Die Wunderfinder

Die Wunderfinder – ein Patenprogramm für Leipziger Grundschüler

Ein Projekt voller Wunder und ein wundervolles Projekt

17.01.2020

Den Horizont erweitern und neue Interessen entdecken – Kinder sind von Natur aus neugierig, probieren sich gerne aus und sind bereit, ihre Umwelt zu erkunden. Was sie dafür brauchen ist eine Umgebung, die es ihnen nicht nur ermöglicht, sondern sie dazu ermutigt und dabei unterstützt, neue Erfahrungen zu sammeln. Dort, wo Kinder – aus unterschiedlichsten Gründen – besonders erschwerte Startbedingungen haben, setzt das Projekt „Die Wunderfinder” an. In Kooperation mit mittlerweile fünf Schulhorten und unter Einbezug der Eltern konnte das Patenschaftsprogramm schon über fünf Jahre aufleben. Ca. 20 ausgewählte Hortkinder pro Schule im Alter zwischen 8 und 11 Jahren bilden mit einer erwachsenen Person für ein Jahr ein Trio-Team, um gemeinsam bei Exkursionen die Stadt zu erkunden.

 

Die Wunderfinder

Gemeinsam auf Wunderspurensuche

 

Am 7. November 2019 durfte ich den Hort der Adolph-Diesterweg-Schule in ein neues Wunderfinderjahr begleiten. 2019 feierte das Projekt sein fünfjähriges Bestehen und ganz traditionell beginnt das neue Wunder-Jahr mit einer Schatzsuche. 

 

Die Wunderfinder
In der Schule treffe ich die Projektleiterin, Patinnen und Kids. Einige der umherwuselnden Patenkinder sind schon ganz erpicht darauf, ihre Patin für sich einzunehmen. Die Teams wurden vorher von den ErzieherInnen zusammengestellt und konnten sich schon kennenlernen, um zu schauen ob die Chemie stimmt. Männliche Paten gibt es dieses Jahr in diesem Hort leider nicht. Bevor Hortnerin Theresia Neumann die Kids auf die Patinnen loslässt, muss festgestellt werden, ob alle wissen wie es draußen läuft. Klar ist: Sie rennen nicht weg, nehmen keine Brillen weg, sagen keine bösen Wörter, stellen ihre vor Neugier strotzenden Fragen an die Patinnen und halten sich an gemeinsame Vereinbarungen. Nach kurzer Zeit wird klar – die Exkursionsetikette sitzt. Die Kinder können nun Karte und Erwachsenen an sich nehmen. Normalerweise werden diese Teams aus einem Erwachsenen und zwei Kindern gebildet. In diesem Jahr gab es viele qualifizierte Patenschaftsbewerbungen, sodass hier überwiegend Duos loslegen können. Aufgabe Nummer Eins: Teamnamen finden und das Team vorstellen. Mehrere Drachenteams, Team Erdbeereis, Kuchen, Eisprinzessinnen und Co. geben sich zum Besten und starten nun die Suche nach dem Schatz.

 

Besseres Wetter hätte es Anfang November wohl kaum geben können – bei strahlendem Sonnenschein sind sie auf dem Weg, um das ein oder andere Rätsel und die richtige Route zum Schatz zu finden. Sie halten die Augen offen nach eisernem Eichenlaub, einer lächelnden Person, berechnen, wie alt die Wunderfinder-Gruppe insgesamt ist, und lösen viele weitere Aufgaben, bis sie am Ziel-Spielplatz ankommen, wo schon der Schatz vom Klettergerüst baumelt: Die Wunderfinderbeutel mit der Wunderfinderausrüstung, zu der ein WF-Tagebuch zur kindergerechten Dokumentation ihrer Erlebnisse und eine Warnweste gehören. Einmal auf dem großen Spielplatz angelangt, muss es nach einer kleinen Stärkung mit den Patinnen auch Zeit zum Spielen geben. Meine Zeit, um mehr über die ehrenamtlichen Aufpasserinnen zu erfahren. 

