Interview: Alexander Straub - Magier und Illusionist

Interview: Alexander Straub – Magier und Illusionist

„Egal wann, egal wie, egal wo: Man ist immer noch nervös und das ist mega schön!“

15.05.2019

Mehr als Hokus Pokus Fidibus: Aus seinem heimischen Kinderzimmer zauberte sich der Jungmagier Alexander Straub innerhalb kürzester Zeit auf die großen Bühnen der Welt. Für uns hat der mittlerweile 23-jährige Illusionist aus dem Zauberkästchen geplaudert; und zwar nicht nur über die anstehende Tour, sondern auch über Lampenfieber, Anfängertricks und Magie im Alltäglichen.

Interview: Alexander Straub - Magier und Illusionist

Du bist von Beruf Zauberer. Wie haben denn deine Eltern reagiert, als du den Wunsch geäußert hast?

Eigentlich ist es gar nicht so passiert, dass ich gesagt habe: Ich will unbedingt jetzt Zauberer werden. Es war mehr so eine Entwicklung, die irgendwie stattgefunden hat nebenher. Man hat angefangen zu zaubern und das hat irgendwie gut geklappt und dann hat man direkt auf privaten Festen oder auf Firmenfeiern gezaubert. Und irgendwann war ich dann fertig mit der Schule, hab mein Abi gemacht, und wurde angefragt für die Weltmeisterschaft der darstellenden Künste in Las Vegas. Da hab ich mit meiner Mama eine Wette gemacht und gesagt „Wenn ich verliere, dann geh ich studieren – wovon ich ausgegangen bin – und wenn ich gewinne, dann mach ich’s hauptberuflich“. Meine Mama hat gesagt „Das ist ’ne gute Idee“. Und dann hab ich plötzlich gewonnen ... (lacht)

 

Wann hat das denn bei dir angefangen mit dem Zaubern?

Als ich ungefähr elf Jahre alt war, hab ich einen Zauberkasten bekommen und dann hat das alles ganz klassisch begonnen: Angefangen zu üben, das hat schnell Spaß gemacht – man hatte ja sonst nichts Besseres zu tun –, dann hat man noch mehr geübt, Talentshows gewonnen und ist irgendwie gebucht worden und dann hat sich das so entwickelt. Nachdem ich das erste Mal bei Stefan Raab saß, damals bei TV Total, wurde dann plötzlich alles relativ schnell, relativ groß.

 

Es heißt ja so schön „Übung macht den Meister“. Du hast den Weltmeistertitel. Trifft das also auch auf die Zauberei zu oder spielt da einfach ein gewisses Talent mit rein?

Ja, auf jeden Fall. Also ich glaub immer an den Spruch „Harte Arbeit pflegt jedes Talent“. Talent ist natürlich sehr sehr wichtig, aber es bedarf viel Übung, um dahin zu kommen, dass ein Trick irgendwann mal gut aussieht. Das Problem ist: Das Eine ist die Tricktechnik, das ist alles schön und gut. Man muss aber so sicher sein, dass man sich später nur noch auf die Präsentation konzentrieren braucht, denn die macht letztendlich am Ende den Zaubertrick aus. Nur der Trick allein ist langweilig (lacht), aber wenn man drum herum dann was Großes und Tolles gestaltet, wird es mit der Präsentation ein richtig schöner Zaubertrick – dann wird es Zauberei. Daher: Übung macht auf jeden Fall auch hier den Meister!

 

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Trick?

Ja. Also am Anfang fängt man natürlich an und lernt ganz einfache Tricks, wobei auch die ein paar Stunden Zeit brauchen, bis sie einigermaßen – und wahrscheinlich sahen sie katastrophal aus – funktionierten (lacht). Und ich glaub mein erster Trick, auf den ich richtig stolz war, war dieser: Und zwar hatte ich drei rote Bälle und ’ne Küchenschüssel von meiner Mama und dann ist immer ein Ball verschwunden und unter der Küchenschüssel aufgetaucht – das ist dreimal passiert, bis alle da waren. Der klingt nicht nur super spektakulär, ist er auch (lacht).

