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Zu Besuch im Rosenwerk

Einfach mal machen!

23.04.2016

In den ehemaligen Industriekomplex an der Löbtauer Rosenstraße ist wieder Leben eingezogen. Eine Gruppe Kreativer tobt sich dort an 3D-Druckern, Nähmaschinen und Sägen aus. Und das Beste ist: Jeder kann mitmachen! urbanite hat sich umgeschaut.

 

Dieser scheinbar verlassene, riesige Kasten im Löbtauer Industriegebiet soll ein „Zentrum der Selbstmachkultur“ sein? Wer sich in die ehemalige Kartonfabrik am Jagdweg traut, wird schnell eines Besseren belehrt. Im großzügigen Gemeinschaftsbereich mit Küche sitzt eine Gruppe um eine altmodische rote Leselampe herum und bastelt. „Das sind die Freifunker. Die treffen sich immer mittwochs“, erklärt Betti. Die 26-jährige Pädagogin ist sowohl Initiatorin des Rosenwerks als auch Gründungsmitglied des dahinterstehenden Vereins Konglomerat e.V. 

 

Platz ohne Ende

 

Auf insgesamt 350 Quadratmetern hat sich der Verein seit Januar 2015 eingerichtet. Lokale Vereine und Werkstattprojekte wie der WerkStadtLaden, das FabLabDD, aber auch Individualisten finden hier Materialien, Geräte und vor allem Platz ohne Ende. „Im Rosenwerk treffen sich Leute mit unterschiedlichen Talenten, setzen ihre Projekte um und tauschen Wissen aus“, beschreibt Betti die Philosophie der offenen Werkstätten. 

 

Antirassistische Einhörner und ein Kleid aus Milchsäure

 

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Ein Blick in die Elektronikwerkstatt vom Rosenwerk

Wie das konkret aussieht, kann man in den jeweiligen Arbeitsbereichen besichtigen. In der Siebdruckwerkstatt liegt noch ein Stapel Rucksäcke mit der Aufschrift „Unicorns Against Racism“. Im Laserbereich wird an einem Lasercutter Marke Eigenbau gebastelt. Eine Tür weiter steht das Lieblingsgerät der Kunst- und Designstudenten: der 3D-Drucker. Hier wird mit unterschiedlichen Kunststoffen experimentiert, beispielsweise mit einem Garn auf Milchsäurebasis. „Polylactit!“, tönt es quer durch den Raum, als Betti der Name nicht direkt einfällt. Wissensaustausch in Echtzeit. „Aus dem Milchsäuregarn hat eine Designstudentin einen Textilstoff gedruckt und sich daraus ein Kleid genäht“, erinnert sich Betti.

 

Kreativsessions im Lichthof

 

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Auf der großen Rampe kann man sich entspannen
An Druckern, Plottern und Kisten voller Technik mit geheimnisvollen Aufschriften vorbei geht es tiefer hinein in die ehemalige Fabrik. Es ist zugig, die Wände unverputzt. Doch das Rosenwerk hat noch einiges zu bieten. Die Bastler können sich nämlich nicht nur im Lichthof zu spontanen Kreativ-Sessions treffen, sondern auch gemütlich in der Kaffeerösterei KAFFANERO bei „sensationell gutem Kuchen“ zusammensitzen, wie Jens (32), seines Zeichens gelernter Tischler, betont. 

 

Eine Telefonzelle wird zum Bücherschrank

 

Jens‘ Reich ist die Holzwerkstatt. „Hier gibt es alles, was das Tischlerherz begehrt“, schwärmt er, und so sieht die große Halle mit den riesigen Fräsen, Sägen und Holzstapeln auch aus. „Die Mitglieder stellen Maschinen, Material und Know-How zur Verfügung“, erklärt der 32-jährige. In Zusammenarbeit mit Maschinenbauern, Elektroingenieuren und Programmierern entsteht dann buchstäblich Großes: Studenten der TU Dresden bauen gerade eine ausrangierte Telefonzelle zum öffentlichen Bücherschrank um. Solarpaneele auf dem Dach sorgen für Beleuchtung, die Regale sind Maßarbeit. Ab April wird die „Bücherzelle“ dann im öffentlichen Raum stehen. 

 

Leipziger Kisten für alle

 

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Die "Leipziger Kiste" kann man sich selbst zimmern
Im November 2015 richtete das Rosenwerk das mehrtägige Verbundtreffen Offener Werkstätten aus. Im Rahmen dieses Festivals, erzählt Betti, entstand gemeinsam mit dem Dresdner Gartennetzwerk der Plan, eine flexibel einsetzbare, stapelbare Holzkiste zu entwerfen. Das Ergebnis heißt „Leipziger Kiste“ – und jeder kann sich selbst eine bauen. „Die Anleitung ist via Open Source kostenlos verfügbar. Wer Lust hat, kommt samstags zur Offenen Werkstatt und zimmert sich eine Kiste“, ergänzt Jens.

 

„Lernen durch Machen“

 

Eine letzte Überraschung haben Jens und Betti noch zu bieten: Es geht in den Keller, hier haben Künstler ihre Ateliers. Auch der Konglomerat e.V. möchte ab März in einem großen Kellerraum eine Nähwerkstatt und ein Fotolabor einrichten. „Es gibt genug Interessierte“, berichtet Jens. „Künstler und Handwerker sind immer auf der Suche nach Ateliers und Werkstätten.“ Das erklärt auch den Stapel frisch lackierter Fenster und die mysteriösen Kreppbandmuster auf dem Fußboden. „Das Rosenwerk ist immer im Wandel“, fügt Betti hinzu. „Wir sind ein Wissensforum. Jeder nimmt sich etwas mit, aber gibt auch viel. Wir lernen voneinander, indem wir machen.“

Die Arbeit wird den Ehrenamtlichen im Rosenwerk erst mal nicht ausgehen. Demnächst werden die Dresdner „Werkstattpiraten“ einziehen und mit ihren Holzarbeiten und dem Lastenfahrradbau neue Ideen einbringen. Und wer weiß, welche Pläne zwischen Milchsäuregarn und altmodischen Leselampen noch auf ihre Umsetzung warten. 

Viola Martin-Mönnich



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