Hood Check: Georg-Schumann-Straße

Hood Check: Georg-Schumann-Straße

Ein Aufbruch in Leipzigs Norden

25.02.2017

Hood Check: Georg-Schumann-Straße
An einem frostigen Morgen ist die Georg-Schumann-Straße gar nicht so voll.
Die Georg-Schumann-Straße ist lang, sehr lang. Mit 5.460 Metern ist sie die längste Straße Leipzigs. Vor allem an einem so frostigen Wintertag, an dem wir diese erkunden wollen, kann sie einem unendlich erscheinen. Genau 
genommen führt sie durch die Leipziger Stadtteile Gohlis, Möckern und einen kurzen Teil Wahrens.

 

1818 wurde die Straße als Hallesche Straße angelegt, ab 1928 hieß sie Hallische Straße und 1945 wurde der Name in Georg-Schumann-Straße, benannt nach dem Widerstandskämpfer, geändert. Georg Schumann wurde am 28. April 1886 in Reudnitz geboren und saß ab 1928 für die KPD im Reichstag. Er schloss sich Widerstandsgruppen gegen den Nationalsozialismus an und wurde dafür 1934 erst zu drei Jahren Zuchthaus und 1944 nach einer erneuten Festnahme zum Tode verurteilt. Schumann wurde am 11. Januar 1945 in Dresden ermordet. Bis zum 19. Jahrhundert war die damalige Hallesche Straße eine Landstraße und in einem miserablen Zustand; daher wurde sie von Fußgängern weitestgehend gemieden. 

 

Aber heute sind wir nicht allein unterwegs. Überall tummeln sich Menschen. Man sieht Mütter mit Kindern, Senioren, Arbeiter. Sie gehen einkaufen, sitzen im Café oder in der Kneipe und frühstücken, stehen vor dem Arbeitsamt, das auch auf dieser Straße liegt, oder gehen ihrer Arbeit auf den unzähligen Baustellen nach. 

 

Die Straße im Wandel

Die Georg-Schumann-Straße ist bekannt für ihre Mehrspurigkeit, den leichten Duft der Abgase und die vielen leeren Geschäfte. Der Verkehr ist weder leise noch geruchlos und diese hohe Verkehrsbelastung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen haben dazu geführt, dass die Magistrale ihre Funktion als urbane Wohn- und Geschäftsstraße in den letzten Jahren weitgehend verloren hat. Doch die Straße befindet sich im Wandel. Schöne alte, gepflegte Gebäude reihen sich an brüchige, verwahrloste Klötze. Und es wird eifrig gebaut: Immer wieder trifft man auch auf Baugerüste, die eine Renovierung verheißen. Seit 2014 wurde zudem damit begonnen, durch Neupflanzung von Bäumen den Fahrweg grüner zu gestalten und die Straße attraktiver zu machen. 

Hood Check: Georg-Schumann-Straße
Der Historische Straßenbahnhof Leipzig-Möckern kann in der Saison 2017 von Mai bis September an jedem dritten Sonntag im Monat besucht werden.

 

Eine Straße mit Geschichte

In der Mitte der Magistrale fahren die Straßenbahnlinien 10 und 11. Ältere Modelle kann man im Historischen Straßenbahnhof bewundern. In der Straße befanden sich zudem weitere bedeutende historische Gebäude, die entweder durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden oder danach verfallen sind und schlussendlich abgerissen wurden. Ein Beispiel hierfür ist die ehemalige Gohliser Aktienbrauerei. Das Gebäude wurde 1871 gebaut. 1952 wurde aus der Aktienbrauerei die VEB Brauerei Gohlis, die 1991 ihre Tore schloss. Nach der politischen Wende ist das Gebäude aber mehr und mehr verfallen und wurde 2006 schließlich abgerissen. Heute steht auf dem Gelände ein Kaufland, sowie das Stadtteilzentrum, und nur noch ein paar Überbleibsel des ehemaligen Brauereigebäudes zeugen von der Vergangenheit, wie zum Beispiel das ehemalige Pförtnerhäuschen oder Teile der Grundmauern

 

Ein älterer Herr mit Wägelchen auf dem Weg zum Kaufland spricht uns an, ob wir zur Zeitung gehören, da wir fotografierend dastehen. Er lobt unseren Job, merkt an, dass wir mit den Bildern bestimmt auch Preise gewinnen können und wünscht uns noch einen schönen Tag. Ältere Menschen scheinen ein wenig das Bild dieser Straße zu bestimmen. Das mag der Uhrzeit geschuldet sein, vielleicht aber auch den für Rentner günstigen Lebensbedingungen hier. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in unmittelbarer Nähe, es stehen u.a. Norma, Rewe, Kaufland und Konsum zur Auswahl. Aber auch für junge Leute gibt es auf der Georg-Schumann-Straße genügend Angebote und Möglichkeiten. Wir haben einige davon für euch aufgelistet: 

