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ein Interview mit Totte von den Monsters of Liedermaching

Wir sind schon eine Gurkentruppe, machen das aber mit Leidenschaft

21.02.2010
Autor: urbanite 

Was passiert, wenn sechs Liedermacher aus Hamburg, Berlin und Bad Gandersheim auf einmal zu Monster mutieren? Richtig, sie werden zu den Monsters of Liedermaching. 2003 spontan entstanden veröffentlichten Labörnski, Pensen, Fred Timm, Tottovic Kalkül aka der flotte Totte, Burger und Rüdiger Bierhorst vor kurzem ihre zweite Live-DVD „Das Auge hört mit“ veröffentlicht und zurzeit sind die Monsters wieder auf Clubtour durch Deutschland unterwegs. Am 25.2. gastiert die lustige Truppe auch in Leipzig – ein Grund mehr, um sich mal mit Totte in einem lockeren Interview über die Entstehung und das Konzept, sowie über das bunte Leben der Monsters zu unterhalten.

 

monsters of liedermaching leipzig, konzert in leipzig, musik in leipzig, bands in leipzig
urbanite:

Euer erster Auftritt war auf dem Rockspektakel in Hamburg. Wie kam es dazu, dass ihr die Idee hattet, zusammen aufzutreten?

 

Totte:

Das war eine spontane Idee, bei der erst einmal kein Konzept hinter stand. Der Einfall ist aus der Not entstanden. Man kennt das ja von Festivals: Ein Act nach dem anderen, so ist das auch bei Liedermacher Festivals. Die Diskussion, wer anfängt und wer als letztes spielt, wurde dann schon zu anstrengend. Also haben wir uns gedacht, setzen wir uns alle zusammen hin und probieren das aus - just for fun; ein bisschen nach dem Motto: Es ist Samstag Mittag und das bekommt eh keiner mit. Aber es waren doch einige da und irgendwie ist der Funke sofort übergesprungen. Alle haben sofort gemerkt, dass es spannender und abwechslungsreicher wird, wenn alle sechs Spielarten zusammen auf der Bühne präsentiert werden und nicht eine halbe Stunde der Eine und eine halbe Stunde der Andere. Die Gefahr der Monotonie während des Konzertes war komplett weggeblasen und das war ein gutes Konzept.

 

urbanite:

Wie kam es dann, dass ihr euch entschieden habt, künftig als Band zusammen zu sein?

 

Totte:

Die Entscheidung kam durch den Auftritt auf dem Rathausmarkt. Wir haben uns tatsächlich überlegt, dass wir direkt auf Tour gehen und dann auch eine live Platte aufnehmen. Dass das eine längere Geschichte wird, haben wir nicht absehen können. Das war eine tolle Idee, hat Spaß gemacht und so eine live Platte klingt dann auch gut. So ist das dann entstanden, aus sich selber heraus, sehr organisch.

 

urbanite:

Und die Entstehung eures Namens?

 

Totte:

Es gibt diese Liedermacher Szene. Das sind etwas jüngere Liedermacher, die sich von den althergebrachten Liedermachern insofern unterscheiden, dass alles ein wenig lockerer und nicht so „zeigefingermäßig“ vor sich geht. Wir sechs hatten vorher schon ein paar kleine Festivals organisiert und bei einem waren schon früher mal alle Mitglieder der Monsters beteiligt. Dieses Festival hatten wir „Monsters of Liedermaching genannt“, eine alberne Hommage an „Monsters of Rock“. Um uns weitere Bandnamendiskussionen zu ersparen dachten wir uns, nennen wir uns einfach so. Da steckte kein Plan hinter, das ist spontan entstanden.

 

urbanite:

Spontan muss ja nicht immer schlecht sein und ist in eurem Metier wahrscheinlich sogar ein wichtiger Punkt.

 

Totte:

Unsere Stärke ist wahrscheinlich wirklich, dass alles natürlich und von selbst entsprungen ist; dass zum Beispiel auch kein Casting statt gefunden hat, sondern, dass wir langsam mit einer spontanen Idee gewachsen sind.

 

urbanite:

Schreibt ihr eure Lieder speziell für die Band bzw. mit den anderen Monsters zusammen oder tragt ihr vorwiegend eigene Solo-Lieder vor?

