André Streng vom Leipziger Flowerpower im Interview mit urbanite.

Chef des Flowerpowers

7 Fragen an André Streng

26.08.2011
Autor: Lisa Garn

Profil: 40/m/Chef der Musikkneipe Flowerpower. Wenn er in der Riemannstraße vorbeischaut, halten Autos und Radfahrer an – auf ein kleines Schwätzchen. Er ist Leipzigern ein Begriff, besonders den Nachtschwärmern, und er ist ein Kontaktpfleger. Im August 1996 eröffnete er das stadtbekannte Flowerpower. Davor hatte der gelernte Autoschlosser seit 1990 als Kellner gearbeitet. urbanite sprach mit ihm über die Anfangsjahre des Flowerpower, Hausbesetzerszene und die kleine Weltstadt Leipzig.
 
André Streng vom Leipziger Flowerpower im Interview mit urbanite.
Gelernter Autoschlosser, Kellner, Vergangenheit in der Punkerszene und heute stadtbekannter Chef des Flowerpowers Leipzig in der Riemannstraße: André Streng.
15 Jahre Flowerpower – wie kamst Du überhaupt auf die Idee zur Musikkneipe?
Ich war in der Leipziger Gastro- und Hausbesetzerszene ein bunter Hund, habe in etlichen Läden und Diskos gekellnert. Schon immer war ich ein komischer Klassenkasper und Entertainer. Ich wollte die Leute unterhalten, auch als Kellner. Und irgendwann wollte ich mehr, meine eigene Kneipe. Das Konzept war, einen Ort für das alternative Publikum, meine Kumpels und die Diskoszene zu schaffen. Die wichtigste Rolle spielt dabei die Musik, Rock und Oldies, und es sollte ein kleiner Laden sein, um das Risko gering zu halten.
 
Und wie liefen die ersten Jahre?
Das Flowerpower ist eingeschlagen wie eine Bombe. In den Anfangsjahren konnte ich erst Sonntags Parties veranstalten, an den anderen Tagen war es einfach zu voll. Sicher habe ich die Kneipe auch durch meine Person vollgemacht. Ich hatte keine Ahnung von nichts, aber ich ließ die teuersten Dj's bei mir auflegen. Das hat meine Kalkulation, die ich nicht hatte, auch ein wenig durcheinander gebracht. Das Motto war: Jeden Tag DJ''s jeden Tag voll.
 
Warum hält sich die Kneipe so erfolgreich?
Vor dem Flowerpower war hier die schlimmste Unterweltkneipe, in der Straße wurden echt Leute umgebracht. Der Vermieter hat mich genommen, weil ich sozusagen friedliche Absichten hatte. Ich schätze, die Musik macht sie zu was besonderem, wir haben jeden Tag anderers Publikum durch unterschiedliche Veranstaltungen und ich habe eine Nische gefunden: Irgendwann habe ich die Fenster verdunkelt, man vergisst also die Zeit. Die Leute sitzen bis open end, während woanders die Lichter ausgehen. Das war eine Lücke in Leipzig. Mittlerweile habe ich zehn Eröffnungen als Franchise-Geber mitgemacht, unter anderem in Dresden, Chemnitz und Magdeburg.

Klingt nach einer steilen Karriere. Wann kam der Fall?
Als 1998 das Franchise begann, wurde es zuviel. Ich war platt, hatte ein Burn-Out, weil ich zu viel selbst gemacht habe. Ich musste runterfahren, sonst wäre ich kaputt gegangen, aber der Laden lief trotzdem weiter. Heute kümmere ich mich lieber um meine Familie, meine Frau und vier Kinder, und bin im Hintergrund. Ich bin für das Organisatorische zuständig, für die Buchhaltung.
 
Was führte dich damals in die Hausbesetzerszene?
Für mich waren wir in der Simildenstraße in Connewitz eine Familie. Mein Vater war Leipziger Kripochef, ich sollte auch zur Polizei – vielleicht hat mich das 1988 in die Szene geführt. Aber als ich mal im Urlaub war und mein Kühlschrank leer gegessen war, da begann ich zu zweifeln. Und als die Drogen in die Punkszene kamen, stieg ich aus.
 
Wie hat sich Leipzig in den Jahren verändert?
Früher habe ich nur meine Kneipe gesehen. Wenn ich heute durch die Stadt fahre, sieht sie toll aus. Sie ist saniert, einfach schön und sie ist eine kleine Weltstadt geworden.
 
Und wo entspannst Du Dich?
Ich bin so eine Art Homie und gern zu Hause. Hier ist auch mein Büro, hier passe ich auf unseren 5-jährigen Sohn auf, wenn meine Frau – sie ist Musikerin – auf Konzerten ist. Am liebsten bin ich in Dorfkneipen oder eben kleineren Kneipe, weil es hier ehrlicher ist.

Weiterführende Links

 

www.flower-power.de


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