Neben den üblichen Geschäften, die man auf jeder größeren Straße findet, gibt es in den Stadtteilen Gohlis und Möckern an der Georg-Schumann-Straße eine Einkaufspassage, die Gohlis-Arkaden und die Axis-Passage in Möckern. In den Gohlis-Arkaden befinden sich u.a. Sanitätshaus, Apotheke, Optiker, Friseur, Bank und Sparkasse, Bäcker und ein Werkskundendienst für Haushaltsgeräte. In der Axis Passage gibt es neben einer Außenstelle des Jobcenters u.a. auch das chinesische Restaurant Nin Hao, das Spieleparadies „KeinKrokodil im Schrank“ und einen Bäcker. 

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Die Axis-Passage bietet neben Einkaufsmöglichkeiten auch ein Spieleparadis und ein Restaurant.

 

Außerdem begegnen uns skurrile Läden wie ein Shop, in dem sich Haushaltsgeräte regelrecht türmen. Pro Produkt, z.B. einem Bügeleisen, stehen ca. 20 Kartons im Schaufenster übereinander gestapelt. Der Preis ist mit grünen Klebezetteln angebracht. Auch „Birgits Dogshop“ war sicher mal eine Koryphäe, bevor er geschlossen wurde. 

 

Familienfreundlich 

Für Kinder gibt es im Spielcafé „KeinKrokodil im Schrank“ die Möglichkeit, sich auf einem Indoor-Spielplatz auszutoben. Während die Kleinen spielen, kann im dazugehörigen Café gemütlich Kaffee getrunken und gefrühstückt werden. Am Mittwoch hat ein Elternteil freien Eintritt und donnerstags können Oma oder Opa gratis mitkommen. Auch für Partys und Kindergeburtstage kann das Spieleparadies gemietet werden.

 

Bald soll es auf der Georg-Schumann-Straße auch einen Kinderstadtplan geben, der die Vielfalt der Magistrale für Eltern und Kinder zeigt. Treff- und Infopunkte sowie Kultur- und Bewegungsangebote werden darin eingezeichnet sein, die mithilfe tierischer Helfer einfach erreicht werden können. 

 

Für Caféliebhaber

Eine echte Augenweide ist das „Café Home LE“, das an der Ecke Mottelerstraße liegt. Gemütlich, individuell und alternativ kommt es mit allerlei vegetarischen Speisen und vielen ausgefallenen Getränken auf der Karte daher. Von Donnerstag bis Samstag verwandelt sich das Café ab 18 Uhr in eine Bar, in der auch Lesungen stattfinden und Bands auftreten. Am 4.2. könnt ihr 20 Uhr dem Berlin Guitar Ensemble lauschen. Außerdem kommen wir am Eiscafé Florenz vorbei. Es ist eines der ältesten Eiscafés in Leipzig und bietet selbstgemachte Eisspezialitäten mit über 100 Sorten Frucht- und Milcheis an. Ideal für den Sommer. 

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Das Café Home LE gehört zu den Highlights auf der Georg-Schumann-Straße

Vor kurzem hat auch das Café Jeepney auf der Georg-Schumann-Straße eröffnet, das philippinische Kaffeespezialitäten anbietet 

 

Speis und Trank

Wer Hunger auf Pizza verspürt, hat auf der Georg-Schumann-Straße gute Chancen, fündig zu werden. Es stehen innerhalb von 1,5 Kilometern ca. 9 Pizzaketten zur Auswahl. Ein wenig Abwechslung bieten ein paar asiatische Restaurants z.B. im Kaufland oder „Nin Hao“ in der Axis-Passage. Auch im Lokal „Nessy“ kann man zünftig speisen und ein Bierchen trinken, die „Weiberwirtschaft“ verspricht eine kleine Kneipe mit Niveau.

 

Und wo kann man abends hingehen?

Für Fußballfans bietet sich die Fußballkneipe „Sachseneck“ an. Außerdem finden wir auf der Straße einige Shisha-Bars, z.B. „Fata Morgana“ oder „Sueño Lounge“. Wer sein Glück versuchen will, kann auch das „Spiel-IN Casino“ ausprobieren. 

