AM to PM: Peter Schneider

„Selbst, wenn die Lokalitäten geöffnet hätten, dürfte ich nicht reingehen“

12.02.2021

 

Wo löffelt Leipzig Milchschaum, wenn über der Stadt die Sonne aufgeht? Wo wird der Durst nach Kultur und leckerem Essen gestillt? Von „AM to PM“ hängen wir an euren Fersen, um die Orte und die Menschen zu beleuchten, die unsere Stadt lebendig machen.

AM to PM: Peter Schneider

Peter Schneider

Wer Peter Schneider auf den Straßen Leipzigs begegnet, wird wahrscheinlich ein Déjà-vu erleben. Der gebürtige Leipziger arbeitet nämlich als Musiker sowie freiberuflicher Schauspieler im Film-, Fernseh- und Theaterbereich. Wenn er also nicht gerade auf Bühnen steht oder sich Musik- und Kinoproduktionen widmet, flimmert er vorwiegend in deutschen Krimi-Formaten wie Tatort oder dem Usedom-Krimi über den Bildschirm heimischer Fernsehgeräte. Seit 2017 erlangte er auch internationale Reichweite mit dem Science-Fiction-Spektakel „Dark“ auf Netflix. Dort ist er in seiner Rolle als „Helge Doppler“ Teil des wohl verworrensten Stammbaums in der deutschen Seriengeschichte.

 

AM to PM: Peter Schneider
Wie startest du in den Tag?

Na ja, es gibt verschiedene Tage bei mir. Wenn ich hier in Leipzig bin, wird der Tag durch meine Kinder bestimmt. Wir stehen 6:30 Uhr auf, dann frühstücken wir und danach gehen die Kinder in die Schule. Meine Frau oder ich bringen die Kleine zur Schule, da sie erst in der zweiten Klasse ist. Danach kann ich mir einen Teil meiner Arbeit selbst einteilen und zu Hause beispielsweise Texte lernen oder Bürokram erledigen – oder ich ziehe mich in mein kleines Büro auf der Karli zurück. Dort ist auch ein kleines Tonstudio für meine Musik drin oder wenn ich Sachen vorproduziere.

Und dann gibt es den anderen Alltag, wenn ich drehe oder probe. Die Dreharbeiten finden ja meistens nicht in Leipzig statt, sodass ich in dieser Zeit dann im Hotel einer anderen Stadt lebe. Dort geht es dann aber auch früh los. Man wird abgeholt, zum Drehort gebracht und dann wird gedreht. Bei Theaterproduktionen geht man meist erst um 10 Uhr zur Probe und bleibt dort bis 14 Uhr und dann nochmal von 18 Uhr bis 22 Uhr.

 

Also bist du doch eher Frühaufsteher als Langschläfer? 

Ich bin tatsächlich eher ein Nachtmensch, aber durch die Kinder hat sich der ganze Rhythmus verschoben. Die Dreharbeiten beginnen ja meistens auch ganz früh, es sei denn man dreht nachts (lacht).

  

Gibt es empfehlenswerte Lokalitäten, die du im Laufe des Tages hier in Leipzig aufsuchst?

Ich gehe gerne zu „Efes“ auf der Karli, da der Döner mir dort sehr gut schmeckt. Und ich esse auch gerne vietnamesisch, da mag ich besonders das „CÀ PHÁO“ auf der Karli und natürlich das Puschkin. Das ist meine Stammlokalität, da ich Sven, den Inhaber, sehr gut kenne oder manchmal Noels Ballroom. Ich halte mich vorwiegend in der Südvorstadt auf, das ist so meine Gegend.

 

Durch den aktuellen Lockdown sind alle gastronomischen und kulturellen Einrichtungen geschlossen. Wie gehst du damit um?

Mich persönlich beeinflusst das Gott sei Dank nicht ganz so stark. Da ich seit Ende August wieder arbeiten darf, stehe ich unter einem relativ strengen Monitoring. Ich werde ein bis zweimal in der Woche auf COVID getestet und bin dazu angehalten, mich von Menschenansammlungen fernzuhalten, da eine mögliche Infektion das gesamte Team betreffen würde und die Produktion dann runtergefahren werden müsste. Das ist eine große Verantwortung, die jeder trägt und man muss da sehr vorsichtig sein.

Im Spätsommer war es ja so schön, dass man draußen sitzen konnte und da waren wir mehr als sonst essen. Um meinen Kumpel von der Hafenbar oder das Café „Sòley“ zu unterstützen, haben wir Gutscheine gekauft, die wir verfressen haben (lacht). Aber selbst, wenn die Lokalitäten geöffnet hätten, dürfte ich nicht reingehen.

 

Welches Etablissement vermisst du am meisten?

Ich vermisse es total, im Puschkin zu sein, zumal
ich auch ein geselliger Mensch bin, der gerne mal in einer Kneipe mit Freunden sitzt. Das ist leider schwierig zur Zeit.

 

Als Leipziger Schauspieler bist du des Öfteren an Film- und Fernsehproduktionen in und um Leipzig beteiligt. Kannst du uns geheime Drehorte verraten?

Ich sage mal so, so geheim sind die gar nicht (lacht). Wenn wir beispielweise in Wohnungen drehen, sind das welche von Privatpersonen, die uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Und dann ist das ganz offensichtlich, wenn da ein ganzer Fuhrpark an LKWs und Trailern anrückt und auf der Straße steht. Es müssen ja auch Drehgenehmigungen eingeholt und manchmal Straßen abgesperrt und die Anwohner informiert werden. Wir haben letztens in der Schenkendorfstraße gedreht und da mussten die Stromgeneratoren, die ziemlich laut sind, umgesteckt werden, da in dem Wohnhaus Babys schlafen wollten. Also man versucht da schon so unauffällig wie möglich zu sein, aber das ist etwas schwierig, wenn da ein Filmteam von 60 bis 100 Leuten plötzlich einfällt. Wir versuchen da immer aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Oder erst kürzlich waren wir in Schönefeld in so einer Kneipe, die nicht mehr aufhat. Und die war noch genauso ausgestattet beziehungsweise konnte ich nicht sagen, was Original und was Requisite war. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht, obwohl man ja momentan in keine Kneipe reindarf (lacht). Für „Als wir träumten“ von Andi Dresen haben wir in der alten Sternburg-Brauerei diese alten illegalen Techno-Partys der 90er Jahre gedreht.

Das sind halt Orte, die es heute nicht mehr gibt. Und das ist ganz interessant, dass man oft auf so alten abgeranzten Fabrikgeländen dreht und dass Filme solche Orte erhalten, weil die sonst verschwinden würden. Oder es werden Lofts gebaut (lacht).

 

Mehr Infos über Peter Schneider findet ihr unter: www.peter-schneider.tv



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