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Am 5. September 2009 live in der Festung Mark

In Extremo: „Wir sind die selben Spinner geblieben“

02.09.2009
Autor: Tho mas

Diesen Monat beenden In Extremo ihre „Sängerkrieg Tour“ in Magdeburg. Ein Gespräch mit Sänger Micha „Das letzte Einhorn“ Rhein über das Leben auf der Bühne und den Erfolg.

urbanite:

Micha, bist du lieber auf Tour oder im Studio?

Micha:

Ich bin lieber auf Tour.

urbanite:

Welche Erlebnisse sind dir von eueren Tourneen besonders in Erinnerung geblieben?

Micha:

Ach, da gibt es viele. Ein Highlight war natürlich das Wacken Festival dieses Jahr. In Russland ist es immer total verschärft, China war auch sehr geil. Was mir trotz strömenden Regens auch sehr gut gefallen hat, war das Big Day Out (Festival in Anröchte) dieses Jahr. Das war der Hammer.

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urbanite:

Du hast Russland und China gerade angesprochen. Gibt es einen exotischen Ort, an dem du gerne noch spielen möchtest?

Micha:

Wenn ich unterwegs bin, bin ich unterwegs. Da ist es manchmal auch egal, in welchem Land, weil es ja das Schöne ist, dieses kennenzulernen. Von daher möchte ich auch in so vielen Ländern wie möglich spielen.

urbanite:

Wie nehmen denn die anderen Kulturkreise eine deutsche Mittelalterband auf?

Micha:

In Russland und Südamerika ist es schwer, in unserer Kleidung auf die Straße zu gehen. Dagegen waren in China knappe zehntausend Leute beim Konzert, die auch die Texte mitgesungen haben. Das ist verrückt, einfach schlichtweg verrückt.

urbanite:

Die kennen euch dann über das Internet?

Micha:

Ja klar, da gibt es aber auch Platten von uns zu kaufen.

urbanite:

Wie sieht dann ein perfektes Konzert für dich aus?

Micha:

Ein perfektes Konzert ist es, wenn eigentlich alles stimmt. Wenn wir als Band mit guter Laune auf die Bühne gehen, was zu 99% immer der Fall ist. Ich persönlich genieße ja jedes Konzert.

urbanite:

Was würde dich trotzdem aus der Fassung bringen?

Micha:

Eigentlich nichts, denn die Energie, die du gibst, kriegst du zurück. Das funktioniert bei uns einfach, weil wir eine spielfreudige Band sind. Die Leute haben eine Erwartungshaltung an uns - und die erfüllen wir ihnen auch auf den Konzerten.

urbanite:

Nach einigen abschließenden Sommer- und Herbst-Konzerten werdet ihr den ganzen Dezember auf einer speziellen Tour verbringen. Was steckt dahinter?

Micha:

Wir machen in dem Monat zum ersten Mal und einmalig eine Akkustik-Tour, natürlich richtig unplugged. Das ist natürlich eine große Herausforderung, weil die Stücke dann ganz anders klingen. Es wird nicht einfach werden, aber auch Spaß machen. Bestuhlte Konzerte von uns zu erleben ist sicherlich auch mal etwas Besonderes.

urbanite:

Ist es ebenso etwas Besonderes, in einem mittelalterlichen Ambiente wie der Festung Mark aufzutreten?

Micha:

Das ist es immer, ich würde eher sagen: Jedes Konzert ist verschieden und jede Halle, jede Burg oder jede Festung ist es auch. Die Abwechslung macht es einfach. Magdeburg war damals ein sehr großer Erfolg für uns und wenn man einmal in einer Burg spielen kann, warum sollte man dann in eine Halle gehen?

urbanite:

Ist dir trotzdem ein ganz besonderer Veranstaltungsort in Erinnerung geblieben?

Micha:

Gerade kann ich mich an Singen (Festung Hohentwiel) erinnern, das war total klasse, ebenso die Burg Königsstein. Das hat schon irgendetwas.

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urbanite:

Kann einen da nach all den Jahren noch etwas überraschen?

Micha:

Jedes Konzert ist anders, es überrascht dich immer wieder. Ich kann mich an Magdeburg erinnern: Bevor wir auf die Bühne kamen, hatten sich die Leute schon die Lungen aus den Hälsen geschrien. Ich stand bei der Vorband auf dem Platz und sah wie in dem Hochhaus links davon die ganzen alten Omas auf ihren Kissen am Fensterbrett saßen und mitgewunken haben. Das war unglaublich, das vergisst man nicht.

urbanite:

Sind In Extremo also eine Band, die alle Generationen eint?

Micha:

Du findest bei uns total viele, unterschiedliche Gruppierungen. Da kommen große Punker, Heavy-Metaler, Biker, Familien, Kiddies – das ist der Wahnsinn.

urbanite:

Für die muss man optimal vorbereitet sein, nicht alles ist Rock'n'Roll. Wie sieht ein normaler Tourtag bei dir aus?