 

Kreativ und sozial

Auffallend häufig begegnet man nicht nur den Pizzaläden, sondern auch kreativen Geschäften. So z.B. „Toddlin Town“, in dem es retro Kinderstoffe und -kleidung zu kaufen gibt und auch im „Stoffekontor schlägt jedes Schneiderherz höher. In „Inkas bunter Laden“ gibt es allerlei Bastelbedarf. Man erkennt, dass sich die Menschen auf der Georg-Schumann-Straße bemühen, ein Netzwerk für Kunst und Kultur aufzubauen. Und dies ist auch schon geglückt, denn das Nachbarschaftszentrum „Die Tür“ verspricht einen Treffpunkt, bei dem man einerseits Rat und Gespräche findet, andererseits auch gemeinsam mit anderen kreativ wird. Die gebastelten Objekte können im Nachbarschaftsladen verkauft werden. Dort hat man außerdem die Möglichkeit, seine gebrauchte Frauen- und Kinderkleidung gegen andere umzutauschen. Neben diesem Nachbarschaftszentrum gibt es auch viele weitere soziale Vereine, die sich der positiven Entwicklung auf der Georg-Schumann-Straße verschrieben haben, so beispielsweise die Bürgervereine Gohlis e.V. und Möckern-Wahren e.V., sowie den Förderverein Georg-Schumann-Straße und das Infozentrum Georg-Schumann-Straße. 

 

Auch für die Förderung beruflicher Weiterbildung wird hier gesorgt. Dafür stehen die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und das Berufsförderungswerk zur Verfügung. Auch die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland, die sich im Haupthaus der ehemaligen König-Georg-Kaserne befindet, hat in der Georg-Schumann-Straße ihren Sitz. Die Kaserne wurde von 1875 bis 1877 gebaut und war damals das längste Kasernengebäude Europas. 1991 wurde die Truppenunterkunft von der militärischen in die zivile Nutzung übergeben.

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Auch das Herrenhaus Möckern ist einen Besuch wert.

Kunst und Kultur

Auch die Galerie auf der Georg-Schumann-Str. Nr. 130 zeigt den Stellenwert von Kunst und Kultur auf dieser Straße. Das kulturelle Herz der Magistrale ist wohl der Anker e.V., das Kulturzentrum, das im September nach Umbau wiedereröffnet wurde. Darin werden verschiedene Veranstaltungen, darunter Konzerte, Workshops, Festivals und Infoabende für Alt und Jung angeboten. Mehr dazu in der Infobox. Am ersten September-Wochenende eines jeden Jahres lädt die „Nacht der Kunst“ zudem dazu ein, die Georg-Schumann-Straße von ihrer kreativen und kulturellen Seite kennenzulernen. An verschiedenen Standorten der Straße stellen unterschiedliche Künstler ihre Arbeit vor. Die nächste „Nacht der Kunst“ findet am 2.9. statt. Interessierte Künstler und Standorte können sich auf der Projektwebseite informieren und anmelden.

 

Sportbedarf

Die Georg-Schumann-Straße bietet neben Fitnessstudios auch Geschäfte für den Sportbedarf. Hier findet man den Radsportläden „Corsa Radsport“, in dem man Zubehör für seinen Drahtesel kaufen kann und „Sport Frank– der Sportladen in Gohlis“, in dem jegliche Sportartikel angeboten werden.

 

Abseits der Wege

Biegt man in die Slevogtstraße hinter dem Spielcasino nach links ab, kommt man in eine scheinbar andere Gegend. Hier ist es ruhig, Einfamilienhäuser reihen sich aneinander und ein Weg führt direkt zum „Herrenhaus Möckern“. Geht man ein Stück weiter über die Brücke, bekommt ihr einen schönen Blick auf die Weiße Elster und die Natur. Ideal für Hundebesitzer und Spaziergänger. 

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Abseits der Georg-Schumann-Straße kann man auch idyllische Plätze entdecken.
 

 

Veranstaltungen im Anker e.V.

Im Anker werden unter anderem Sprachkurse, Tanznachmittage und Computerkurse angeboten. In der Anker-MusikKneipe finden außerdem verschiedene Konzerte statt. Mehr Infos unter www.anker-leizig.de.



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Kommentare
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    • The_Reason geschrieben am

      Sehr schöner Artikel. Ich wohne seit kurzem in einer Parallel Straße zur Georg-Schumann-Straße und dieser Artikel gab einen super Einblick zu den verschiedenen Möglichkeiten {#emotions_dlg.wave.gif}

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