 

Du hast bereits auf vielen internationalen Bühnen performt. Wie fühlt es sich denn für dich an, wieder auf den deutschen Bühnen unterwegs zu sein? Ist das anders?

Ja, klar. Hier bin ich zu Hause, hier ist natürlich meine Heimat, aber es ist sehr interessant zu sehen, wie die verschiedenen Kulturen reagieren und sich in Shows verhalten. Während du in Amerika ein super offenes, lautes Publikum hast – da ruft auch immer die ganze Zeit irgendjemand was rein –, hast du hier in Deutschland zum Beispiel ein Publikum, das eher aufmerksam dasitzt und immer so einen kleinen Anstoß braucht, ehe es sich mal auflockert und aus sich rauskommt. Die internationalen Bühnen sind wahrscheinlich auch ein Stück weit dankbarer, denn wenn ich jetzt zum Beispiel in Amerika auftrete, dann denkt das Publikum natürlich erstmal: „Na gut, der ist jetzt aus Deutschland“, das heißt „Oh, der spricht aber gut Englisch, da kann man schonmal klatschen.“ (lacht) Da verzeiht man vielleicht auch noch mal mehr irgendwelche Sachen, wenn man irgendwas falsch sagt oder sich falsch verhält oder sowas. Hier in Deutschland ist es dann schon eher so, dass man sich denkt: „Das sollte lieber nicht passieren“. Es ist wirklich total interessant, diese Unterschiede zu sehen. Aber klar, dadurch, dass ich in Deutschland aufgewachsen bin, kann ich natürlich super damit umgehen und weiß auch, was mich auf der Bühne erwartet. Gerade in der deutschen Sprache kann ich auch sehr gut mit dem Publikum spielen und von daher sind mir die deutschen Bühnen natürlich auch immer mit die liebsten.

 

Interview: Alexander Straub - Magier und Illusionist
Auf was freust du dich am meisten, wenn du an die anstehende Tour denkst?

Ich glaube, ich freue mich einfach wieder auf meine Shows und auch wieder auf das Auftreten. Man hört ja nicht auf zwischen den Tourneen. Da geht es ja dann weiter mit Firmenshows, privaten Auftritten und Galas und so weiter, aber es ist immer ein riesen Unterschied, ob du jetzt deine Shows spielst und die Leute zu dir kommen oder du zu den Leuten gehst, weil dich der Chef toll findet oder die Agentur, die dich gebucht hat. Bei einer Gala musst du dir die Stimmung manchmal erst erkämpfen, weil die Leute einfach da sind, weil es der Chef sagt und es da freies Essen gibt (lacht). Bei den Soloshows, da ist klar: Die Leute sind von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach mit dir da und begleiten dich während der Show und das ist einfach ein ganz anderes Gefühl. Das ist mega schön. Von daher freue ich mich jetzt schon riesig drauf. Vor allem aber auch auf die neue Show mit neuen Kunststücken, neuen Tricks, neuen Illusionen. Das ist auch alles sehr sehr aufregend.

 

Was ist denn neu und besonders an der kommenden Show?

Die zweite Hälfte ist komplett neu. Meine Evergreens und die Klassiker aus meinen letzten Shows hab ich zusammengepackt und gestrafft; die kommen jetzt in die erste Hälfte, sodass man da als Zuschauer noch mal kurz reinkommt, und dann in der zweiten Hälfte geht’s richtig los. Da kommen nur neue Sachen. Es steigert sich, wird immer größer und spektakulärer. Am liebsten übe ich gerade das neue Showfinale, das ist nämlich eine Showentfesselung: Ich hänge kopfüber an den Füßen gefesselt über einer riesengroßen, menschengroßen Bärenfalle und habe nur eine Minute Zeit, mich daraus zu befreien, bevor die Falle zuschnappt; entweder brennt ein Seil, oder, wenn wir kein Feuer machen dürfen, gibt es eine große Säge, die nach einer Minute das Seil durchschneidet und die Bärenfalle zuklappen lässt. Und hoffentlich bin ich dann schon draußen (lacht). Das Ganze wird gerade sehr intensiv geübt und macht mir wahnsinnig viel Spaß. Entfesselung – auch so ein Thema. Irgendwie ist nicht viel Trick dabei, man hofft einfach nur irgendwie, dass es klappt (lacht).

