Archive in Leipzig 2015 im Werk 2 - im Interview

Archive im Interview über Künstleregos, Kommerz und Klappe halten

Archive: „Haltet die Klappe und hört auf die Musik“

20.03.2015

Die Fleißigen Bienchen von Archive müssen Hummeln in ihren Allerwertesten haben. Anders ist nicht zu erklären, warum sie nach gut einem halben Jahr, nachdem sie die Platte „Axiom“ und den dazugehörigen 40-minütigen Kurzfilm herausbrachten, bereits mit dem neuen Album „Restriction“ um die Ecke kommen. Am 23. März 2015 kommt die Londoner Band, präsentiert von urbanite, ins Werk 2, inklusive multimedialem Konzept. Wir sprachen vorher mit Danny Griffiths – der mit Darius Keeler und Pollard Berrier den festen Kern der Band darstellt – u.a. über Künstleregos und die Balance zwischen Künstlerdasein und Rechnungen bezahlen. 

Archive in Leipzig 2015 im Werk 2 - im Interview
"Das Gute an so einer großen Band ist die Energie, die dabei entsteht. Jeder hat etwas beizutragen. Das Schlechte ist, jeder hat etwas beizutragen …"

Um was geht es bei „Restriction“?
Es ist ein sehr songbasiertes Album. Es gibt aber kein übergreifendes Thema und auch kein Konzept. Es ist sehr offen gehalten. Jeder kann mit dem Album verbinden, was er will. Manche von den Songs sind zweitgeteilt in den Emotionen. Aber so ist das Leben ja auch. Es gibt nicht immer nur dieses eine Gefühl in einer Situation. Wir haben viel mit Brüchen gearbeitet. Es sollte weniger harmonisch klingen – und das haben wir vor allem auch mit Störgeräuschen hinbekommen.

Ihr habt mit Dangervisit euer eigenes Label. 
Wir hatten die Wahl, ein eigenes Label aufzubauen oder bei einem Major zu bleiben – das ist sehr privilegiert. Man ist einfach viel unabhängiger – und das macht auch mehr Spaß. Zum Beispiel haben wir einfach entschieden, dass wir drei Singles auf einmal releasen. Nur weil wir es so wollten. Das wäre bei einem Major nicht möglich gewesen. Aber wir wollten den Fans damit die große Bandbreite des Albums zeigen. 

Was ist ein negativer Aspekt?
Man hat halt mehr zu tun (lacht).

Ihr seid in ganz Europa erfolgreich und ausgerechnet in eurer Heimat Groß Britannien eher weniger. Warum?
So wirklich können wir uns das nicht erklären. Uns gibt es schließlich schon seit 20 Jahren … (lacht). Vielleicht sind wir zu experimentierfreudig? Wir können ganz gut damit leben und machen deswegen jetzt auch keine andere Musik. Und die Fans, die wir in England haben, sind sehr treu und einfach großartig. Allerdings haben wir auch das Gefühl, das noch was in England geht. Langsam kriegt man uns dort auch mit (lacht) – und das ist wirklich schön.

Ihr habt viele Bandmitglieder – ehemalige, aktuelle. Was ist die Schwierigkeit, mit so vielen Künstlern zusammenzuarbeiten?
Das Gute an so vielen Menschen ist die Energie, die dabei entsteht. Jeder hat etwas beizutragen. Das Schlechte ist, jeder hat etwas beizutragen … (lacht). Es ist nicht immer leicht und manchmal ist es sogar sonderbar.

Was ist mit den Künstleregos? 
Die meisten wollen gar nicht im Vordergrund stehen. Es ist kein Wettbewerb. Die meisten sind damit glücklich zur Musik und zum Album etwas beitragen zu können. 

Der Legende nach schreist du Leute in einem Pub an, wenn Archive läuft: „Haltet die Klappe und hört auf die Musik“. Auf der anderen Seite wird euer Song „You Make Me Feel“ in einer TV-Werbung für einen Kosmetikkonzern genutzt. Ist das der berühmte Spagat zwischen Künstlerdasein und Geld verdienen?
Ja, absolut, das ist es. Eigentlich willst du etwas Besonderes, etwas Künstlerisches kreieren. Aber allein davon, dass deine Musik gut ist, kannst du nicht leben. Du musst ja irgendwie deine Rechnungen zahlen. Es ist sehr schwierig. Aber solange es sich nur um Shampoo handelt, was man bewirbt, ist es schon ok.

Welches Resümee ziehst du nach 20 Jahren Archive im Musikbusiness?
Wir haben immer versucht, unseren Stil drastisch zu verändern – und ich glaube, das ist ein guter Weg, damit die Arbeit nicht langweilt und auch die Fans unsere Musik nicht langweilig finden. Und es zeigt sich tatsächlich, dass man das, was man macht, wirklich lieben muss – es geht nicht ums Geld. Ich würde allerdings sagen, dass wir heute härter arbeiten, als früher. 

Was: Archive live in Leipzig
Wann: 23. März 2015 um 20 Uhr
Wo: Werk 2

 



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