  

Gegenseitige Wertschätzung

 

Die Wunderfinder
Ich spreche mit einer Studierenden für Gymnasiallehramt und Jura, einer ehemaligen Mitarbeiterin eines Wirtschaftsforschungsinstituts, einer Kulturmanagerin und einer bereits in Rente gegangenen Ökonompädagogin. Einige von ihnen begleiten das Projekt schon seit ein paar Jahren, andere sind ganz frisch dazu gestoßen. Durch Onlinerecherche, Plakate mit Abrisszetteln, über die Freiwilligenagentur und ihre eigene Arbeitsstelle haben sie von dieser Möglichkeit zur Patenschaft und Förderung von Kindern erfahren und empfanden es als eine wunderbare Möglichkeit, einen Unterschied zu machen. Vorgespräche und Vorbereitungstreffen und der organisatorische Einsatz durch Projektleiterin Trendela Braun halfen ihnen, dieser Aufgabe mit einem rundum guten Gefühl entgegenzutreten. Sie wissen: Wenn nötig, stehen ihnen professioneller Rat und Beistand zur Seite.

 

Für die ehrenamtlich engagierten Patinnen ist das Projekt ein ebenwertiger Austausch. Oft berühren sich hier zwei Lebenswelten, die sonst nicht aufeinandertreffen würden. Beide Seiten schöpfen daraus viel Wertvolles. Zehn gemeinsame Nachmittage verbringen Patenkind und Erwachsene in einem Jahr gemeinsam, fünf davon finden als Ausflüge zu verschiedenen Wunderorten statt, z.B. der Einblick in eine Bäckerei, eine Führung durch die Red Bull Arena, ein Besuch des Uniriesen oder einer Tierarztpraxis, ins Museum oder Kino und vieles mehr. Bei den fünf weiteren Treffen soll jeweils einige Zeit nach einer solchen Exkursion besprochen werden, was die Kinder alles erlebt und gelernt haben, was sie noch interessiert und wo der nächste Ausflug hingehen kann. Aber eben auch Erwachsene können dabei viel mitnehmen und auch von der Freude und der Verspieltheit eines Kindes lernen.

„Es ist so einfach, Kinder glücklich zu machen. Kinder machen immer mit, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt. Es liegt in ihrer Natur, dass sie raus und etwas erleben wollen.”

Diejenigen, die schon länger dabei sind, erzählen mir davon, wie die Kinder über die Zeit der Patenschaft Vertrauen zu ihnen aufgebaut haben, aber auch zu sich selbst und so neue Interessen erschließen konnten. Sie sind dankbar für die auf sie konzentrierte Zuwendung. Auch die von mir befragten Kinder freuen sich auf die Ausflüge, besonders aufs Eis essen und befinden das Ganze bisher für „gut”. Die strahlenden Gesichter lassen auf jeden Fall auf einen erfolgreichen Start ins neue Wunderfinder-Jahr schließen.

 

 

Pfeiler der Gesellschaft

 

Dieses Bildungsprojekt wird unterstützt durch die Stiftung „Bürger für Leipzig“, welche sich zum Ziel gemacht hat, besonders die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Solche Einrichtungen von Bürgern für Bürger werden von Spenden und der wertvollen Arbeit ehrenamtlicher HelferInnen am Leben gehalten und sind besonders wichtig für unsere Gesellschaft. Denn trotz des starken Wachstums unserer Stadt und dem Anstieg des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens geht aus Leipzigs Sozialreport 2019 der gleichzeitige Anstieg der Armutsgefährdungsquote hervor. Der Zugang zu Bildung ist auch heute noch stark vom Einkommen der Eltern abhängig, gemeinnützige Bürgerstiftungen wollen dafür einen Ausgleich schaffen. 

 

Weitere Informationen zum Mitmachen, Spenden, Mitwirken sind zu finden unter: Wunderfinder sowie der Stiftung Bürger für Leipzig

 

Neue Projekte

 

Die Stiftung Bürger für Leipzig startet im Januar ein neues Projekt - LeipzigZimmer. Es entsteht im Obergeschoss der Stadtbibliothek am Leuschnerplatz und ist ein kreativer, offener, barrierefreier Raum, der zum Mitmachen, Begegnen und Austauschen einlädt. Von Bürgern für Projekte buchbar, kann er eigenverantwortlich genutzt werden. Die Eröffnungsveranstaltung findet am 16. Januar mit u.a. einer Ausstellungseröffnung zu „Leipzig in den 1960er Jahren”, statt. Dafür haben Bürgerinnen und Bürger Anekdoten und Erlebnisse gesammelt, die anschaulich aufbereitet wurden.



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