 

Totte:

Das sind vorwiegend die Lieder, die jeder von uns alleine schreibt. Wir haben ja auch noch andere Projekte. Ich nehme zum Beispiel zurzeit eine Platte mit meiner anderen Band „Die Intelligenzia“ auf. Es gibt hin und wieder auch Lieder, an denen mehrere Autoren der Monsters beteiligt sind. Aber das ist eher seltener der Fall. Ich glaube außerdem, dass es gar nicht so sinnvoll wäre, wenn mehrere beteiligt werden. Es ist gerade die Stärke bei den Monsters, dass jeder von uns ein autarker Songschreiber ist. Jeder hat eine individuelle Art an Themen ranzugehen oder sie zu bearbeiten. Jeder hat eine andere Präferenz was die Melodien angeht oder den Gitarrenanschlag oder die Art der Unterhaltung. Dadurch ist es auch so bunt während der Konzerte. Wenn wir unsere Songs alle zusammen schreiben würden, wäre alles viel gleicher. Dann würden sich die Songs alle sehr ähneln. Aber dadurch, dass jeder die Songs alleine schreibt – und auch so wie sie kein anderer von den Monsters sonst schreiben könnte – ist es so abwechslungsreich und kurzweilig bei unseren Auftritten. Aber man überlegt inzwischen schon mal ein bisschen mehr, wie man das arrangieren könnte, wo noch ein Chor rein könnte oder wo ein anderer der Monsters Schellen oder Triangel spielen könnte. Was die Arrangements angeht, denkt man schon etwas mehr bandmäßig. Aber was das Schreiben angeht macht das jeder hauptsächlich für sich alleine.

 

urbanite:

Wie gehst du persönlich an einen Song ran und was weißt du von den Methoden der anderen Monsters?

 

Totte:

Wie ich das mitbekommen habe, ist das so, dass bei vielen von uns ein Geistesblitz voran geht. Der kann überall einschlagen; egal ob man in der Bahn, Kneipe oder sonst wo ist. Bei mir persönlich ist es so, dass ich vorher nie einen Plan oder ein Thema habe, über das ich texten will und dass ich mich dann einfach hinsetze. Manchmal fällt mir dann was Gutes ein und manchmal auch nicht. Die Sachen, die dann nicht so gut sind, kriegen die Leute ja dann nicht zu hören. Ich habe sie aber trotzdem geschrieben. Also: Hinsetzen, gucken ob einen etwas einfällt und ein wenig Brainstorming. Das ist so eine Methode und manchmal schießt mir eben was durch den Kopf wo ich denke, Mensch, das ist doch etwas.

 

urbanite:

Gibt es bei euch eine gewisse Rollenverteilung in der Band oder seit ihr alle gleichberechtigt?

 

Totte:

Wir sind alle sechs gleich an der „Firma Monsters of Liedermaching“ beteiligt. Alle sind sechs gleichberechtigte Frontmänner. Trotzdem hat jeder noch unterschiedliche Aufgaben, wie Logistik oder Presse oder Marketing. Jeder kümmert sich um die Sparte wo er das meiste Talent hat und was ihm am meisten Spaß macht.

 

urbanite:

Wie ernst nehmt ihr euch als Band und wie ernst nehmt ihr das, was ihr macht?

 

Totte:

Wir sind haben ja nicht nur komische Texte und sind keine Comedy-Kapelle. Wir haben auch Balladen oder Songs mit ernstem Inhalt, wobei der Schwerpunkt bei uns schon auf humorvollen Songs liegt. Wir nehmen die Sache, die wir machen ernst. Uns ist schon wichtig, dass wir nicht im falschen Kontext landen. Es ist nicht so, dass wir keinen Wert drauf legen, wie wir draußen ankommen oder wie das was wir singen und sagen draußen ankommt. Es wäre zu leicht gesagt, bei uns wäre alles nur aus Spaß. Trotzdem sehen wir uns nicht auf irgendeinem Podest. Wir sind schon eine Gurkentruppe, machen das aber mit Leidenschaft. Es steckt kein Konzept hinter der Alberei, das ist keine Marketingstrategie, wir sind halt albern.

 

urbanite:

Das merkt man auch, wenn man euch sieht. Alles wirkt sehr natürlich und kommt sehr authentisch und nicht aufgesetzt rüber.

 

Totte:

Wir sind auch sehr schlechte Schauspieler. [lacht] Das können wir gar nicht. Es ist schon alles sehr echt und wir mögen uns auch in echt und rufen uns gegenseitig an.

 

urbanite:

Ihr seht euch also auch regelmäßig, wenn ihr mal nicht auf Tour seid?