 

Bist du trotz der vielen Bühnenerfahrung noch aufgeregt?

Immer! Immer! Also auf jeden Fall, egal was das für ein Auftritt ist, egal ob du die Nummer schon 1.000 Mal gemacht hast: Es kann immer irgendwas schief gehen. Vor allem, wenn man sich irgendwann so sicher ist und denkt „Ja, es kann ja eh nichts mehr passieren“, dann bist du irgendwann mitten in der Nummer und irgendwas Unerwartetes passiert und es reißt dich so raus und dann musst du dich da irgendwie raus improvisieren. Egal wann, egal wie, egal wo: Man ist immer noch nervös und das ist mega schön! Und das Gefühl ist keine Angst, sondern man freut sich auf die Show, dass es jetzt losgeht – man kann endlich loslegen. Sobald man die erste Nummer hinter sich hat und man weiß: „Jetzt habe ich das Publikum, jetzt bin ich angekommen“, ist alles gut.

 

Du betreibst auch einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem du Tricks vorführst. Was ist hier die Herausforderung im Vergleich zu deinen Live-Auftritten?

Das ist ganz ganz anders. Das war für mich die größte Katastrophe überhaupt damals damit anzufangen. Du bist es gewohnt, einen Trick zu zeigen und das Publikum reagiert: Die lachen, die klatschen, die reagieren irgendwie; jetzt machst du den Zaubertrick vor einer Kamera. Normalerweise bist du es gewohnt, dass die Zuschauer lachen, aber meine Kamera lacht über keinen meiner Witze – die ist mein schwierigstes Publikum (lacht). Das heißt du bist da und nimmst dein Video auf und du weißt, du kriegst erst die Resonanz, wenn es dann hochgeladen ist. Erst dann weißt du: War es ein guter Witz, war es kein guter Witz? Auch die Kunststücke fürs Internet oder für Videos sind so unterschiedlich im Vergleich zu live, denn es ist unmöglich eine Kamera zu beeinflussen und die Aufmerksamkeit einer Kamera zu lenken. Du hast deinen Bildausschnitt und der Bildausschnitt bleibt. Außerdem kann man jederzeit zurückspulen und man will natürlich auch nicht, dass der Zuschauer vor dem Bildschirm direkt den Zaubertrick rausfindet. Von daher ist es wirklich ein komplett anderes Ding! Und man will natürlich auch nicht anfangen irgendwelche Kameratricks zu machen, sondern die Zauberei soll schon noch echt sein. Von daher ist es natürlich eine große Herausforderung.

 

Wie findet man denn die Magie im Alltag?

Ich glaube, man ist inzwischen sehr verschlossen. Man läuft immer nur mit seinem Handy in der Hand durch den Alltag und kriegt gar nicht mehr so wirklich mit, was um einen herum passiert. Aber wenn man ein bisschen die Augen offenhält und sich die Umgebung anschaut, kommen ganz ganz viele zwischenmenschliche Alltagssituationen zustande, mit denen man vielleicht nicht rechnet, die einen dann aber total faszinieren und inspirieren. Oder man besucht eine Zaubershow, meine zum Beispiel (lacht).

 

Alexander Straub: Fesselnde Unterhaltung Tour

24.05.2019, Felsenkeller Leipzig | 20 Uhr 

Weitere Termine: 

BERLIN 25.05.2019, Heimathafen Neukölln | 20 Uhr

DRESDEN 29.11.2019, Filmtheater Schauburg | 20 Uhr

Karten 41 € zzgl. Gebühren



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