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Website für Engagement und Flüchtlingshilfe: Afeefa

Miteinander kann so einfach sein

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16.09.2017
Autor: Anna Bakker

Alle für einen und einer für alle: Ehrenamtliches Engagement sichtbar und vor allem für jeden möglich zu  machen, das haben sich die Macher von „Afeefa“ auf die Fahnen geschrieben.  

 

Der Name ist Programm: Die Plattform hilft Geflüchteten und Ehrenamtlichen dabei, sich in dieser Stadt zurechtzufinden, Hilfs- und Freizeitangebote zu entdecken und sich eine Übersicht zu verschaffen. Das klappt mit einer interaktiven, intuitiv zu bedienenden Karte. 

 

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Die Idee dafür entstand im Zuge der großen Flüchtlingswellen während einer Versammlung des Bündnisses „Dresden für alle“.

Nachdem festgestellt wurde, dass ein Überblick über das ganze Engagement fehlte, alles unorganisiert wirkte und deswegen Angebote nicht effizient genutzt werden konnten, kam bei einer Vollversammlung im Januar 2015 die Idee für eine Online-Karte auf, in welcher alle Hilfsangebote selbsterklärend verzeichnet sind.

 

 

Am Anfang war das Chaos

„Zu dieser Zeit gab es durch die vielen Flüchtlinge auf der einen und der großen Pegida-Bewegung auf der anderen Seite eine starke Spannung in der Stadt und viele Menschen haben gespürt, dass jetzt der Zeitpunkt war, etwas zu tun und loszulegen.

Das Problem war: alle haben es gleichzeitig getan und zwar das Gleiche”, erklärt Jens, der seit einem halben Jahr dabei ist. Daraufhin wuchs das Bedürfnis nach besserer Koordination und einer Darstellung des Ganzen.

Also wurde die Karte erstellt, die alle Hilfsangebote und ehrenamtliches Engagement übersichtlich darstellt.

 

Im Sommer 2015 ging die Website dann online und „Afeefa“ war geboren.

Seitdem wurde stetig erweitert, aktualisiert und verbessert. Etwa zehn aktive Mitmachende hat das Projekt. Neben der Redaktion spielt die Programmierung der Website die größte Rolle.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit sowie Übersetzungen wollen gemacht werden, schließlich stellt „Afeefa“ Informationen

auf Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Farsi, Arabisch, Kurdisch und Tigrinya bereit.

 

Inzwischen sind es über 600 eingetragene Projekte und Organisationen wie zum Beispiel Freizeitangebote, Beratungsdienste und natürlich die zahlreichen Sprachangebote vom Deutschkurs über Hausaufgabenhilfe bis hin zu stillen Lernorten. 

 

Doch der Weg dorthin hielt einige Tücken bereit. Die erste Schwierigkeit war, dass das westliche Denken und das Verständnis von Medien nicht unbedingt mit dem der Geflüchteten übereinstimmte. „Wir hatten auf unseren Plakaten nur ‚Afeefa.de‘ stehen und dachten, die werden das schon so benutzen, wie wir das auch gewöhnt sind”, erzählt Felix.

„Da waren wir dann überrascht, dass so ein URL-Muster gar nicht verstanden wurde, da häufig nur What’s App und Facebook genutzt wurden und der Umgang mit Browsern nicht wirklich geläufig war.” 

Daraufhin wurde erst einmal eine Testrunde im Montagscafé des Staatsschauspiels gestartet, um die Herangehensweise der Menschen besser verstehen zu können.

 

„Wir Deutschen sind ja immer so organisiert, haben für alles und jeden einen Verantwortlichen und denken, dass es so möglichst einfach ist. Viele konnten mit der abstrakten Denkweise aber einfach nichts anfangen”, erklärt Felix.

Daraus konnten wichtige Erkenntnisse gezogen werden: dass Kategorien, bei welchen man um die Ecke denken muss, nicht gut funktionieren und dass direkte Einladungen zu Veranstaltungen, in denen etwas leicht Verständliches passiert, wesentlich besser angenommen werden. 

 

Ohne Rückmeldungen geht nichts

Nach wie vor wird hin und wieder im Montagscafé Feedback direkt von den Geflüchteten eingeholt, gemeinsam Anfragen bearbeitet und herausgefunden, welche Angebote besonders gefragt sind und was vielleicht noch fehlt.

Für diejenigen, die Probleme mit der Bedienung der Website hatten, gab es zwischenzeitlich ein Computercafé, in dem der Umgang mit dem Internet trainiert wurde.

 

„Am Anfang sind wir davon ausgegangen, dass die Seite hauptsächlich von Geflüchteten benutzt wird. Im Laufe der Zeit hat es sich jedoch zu einer sehr breit gefächerten Benutzergruppe entwickelt”, erzählt Johanna, eine der Redakteurinnen. 

 

Eine wichtige Zielgruppe seien auch sämtliche Organisationen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, zum Beispiel Anbieter von Sprachkursen, Beratungsstellen und Freizeitangebote, die ein kulturelles Miteinander fördern. 

„Afeefa“ fungiert dabei als Vermittler zwischen den Organisationen und den Geflüchteten.

Wenn man sich dann für eines der Angebote entschieden hat, erwarten einen tolle Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen und Menschen aus allen Kulturen und Ländern auf Augenhöhe zu begegnen.

Sei es beim Obst- & Gemüseanbau im Gemeinschaftsgarten des GartenNetzwerk Dresden, beim Fußballtreff in Löbtau oder dem internationalen Stammtisch der BEBAS Sprachschule, welcher jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat stattfindet und jedem die Möglichkeit gibt, sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

 

 Website für Engagement und Flüchtlingshilfe: Afeefa
Jens (links) und Felix von Afeefa.

Einfach weil man‘s kann 

Nach wie vor ein großes Problem von „Afeefa“ ist jedoch die Finanzierung, denn das Projekt lebt ausschließlich von Fördermitteln, die jedoch immer nur für ein Jahr und für ein exakt umrissenes Vorhaben bewilligt werden. 

Aus diesem Grund bleiben dann Dinge wie laufende Kosten oder die Redaktion schnell auf der Strecke. Die nächste Förderung wurde für die Expansion nach Leipzig und Bautzen bewilligt.

 

Das Allerwichtigste ist jedoch der Grundgedanke. Warum steckt man so viel Zeit und Leidenschaft in ein ehrenamtliches Projekt?

„Man engagiert sich ja nicht bloß, weil es jemandem schlecht geht, sondern man muss sich bewusst werden, dass man es ganz gut hat in der Welt, in der man lebt. Und damit das auch so bleibt, muss man sich eben auch dafür einsetzen”, sagt Felix.

Und Jens ergänzt: „Man sollte es einfach tun, weil es Bock macht, weil es möglich ist, weil es einfach ist, weil es nicht bloß irgendeine Hilfstätigkeit ist, sondern eine konkrete Gestaltungsmöglichkeit.”

Das Ziel sei es, dass Engagement etwas Selbstverständliches wird und: „Dass jeder sich für irgendetwas einsetzt. Dass ich neben Job, Freizeit und Familie eben auch noch etwas für die Gesellschaft tue. Das ist unsere Vision und wenn wir das geschafft haben, können wir Afeefa einstampfen.” 

 

Ihr wollt helfen oder gleich mitmachen?

Gesucht werden immer ehrenamtliche Mitarbeiter für Redaktion, Öffentlichkeitsarbeit oder auch Programmierung. Momentan ganz dringend benötigt: Ruby-Entwickler und UX-Designer.

Jeder ist natürlich auch herzlich eingeladen, seine Organisation oder Angebote eintragen zu lassen.



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