um die Mannschaft herum gibt es zudem viele strukturelle Verbesserungen, wie etwa die Anschaffung der Roto-Banden, des Parkettbodens oder etwa die Festigung unseres hochprofessionellen Live-Streams, der von vielen Seite gelobt wird.

Abschließend kommen die Zuschauer, die uns trotz bescheidenen Leistung die Treue halten. Mit gut 1400 Besuchern pro Spiel zählen wir zu den Top-8 der Liga. Das gilt es nun in den letzten Heimspielen zu festigen, aber dafür muss die Mannschaft wieder Leidenschaft und Kampf zeigen. Denn niemand will ein Team sehen, dass sich aufgibt.



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