Der schwarze Nazi

Leipziger Filmprojekt „Der schwarze Nazi“

Eine Filmgroteske am Nerv der Zeit

01.04.2016

Dunkel raunt es gerade aus dem Freistaat – der Fremdenhass wächst und rechtspopulistische Parteien finden immer mehr Anklang bei den sogenannten Wutbürgern. Während Sachsen seinen Ruf mit Pegida, Legida und Co. nicht gerade aufwertet, trägt eine junge Filmproduktionsfirma zu friedlichem Gegenprotest bei.  Unter dem Motto „Integrationskurse für Nazis“ stellen sie die Frage, was „Deutsch-Sein“ überhaupt bedeutet.

Der schwarze Nazi
Sikumoya und seine Crew
Die Geschichte handelt von dem Kongolesen Sikumoya, der, erst neu nach Sachsen gekommen, versucht, in die deutsche Gesellschaft aufgenommen zu werden. Vergebens. Auf dem Arbeitsamt wird der Lehrer als faul bezeichnet, in der Tram wird er angestarrt und seine Schwiegermutter akzeptiert ihn nur als Gast in Deutschland.

Als er von einer Nazikameradschaft brutal zusammengeschlagen wird, bricht er zusammen. Sein großer Wille, einfach als Deutscher akzeptiert zu werden, entwickelt im Koma eine neue Dimension. Er durchlebt eine Metamorphose und versiert zum „Deutschesten aller Deutschen“. Bei einem öffentlichen Auftritt der NPO (Nationale Patrioten Ost) ergreift er das Wort und überholt die Nazis von rechts. Die Zuhörer sind begeistert. 

Zwei Könige machen sich an den „Schwarzen Nazi“

 

Die Leipziger Regisseure Tilman und Karl-Friedrich König haben die Idee zum Film bereits vor zehn Jahren gehabt. Man könnte meinen, sie hätten die Zukunft vorausgesehen, bei der Aktualität, die ihr Film zum Erscheinungszeitpunkt hat. 

Schon 2006 haben sie einen Film gedreht, dem die Idee des schwarzen Nazis zugrunde lag. „Inspiriert wurden wir dabei von einem Freund unserer Familie, Kalemba Mukumadi. Er stammt aus dem Kongo und lebt heute in Jena. In der Saalestadt hat auch er böse Erfahrungen mit dem Rechtsextremismus gemacht – wurde schwer verprügelt und musste ins Krankenhaus. Wir fragten ihn damals, ob er sich vorstellen könnte, in einem Film von uns eine Rolle zu übernehmen, und er sagte, dass er entweder Martin Luther King oder Hitler verkörpern würde“, sagt Tilman König. 

Zu diesem Zeitpunkt hatten die König-Brüder weder ein richtiges Team noch die ausreichenden finanziellen Mittel, um auch nur an einen Kinofilm zu denken. Die Idee ist ihnen aber nicht mehr aus dem Kopf gegangen und so „wussten wir schon damals, dass wir das Ganze noch einmal besser machen würden“, so Karl-Friedrich König. Erst 2010 holten sie den „schwarzen Nazi“ wieder aus der Schublade hervor und dann wurde so richtig angepackt. Unterstützung bekamen sie dabei von der „Gruppe Weimar“, einer damals etablierten Filmproduktionsfirma. So konnte im Jahr 2013 ein Vorproduktionstrailer entstehen, der dafür genutzt wurde, auf den Film aufmerksam zu machen, ein Team auf die Beine zu stellen und die nötigen Fördermittel zu bekommen, unter anderem mit gut geplanten Crowdfunding-Aktionen. „Wir freuen uns schon riesig, den Film selbst in den Leipziger Kinos auf einer Leinwand zu sehen. Das ist ein ganz besonderes Erlebnis nach all der Zeit und dem Herzblut, das wir in den Film gesteckt haben“, so Karl-Friedrich. 

Wer oder was ist „Deutsch“?

 

Der schwarze Nazi.
Dreh am Lindenauer Markt
Außerdem ist der Film teilweise so etwas wie bittere Wahrheit geworden. „Auf den Pegida-Demonstrationen in Dresden äußerte sich ein junger Mann aus Kamerun und erhielt von den Demonstranten Applaus. Als wäre unser Film wahr geworden, noch bevor er in die Kinos gekommen ist“, so Karl-Friedrich König.

 

Im Mittelpunkt des Films steht die Frage, was „Deutsch sein“ überhaupt bedeutet. Wann ist jemand „richtig integriert“ und wie definieren wir Integration eigentlich? Eine Frage, die gerade im Moment von mehr gesellschaftlicher Relevanz geprägt ist denn je. Auch daher sollte man die Chance nutzen, ab April ein Kino zu besuchen und sich die Filmgroteske anzusehen – um sein vermeintliches Selbstverständnis auf humoristische Art und Weise mit neuen Ansätzen konfrontiert zu sehen. Sikumoya führt diejenigen vor, die gerade bei Pegida, Legida und Co. meinen, sie hätten verstanden, was es bedeutet, integriert und „wahre Deutsche“ zu sein. „Wer den Film unterstützen will, kann einfach auf der Crowdfunding-Seite von VisionBakery vorbeischauen, wir freuen uns“, so die Könige. 



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