Micha:

Ich bin zum Beispiel immer nüchtern auf der Bühne. Ich hasse es, wenn jemand auf der Bühne trinkt, denn die Leute zahlen ja Eintritt. Ich habe auch keinen Bock auf Konzerte mit einem besoffenen Sänger. Beim fit-Sein und dem Rock'n'Roll gibt es also eine gute Mischung.

urbanite:

Wie sieht dein Tagesablauf auf Tour auf?

Micha:

Ich gebe zu: Vor zwei Uhr mittags stehe ich nicht auf. Dann setzt man sich zum Catering, trinkt einen Kaffee und möchte irgendwie gar nicht angesprochen werden. Manchmal weiß man auch gar nicht, wo man ist – man steigt aus dem Bus und fragt sich: Wo bin ich heute? Das kommt dann alles langsam wieder. Nachdem Frühstück macht man die ersten Besprechungen. Dann checkt man die Bühne, die Crew, die Pyrotechnik usw. ab. Meistens gehe ich auch noch zu den Security-Leuten und gebe ihnen Anweisungen, dass sie später keine Leute rausziehen oder herumschubsen sollen. Da habe ich keinen Bock drauf, das kann man freundlicher machen. Dann folgen ein Haufen Interviews, dann Soundcheck und dann geht es schon langsam los.

urbanite:

Morgens erstmal joggen zu gehen kommt demnach nicht in Frage?

Micha:

Ich könnte das nicht. Ich verbrauche pro Show zwei bis drei Liter Wasser, da brauche ich morgens nicht rumjoggen.

urbanite:

Bist du dann der Langschläfer der Band?

Micha:

Der ein oder andere schläft schon mal länger, aber ich bin der Langschläfer, ja.

urbanite:

Wann kommt bei dir eigentlich der Moment, an dem dir das Touren zu viel wird?

Micha:

Den habe ich persönlich nie. Ich bin sehr in der Realität drinnen, weiß, wann es losgeht und wann es vorbei ist. Es gibt zwar immer einen Tag mit einem Hänger, manchmal auch schon am Touranfang, wenn du den jedoch überwunden hast, ist alles gut.

urbanite:

Hast du ein spezielles Rezept dagegen?

Micha:

Das gibt es nicht. In der Band wird man entweder damit in Ruhe gelassen oder aber es wird erst recht ins Wespennest reingestochen.

urbanite:

Der Erfolg des letzten Albums „Sängerkrieg“ hat eurer bis dato bereits erfolgreichen Karriere die Krone aufgesetzt. Brachte das Veränderungen mit sich?

Micha:

Überhaupt nicht. Die Leute sind dieselben Spinner geblieben wie am ersten Tag, das ist der Grund warum wir immer noch zusammen sind. Wir wissen um unseren Status – das Album war ja über-erfolgreich und selbst die DVD „Am Goldenen Rhein“ ist auf #1 eingestiegen, das ist der Hammer. Letztendlich kann man nur den Fans danken.

urbanite:

Man sagt, gerade die Fans aus der Szene, in der ihr euch bewegt, kaufen noch besonders viele CDs und Merchandise.

Micha:

Ich wundere mich manchmal auch, wenn ich aus dem Backstageraum oder bei einer Burg vom Turm heruntergucke, wie viele Leute dort mit In-Extremo-T-Shirts stehen. Bei anderen Konzerten siehst du kaum mal ein T-Shirt von der Band, die gerade spielt. Das ist schon verrückt und schön anzusehen.

urbanite:

Aber man bleibt offen für neue Zukömmlinge?

Micha:

Das ist normal. Vergleich es mit einem Journalisten, der will, dass möglichst viele Leute seinen Bericht hören oder lesen. Bei der Musik ist es dasselbe. Ich mache Musik, um sie breitzutreten. Wenn eine Band im Proberaum bleiben möchte, bleibt sie halt da. Allerdings kaufe ich das niemanden ab, wenn er sagt: Früher war alles besser, ich will im Proberaum bleiben. Das ist dann schlichtweg eine Lüge.

urbanite:

Gibt es neuerdings dennoch einen Luxus, den du dir leistest?

Micha:

Klar gibt es den, aber ich bin eigentlich immer sehr bescheiden. Ich habe eine fette Ami-Karre, die ich schon seit 30 Jahren fahre – das ist mein Luxus, meine Spinnerei. Ansonsten wohne ich immer noch in derselben Bude und dergleichen.

urbanite:

Willst du nicht trotzdem manchmal aus den Konzeptgrenzen von In Extremo ausbrechen?

Micha:

Wir haben uns ganz schön freigeschoben davon. Wir sind eine moderne Rockband mit mittelalterlichen Einflüssen, mit mittelalterlichen Instrumenten. Wir werden unsere Wurzeln niemals verleugnen. Das ist auch unser Ding, denn nicht jeder, der beispielsweise einen Dudelsack halten kann, kann ihn auch spielen. Letztendlich hat uns auch nie jemand irgendetwas geschenkt, das haben wir uns alles selber erarbeitet und somit eine Erfahrung gewonnen, auf die man zurückblicken kann. Es ist keine Eintagsfliege geworden, wie es damals viele angesichts der langen Mäntel und dergleichen prophezeit haben. Ich glaube, wir sind in einem ehrlichen Genre, in dem die Leute auch mal dem Alltag entfliehen wollen.



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