 

Totte:

Ja, ich bin zum Beispiel auf der Mitbewohner von Fred. Wir teilen uns eine WG und komischerweise auch fast immer das Hotelzimmer auf Tour - was für uns und die anderen auch ein wenig unbegreiflich ist, da wir uns eh schon so häufig sehen. Ich gehe auch zu den Konzerten der anderen Monsters und wenn Rüdi in Hamburg ist, schläft er bei uns. Das ist alles sehr freundschaftlich.

 

urbanite:

Aber ihr habt auch mal Streit während eurer Tour?

 

Totte:

Natürlich. Es gibt auch diesen Tourkoller. Man mag sich zwar sehr und ist gerne miteinander unterwegs, aber es gibt natürlich auch mal Streitigkeiten. Das ist, wie wenn man mit der Familie im Urlaub ist. Da kann es auch vorkommen, dass man sich auf einmal wegen irgendwelcher Nichtigkeiten streitet. Aber für uns ist es vor jedem Auftritt wichtig, dass wir alle cool miteinander sind und uns wieder mögen. Wenn es halt Probleme gibt, dann gibt es immer eine Aussprache. Das hatten wir auch schon öfter und hat uns auch gut getan.

 

urbanite:

Wie baut ihr eure Auftritte auf?

 

Totte:

Natürlich haben wir eine Grundidee, die wir mit einer Setlist verfolgen. Diese baut auch eine gewisse Struktur auf, nach der wir uns halbwegs richten um einen Aufbau zu haben und nicht einfach nur irgendwelche Stücke hinter einander spielen, dass wir Balladen drin haben, am Anfang alle kriegen. Sowas wird dann auch mal spontan umgeworfen.

 

urbanite:

Wie groß ist der spontane Anteil an euren Shows? Kommt es oft vor, dass den Anderen plötzlich was einfällt, was sie unbedingt Preis geben müssen, während ein Anderer gerade dran ist?

 

Totte:

Das passiert schon mal, ist aber nicht so wünschenswert. Es ist so, dass auf denjenigen, der gerade sein Lied vorträgt, ein bestimmter Fokus liegt. Und wenn man dann denkt, man hat eine tolle Idee oder einfach ein Solo einspielt, dann kann es sein, dass man das Lied des Anderen komplett zerhaut. Es gibt auch viele Dinge, die sich erst während der Tour entwickeln, wie z.B. Chorarrangements, die man einfach einbaut und vorher gar nicht angedacht waren. Am Ende der Tour hat man dann auf einmal einen festen Chorsatz. Oberstes Gebot ist es aber, die Songs der Kollegen nicht zu zerhauen, nur weil man selbst an einem profilneurotischen Überantrieb leidet.

 

urbanite:

Was ist für euch das wichtigste auf der Bühne/ bei euren Auftritten?

 

Totte:

In erster Linie, dass der Abend kurzweilig ist – und zwar von beiden Seiten. Es gibt Konzerte, wo die Bühnengrenze einfach verschwindet. Es ist dann so, als wäre es kein Rockevent, sondern eine gemeinsame Party. Das ist eigentlich der Idealzustand: Ein konzentriertes Miteinanderfeiern mit dem Publikum und wo der Bühnenrand als Mauer zum Zuschauer nicht mehr vorhanden ist. Ich liebe ja auch die spontanen Sachen. Wir haben keine einstudierte Show. Klar, wir machen vorher eine Setlist. Aber die variiert natürlich von Konzert zu Konzert. Und manchmal passiert eben was ganz anderes, als womit wir vorher gerechnet haben. Teilweise spielen wir die Lieder, die wir geschrieben haben, auf der Bühne das erste Mal vor.
Es gibt auch einige solcher Highlightkonzerte. Die haben im Grunde gemeinsam, dass eine Stimmung im Raum herrscht, in der alles möglich ist; in der wir die Leute zum Mitklatschen und Pogen animieren können, um dann mit dem nächsten Song, eine ruhige Ballade, einen Bruch zu erzeugen, wo jeder im Publikum sofort auf zuhören umschalten kann. Die Konzerte, wo das beides möglich ist, sind solche Highlights. Aber das können wir kaum steuern, weil das vom Publikum ausgeht. Da kommt man dann mit großen Augen von der Bühne und man sagt: Das waren Leute, die verstanden haben, was man macht.

 

Die Monsters of Liedermaching spielen am 25.02. in der Moritzbastei in Leipzig.

 

Autor: August Hoffmann



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