Hereinspaziert - Blick hinter Leipzigs Türen

Blick durchs Schlüsselloch

Leipzig per Stadtkarawane entdecken

23.03.2013
Autor: urbanite 

Stadtführungen können öde sein: „Die Kirche wurde im 18. Jahrhundert erbaut, Goethe lebte hier in der Zeit von…“ und so weiter. Ganz anders bei der Stadt Karawane, einer alternativen Entdeckungstour durch Leipzig: Hier lernt ihr die Menschen und das Lebensgefühl kennen – getreu dem Motto „Heute schon durchs Schlüsselloch geschaut?“

Hereinspaziert - Blick hinter Leipzigs Türen
Hereinspaziert - Blick hinter Leipzigs Türen
Einmal am Auto mitschrauben? Oder beim Sport schwitzen? Oder doch mit vier Mädels einen netten Schwatz halten? Die Stadt aus dem Blickwinkel eines Rollstuhlfahrers sehen? Der Tee und Kaffee ist auf jeden Fall schon gekocht, die Plätzchen stehen auf dem Tisch, wenn die Stadt Karawane beginnt. „Die Teilnehmer treffen sich in gemütlicher Runde, wir erklären ihnen das Konzept“, erzählt Cristina Gutu, die gemeinsam mit sechs anderen Studenten das Projekt entwickelt und realisiert hat. Und dann müssen die Touristen und Leipziger aktiv werden: Ausgestattet mit Stadtplan, Straßenbahnticket und den Adressen ihrer Gastgeber zieht ihr in kleinen Gruppen los und könnt gespannt sein, was auf euch zukommt. In den nächsten Stunden lernt ihr zwei bis drei Leipziger und deren Leben kennen. Wer das ist, bleibt eine Überraschung.

„Es geht zu den Bewohnern der Stadt und die machen Leipzig schließlich aus“

Das gehört zum Konzept: Jede Karawane, jeder Gastgeber und auch jede Gruppe ist anders. Da besucht ihr mit einer Familie die nächstgelegene Autowerkstatt, geht mit einem Hannoveraner zum Kunstworkshop oder trefft gemeinsam mit Opa eine blinde Frau. Interessante Begegnungen und Gespräche ergeben sich im Idealfall. „Es geht zu den Bewohnern der Stadt und die machen Leipzig schließlich aus“, erklärt Organisatorin Anja Schyma. „Man lernt eine Welt und ein Lebensgefühl kennen, das man so vielleicht noch nicht kannte.“ Und trifft Menschen, die etwas Interessantes zu erzählen haben. „Aber es ist immer ein Austausch zwischen beiden Seiten. Es gibt keinen klassischen Stadtführer, der etwas erzählt“, beschreibt Sophie Rathke. „Vielleicht berichtet auch ein anderer Teilnehmer interessante Anekdoten aus seinem Leben.“

Alle können bei der Stadtkarawane mitmachen
Alle können bei der Stadtkarawane mitmachen
Diese Erfahrung hat Mitorganisatorin Lisa Füchte schon gemacht, als sie – sozusagen inkognito – mit der Karawane durch Leipzig zog. „Da ich zu Beginn des Projekts verreist war, kannte ich die Gastgeber auch noch nicht und konnte mich so vollends einlassen“, erzählt sie. Café mit Fahrradwerkstatt und Theater standen bei ihr auf dem Programm. „Zuviel erzähle ich davon aber nicht, die nächsten Teilnehmer sollen sich überraschen lassen“, sagt sie, deren Karawane neue Inspiration für das Projekt lieferte. Als sich ihre Gruppe im Café unterhielt, sei zufällig ein anderer Gast auf die Entdeckungstour aufmerksam geworden – heute zeigt er Leuten selbst sein Heim.

Gastgeber werden immer gesucht

„Man muss die Augen immer offen halten“, sagt Schyma und erklärt, dass nicht nur Privatpersonen in ihr Heim einladen, sondern auch Vereine und Initiativen Einblicke in ihr Engagement geben. „Wir suchen auch immer Gastgeber“, sagt Gutu, „zum Beispiel Leute, die historische Ereignisse wie die Friedliche Revolution erlebt haben, können sich gern bei uns melden.“ Denn Ziel des Projekts ist es nicht nur, den Teilnehmern einen schönen Samstagnachmittag zu bereiten, sondern auch Menschen mit verschiedenen Nationalitäten, aus verschiedenen Altersgruppen und mit verschiedenen Lebenskonzepten zu verbinden.
Die Idee stammt aus den Niederlanden: In Rotterdam gibt es die City Safari schon seit Jahren. „Aber dort ist es eher für Unternehmen gedacht“, beschreibt Rathke die Unterschiede zum eigenen Konzept, „und soll das Wirtschaftswachstum in strukturschwachen Stadtteilen ankurbeln“. Die Leipziger Stadt Karawane dagegen ist nicht-kommerziell orientiert.

Jenifer Hochhaus

Mehr Infos findet ihr unter stadtkarawane.de



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