Grünes Leipzig #6: NatürLicht

Grünes Leipzig #6: NatürLicht

Es werde Licht!

24.02.2020

Dieses Licht muss einem erst mal aufgehen: Wie oft denkt eigentlich jeder von uns über Teelichter nach? So gut wie jeder hat sie im Haus, sie sorgen für Gemütlichkeit und werden vor allem in der gerade erst vergangenen Weihnachtszeit gern angezündet. Dass jede der kleinen Kerzen, die uns im Schnitt etwa drei bis vier Stunden Licht spenden, von nicht recyclebaren Materialien umwickelt ist, rückt bei all der „Muschebubu”-Stimmung oft in die hinterste Ecke unserer Köpfe. Ein Gründerteam der HTWK Leipzig hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Mit NatürLicht haben Karsten Jahn und Paul Handrick ein Einmal-Licht erfunden, das man nach dem Erlöschen getrost im Bio- oder Restmüll entsorgen kann.

Grünes Leipzig #6: NatürLicht

 Wenn schon One-Night-Stand, dann aber natürlich!

 

Die beiden Tüftler lernten sich durch einen Professor an der Hochschule kennen. Schnell war Paul (Foto: links), der als Ingenieur die Maschinen entwickelt, die zur Herstellung der recyclebaren Teelichter nötig sind, von Karstens Idee begeistert. Über die Uni kamen sie an ein Stipendium, das es ihnen ermöglichte, diese auch in die Tat umzusetzen. Das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz haben sich die zwei schon länger auf die Fahne geschrieben. Beim Besuch eines Aluminiumwerks in Afrika kam Karsten (Foto: rechts) ins Grübeln: „Aluminium ist ein langlebiger Rohstoff. Bei Einwegprodukten wie Teelichtern ergibt solch ein Material wenig Sinn. Das motivierte mich, das Produkt nachhaltig zu machen.”

Zwar gibt es auch umweltfreundlichere Ideen, wie die Verwendung von mit Wachs gefüllten Gläsern, für die meisten Konsumenten aber bleibt das Teelicht eine „einmalige Sache”. Also musste ein neues Material her! Woraus genau die Hülle der NatürLichter besteht, verraten uns die beiden nicht, aber so viel sei gesagt: Für das steinartige Material werden ausschließlich natürliche Rohstoffe aus der Region verwendet. Um mit dem leichten Material arbeiten zu können, musste Paul zunächst neue Geräte entwickeln. „Die Hülle wiegt im trockenen Zustand gerade einmal sieben Gramm – solche filigranen Werkezeuge, die zur Verarbeitung nötig sind, gab es bisher noch nicht.”

Das Wachs der Kerzen wird aus recycelten Pflanzenfetten hergestellt, ist frei von Paraffin und damit lebensmittelecht. Zerkleinert verrottet die Hülle sogar auf dem Komposthaufen oder kann unter Blumenerde gemischt werden. Und noch eine andere Rechnung geht hier auf: Für die Herstellung der recyclebaren Teelichter wird nur ein Bruchteil der Energie aufgewendet, die für die Produktion der herkömmlichen „Kerzchen” notwendig ist.

 

Leichtmetall oder Schwergewicht?

 

In der Ökobilanz macht Aluminium nicht gerade eine gute Figur: Die Herstellung des beliebten Leichtmetalls, das in der Natur fast ausschließlich in Form von chemischen Verbindungen vorkommt, erfordert einen enormen Energieaufwand und setzt in deutschen Kraftwerken pro Kilogramm etwa 8,4 Kilogramm CO2 frei. Weltweit liegt der Durchschnitt bei etwa zehn Kilogramm. Recycelt werden europaweit gut 67 Prozent allen Aluminiums. Das Metall lässt sich sehr gut wiederverwenden – wenn es in den Recycling-Kreislauf gelangt. Der Rest, in Europa über 30 Prozent des im Umlauf befindlichen Aluminiums, braucht Jahrzehnte, um zersetzt zu werden.

Auch andere Hersteller seien inzwischen auf ihre Idee, Teelichter aus natürlichen Materialien herzustellen, aufmerksam geworden, erzählt uns Karsten. Darüber freut sich das junge Team. „Was wir wollen, ist mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Nicht nur für das Material, sondern für den umweltbewussten Gedanken. Schließlich ist jeder Kauf auch eine politische Entscheidung.” Aber was treibt uns überhaupt dazu, immer wieder Umweltsünden zu begehen? „Vielleicht werden die Menschen einfach bequemer”, so Karsten. „Aber Müll hin oder her – oft bezahlt man dafür ja sogar noch mehr Geld, wie zum Beispiel für Kaffeekapseln.” So ganz einleuchtend ist unser wenig nachhaltiges Verhalten also nicht. Auch die langfristige Wirkung von Aluminum auf den menschlichen Organismus ist bisher nicht vollständig erforscht.

 

Ein erstes Leuchten

 

Das Umdenken hat inzwischen nicht nur in die privaten Haushalte der Leipziger Einzug gefunden. Beim Lichtfest 2019 zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution stellten Karsten und Paul ihre Teelichter zum ersten Mal im größeren Rahmen in Serie her. Dafür waren im Vorfeld so einige schlaflose Nächte und die Unterstützung von Freunden nötig, viele Abläufe waren noch nicht vollständig automatisiert. Doch am Ende hielten rund 5.000 Besucher ein NatürLicht in der Hand. In Zukunft sollen es noch mehr werden!

Das Ziel ist für die beiden jungen Unternehmer ganz klar: Sie wollen Kerzen-Produzenten werden und ihre Idee unter die Leute bringen. Bisher stehen die natürlichen Teelichter im Vierer-Set in der Regalen der Leipziger Bio-Supermärkte „Biomare” und „Bioflair” und außerdem im Berliner „Hofladen im Kiez”. Unter natuerlicht.eu könnt ihr euch die nachhaltige Gemütlichkeit außerdem demnächst per Mausklick in die Wohnung holen.

 



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