Jazz in Leipzig

Jazz in Leipzig

Musik in all seinen Facetten

20.02.2018

Wer glaubt, Jazz wäre Altherrenmusik, der hat weit gefehlt! Kaum ein anderes Genre wurde schon so oft verkannt und stigmatisiert. Wir haben uns einmal in der Leipziger Jazzszene für euch umgesehen und gewähren euch Einblicke in die musikalische Welt der Vielfalt.

 

Jazz in Leipzig
Jazz ist mehr als nur Lester Young und John Coltrane. Jazz ist ebenso eine junge Musikform, die zu gleichen Teilen von einem Gemeinschaftssinn der Szene sowie den progressiven Einflüssen der Künst-ler selbst zehrt. Dass dieses Genre nicht nur in den Millionen-Metropolen der Welt beheimatet ist, sondern auch im vergleichsweise kleinen Leipzig, liegt vor allem an dem starken Engagement der vielen, hier gegründeten Clubs und Vereine. Eines der fünf renommiertesten Jazz-Festivals Deutschlands sind die Leipziger Jazztage –  veranstaltet durch den Jazzclub Leipzig e.V. Hier waren schon Größen wie The Bad PlusStanley ClarkMarkus Miller und Sophie Hunger zu Gast. Der Verein richtet aber nicht nur Festivals aus, zu welchen auch die kleine MusikZeit zählt, sondern organisiert auch eine ganzjährige Konzertreihe „Jazzclub Live“ und gibt jeden Monat den Jazzkalender heraus. Die Besonderheit des Vereins liegt darin, dass er keine eigenen Veranstaltungsorte betreibt. Für die Konzertreihe wurden eigens Kooperationen mit der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“, dem Telegraph und der Firma Blüthner getroffen. Aber auch Spielorte der freien Szene werden heute häufiger zum Schauplatz der initiierten Konzerte, bspw. die naToUT Connewitz und Conne Island.

 


Einblick in Leipzigs Jazz-Geschichte


Bereits seit den 20er Jahren erlebt das Genre großen Zuspruch in Deutschland und somit auch in Leipzig. Denn die Stadt galt damals schon als weltoffen und Förderer des kulturellen Lebens. Bald schon spürte man den Zeitgeist des Jazz auf mannigfaltige Weise. Es zog immer mehr international anerkannte Künstler nach Leipzig. Unter anderem spielte 1928 Sam Wooding mit den „Hot Chocolate Kiddies“ im Central-Theater. Er inspirierte auch deutsche Tanzkapellen dazu, Jazzelemente in ihre Musik zu integrieren. Im Jahr 1965 sorgte der Auftritt des amerikanischen Jazztrompeters und Sängers Louis Armstrong in der Leipziger Messehalle für großes Aufsehen. Und das, obwohl sich der damalige Staatschef der DDR, Walter Ulbricht, gegen den Jazz aussprach und ihn als „Affenmusik“ bezeichnete. Dennoch ließ er das Gastspiel zu. Etwa 1.200 Menschen kamen zu den zwei Konzerten von Armstrong und applaudierten, bis ihnen die Hände brannten. Der frenetische Jubelsturm klang erst nach acht Minuten ab. Seit der Gründung des Jazzclub Leipzig 1973, hervorgegangen aus dem Freundeskreis Jazz, fördert er insbesondere den zeitgenössischen Jazz und bietet der Avantgarde der Szene genügen Raum zum Florieren. Seit den 1976 zum ersten Mal veranstalteten Jazztagen gelang es Leipzig, einen internationalen Ruf als Jazzstandort zu erwerben und bis heute zu halten. In dieser Zeit kamen auch einige Bands und Künstler aus Amerika zu den Jazztagen, was damals keine Selbstverständlichkeit war – zumal der Verein in der DDR maximal geduldet worden ist. Im Zuge der beispiellosen Erfolgsgeschichte des 
Festivals traten hier so schon Ikonen wie Aaron Goldberg und das Claudia Quintet aus den USA, Shai Maestro aus Israel und Rusconi aus der Schweiz auf.


Heute verfolgt der Jazzclub Leipzig vor allem mit seiner Reihe „Jazzclub Live“ eine ganz bestimmte Philosophie. Er will der jungen und bunten Szene der Stadt eine Bühne zum Ausprobieren bieten. Leipzig soll aber auch gleichermaßen ein ganzjähriger Pilgerort für internationale Musiker sein, die nicht nur im Herbst zum großen Festival erscheinen. Ebenso veranstaltet der Verein so gut wie jeden Dienstag die „HMT Stage Night“ im Keller des Telegraph. Dort können sich die jungen Nachwuchstalente vor einem Publikum üben. Bei dem kostenlosen Event hat selbst jemand, der vorher noch nicht mit Jazz in Kontakt gekommen ist, die Chance, einen Einblick in die Vielfältigkeit dieser Welt zu bekommen.

 

Auflehnung gegen alte Konventionen


Man wird bei einem der vielen Jazz-Konzerte in der Stadt Dinge hören, die man so vorher noch nicht gehört hat. Man wird aber auch altbekannte Klänge wahrnehmen, solange man nicht nur auf Techno steht. Jazz bedient sich wie kein zweites Genre in diversen Strömungen sowie Richtungen und vereint diese schließlich in sich. Dabei erfährt die Musik in einer atemberaubenden Fluktuation immer wieder Reformationen und bleibt somit ewig jung. Letztendlich ist Jazz heute längst nicht mehr nur eine Musikform, sondern ein Lebensgefühl. Er steht für die Förderung des freien Geistes und die Auflehnung gegen alte Konventionen. Aber auch für die Toleranz. Jazz will, dass Menschen in einen Dialog treten und zu Kontroversen anregen.

 

Info: 21.2 Philipp Rumsch Ensemble, UT Connewitz

 

Musiktipps des Jazzclub Leipzig e.V. 

Omer Klein – Fearless Friday
The Bad Plus – It´s hard
Erika Stucky – Call me Helium 
Rusconi - Revolution



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