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Zu Besuch beim Roller Derby: Schach mit Mundschutz

Die Roller-Derby-Damen der Dresden Pioneers

09.04.2017

Sie heißen Kurly Push, 1Anne Klatsche oder Tricky Mad Wheelz, ihre Farben sind Gold und Lila, die Ruhmesgöttin Fama ziert ihr Logo. Ihre Freizeit verbringen sie auf Rollschuhen: das sind die Spielerinnen des Dresdner Roller Derby Teams "Dresden Pioneers".

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Beim Roller Derby sind Kraft, Ausdauer und strategisches Denken gefragt.

„Nichts für schwache Nerven“ – das fasst den US-amerikanischen Vollkontaktsport auf Rollschuhen wohl am besten zusammen. Beim Roller Derby rasen jeweils fünf Spielerinnen pro Team auf einem flachen Rundkurs, dem Flat Track, im Kreis. In zwei Halbzeiten á 30 Minuten überrundet die Jammerin in je zweiminütigen Läufen, den Jams, möglichst viele Gegnerinnen und erzielt so Punkte. Daran wird sie allerdings von den Blockerinnen des anderen Teams nach allen Regeln der Kunst gehindert.

 

Rempelei auf Rollschuhen? Ja, aber nicht nur!

 

Roller-Derby-Wettkämpfe, sogenannte Bouts, sind echte Happenings. Angefeuert von den Fans jagen oftmals furchteinflößend geschminkte Skaterinnen hintereinander her, brüllen Spielzüge und drängen einander unsanft beiseite. Ihre Spielernamen sind martialisch und der obligatorische Mundschutz offensichtlich nicht erst seit Gegnerinnen wie Mary Toothfairy absolut unerlässlich.

 

Für Außenstehenden sieht das – trotz Knie- und Ellenbogenschonern – nach wüster und vor allem schmerzhafter Rempelei auf Rollschuhen aus. Ist es aber nicht, betonen die Spielerinnen der Dresden Pioneers. Sie vergleichen Roller Derby mit ebenfalls körperbetonten Strategiesportarten wie Eishockey oder Football. „Es ist auch ein bisschen wie Schach spielen, nur, dass man dabei mit Ziegelsteinen beworfen wird“, witzelt eine. Damit niemand ernsthaft verletzt wird, gibt es ein komplexes Regelwerk. Nicht nur die Spielerinnen, auch die Schiedsrichter (Referees) sowie die Officials genannten Helfer leisten bei einem Bout Höchstarbeit.

 

Einhorn-Zebras gegen Homophobie

 

Roller Derby hat seine Wurzeln in den USA und wurde stark durch die Punk- und Frauenbewegung der 80er Jahre geprägt. Viele Roller-Derby-Ligen sind daher gesellschaftspolitisch engagiert, so auch die Dresden Pioneers. Hier prangt das Einhorn-Zebra mit dem Motto „Roller Derby Against Homophobia.“ auf T-Shirts, Fahnen und Aufklebern.

 

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Gewonnen! Die Dresden Pioneers stiegen nach ihrem Sieg gegen die Barockcity Roller Girls aus Ludwigsburg in die 1. Bundesliga auf.
In den 00er Jahren erfuhr die Sportart ein Revival und findet weltweit immer mehr Anhänger. International sind die Ligen im Dachverband Womens Flat Track Derby Association (WFTDA) organisiert. In Deutschland bilden die Teams häufig eigene Abteilungen lokaler Sportvereine. Die Dresden Pioneers sind seit beim SV Motor Mickten zuhause –  hier wurden sie „mit offenen Armen“ empfangen, wie sie stolz betonen. Seitdem trainieren das A-Team der Pioneers und das B-Team der Trackoons gemeinsam für Freundschaftsspiele, Turniere und Meisterschaften. 2014 stiegen die Pioneers in die 1. Bundesliga auf, vier Teammitglieder wurden sogar ins Team Germany aufgenommen und treten bei der Weltmeisterschaft in Manchester an.

 

Gemeinsam skaten, gemeinsam feiern


Die Liga der Dresden Pioneers hat rund 40 Mitglieder im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Jede Frau ab 18 kann mitmachen. Für die nötige Fahrpraxis sorgt ein speziell angebotener Volkshochschulkurs. Wer gar keine Lust auf blaue Flecken hat, macht als Schiedsrichter oder Official mit.

 

Ohnehin spiele neben dem Sport die Gemeinschaft eine große Rolle, erklären die Pioneers. Die Skaterinnen sind oftmals auch über Liga-Grenzen hinaus miteinander befreundet, organisieren Heim- und Auswärtsspiele, richten Veranstaltungen für Fans und Nachwuchsskaterinnen aus und gehen nach dem Spiel gemeinsam feiern. „Roller Derby endet eben nicht nach dem Training oder nach dem Spiel“, bringt eine Spielerin das Lebensgefühl Roller Derby auf den Punkt.

 

Du interessierst dich für Roller Derby? Die Dresden Pioneers trainieren dienstags und sonnabends in der Sporthalle des SV Motor Mickten, Pestalozzistr. 20. Hier findest du sie auf Facebook.



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