Ein Gespräch über die Liebe

Interview mit Dr. Eckart von Hirschhausen

19.09.2012
W Wenn Dr. Eckart von Hirschhausen Sprechstunde hält, dann geschieht dies meistens vor Menschen, denen vor Lachen die Bäuche schmerzen. Mit seinem Programm „Liebesbeweise“ kommt er am 26. September auch nach Leipzig und versucht, uns die chaotische Angelegenheit der Liebe zu erklären. NR

Foto: Frank Eidel
Herr von Hirschhausen, Sie als Mediziner können uns doch bestimmt sagen: Was ist eigentlich Liebe? Sind's die Hormone oder ist es doch die pure Magie?
Als Mediziner ist man versucht, Liebe als Spiel von Hormonen zu erklären und darauf zu reduzieren. Aber dennoch bleibt ein Rest, der wunderbar und unerklärlich ist. Es gibt verschiedene Formen der Liebe: Die eine, Verliebtheit, ist mit erhöhtem Dopamin-Ausstoß, mit Verwirrt- und Verrücktheit und dem Rausch des Augenblicks verbunden. Die andere, wenn das Hormon Oxytocin regiert, zielt eher auf Nähe, Vertrautheit und Dauer. Trotzdem schlagen uns allen zwei Herzen in der Brust, eines ist romantisch, das andere realistisch.
Gibt es eigentlich eine wissenschaftliche Erklärung für die "rosarote Brille"?
Man kann die „rosarote Brille“ wirklich sehen. Also nicht der Verliebte selbst, aber alle anderen. Das Hirn bei Frischverliebten ähnelt im MRT dem von Zwangsgestörten. Alle Gedanken werden wahnhaft mit dem Objekt der Begierde verknüpft. Verliebte sagen Sätze wie: „Schau mal, hier fährt ein rotes Auto, mein Schatz fährt auch ein rotes Auto, und wenn eins vorbeikommt, dann soll mir das sagen, dass er gerade an mich denkt!“ Dafür kann man in der Klinik schon mal Medikamente bekommen. Aber das macht kein Arzt, denn jeder weiß: Es dauert nicht lange und geht auch von ganz allein vorbei.
Foto: Frank Eidel
Also sind Sie auch der Meinung, dass es die Liebe auf den ersten Blick gibt? Oder existiert diese doch nur im Film?
Natürlich gibt es Liebe auf den ersten Blick. Dagegen hilft nur der zweite. Im Film dominiert meistens die romantische Idee: Romeo und Julia gelten als DAS Liebespaar, weil sie es so schwer hatten und für die große Liebe in den Tod gingen. Vollkommener Quatsch! Die beiden hatten es leicht, sie mussten es ja nie ernsthaft miteinander versuchen und konnten sich erst im Tode vereinen. Nennen Sie mich unromantisch, aber ich vereine mich am liebsten lebendig!
Nicht jeder wählt bei Liebeskummer den radikalen Weg wie Romeo und Julia. Da helfen eher Süßigkeiten und Liebesfilme. Aber es muss doch auch anders gehen. Wann gibt es endlich ein Allheilmittel gegen Herzschmerz?
Gegenfrage: Wollen wir wirklich die schlechten Gefühle einfach ausblenden können? Dann wüssten wir die schönen Gefühle doch gar nicht mehr zu schätzen. Meine Großmutter sagte schon bei Liebeskummer: „Nicht heulen, mach einen Waldlauf!“ Und Recht hatte sie, wie die Wissenschaft heute bestätigt. Körperliche Bewegung ist eines der besten natürlichen Antidepressiva.
Foto: Frank Eidel
Am 26. September kommen Sie nach Leipzig. Was erwartet Ihre Zuschauer?
Wer mich nur aus dem Fernsehen kennt, kennt mich nicht wirklich. Ich bin erst auf der Bühne so richtig in meinem Element, und was gerade in den improvisierten Teilen mit dem Publikum passiert, macht jede Show einzigartig. Daher wette ich, dass meine Besucher in Leipzig glücklicher und gesünder aus meinem Programm gehen. Der Zuschauer soll etwas mitnehmen, woran er sich später im Alltag – schmunzelnd – erinnert, was ihn ermuntert und bestärkt. Das ist ein deutlicher Unterschied zu Comedy, wo meist nur der momentane Lacher zählt, die Pointe, an die man sich später kaum mehr erinnert.
Vielen Dank für das Interview!


NR

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